Facebook-IPO, Facebook-Börsengang

Facebook ist eines der Phänomene unserer Tage: Die einen lieben es und begehen täglich ihren ganz persönlichen Seelen-Striptease in der Welt des blauen Netzwerks. Andere geben an, das größte Social Network der Erde zu hassen und boykottieren Facebook seit Jahren oder zumindest temporär. Dabei scheint erstere Fraktion zumindest potent vertreten: Ganze 800 Millionen Nutzer hat der Facebook-Hype erwischt. Nun wird die für diesen Mittwoch geplante Beantragung zum Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC (www.sec.gov) zur potentiellen Investmentquelle für viele. Für gewöhnlich dauert ein Börsengang danach etwa drei Monate. Vermutlich fällt der IPO mit fünf Milliarden US-Dollar nun doch kleiner als erwartet aus. Experten gehen davon aus, dass Facebook einen Börsenwert von 75 bis 100 Milliarden US-Dollar anstrebt. Die größten Gewinner werden mit diesem IPO auf einen Schlag reich. Investieren oder nicht – hier scheiden sich die Geister. Wie verknallt ist die Welt in Facebook?

Experten warnen vor dem Aktienkauf

Facebook ist längst ein Phänomen des Alltags und feierte einen großen Triumph nach dem anderen – im Februar 2004 von Mark Zuckerberg erfunden, brach der Riese immer wieder Rekorde. Ob Google Plus, die Kritik an der Chronik oder die Zeilen um ungewollte Riesenparties – nichts stoppte das Wachstum. Facebook hat sich geschickt in den Alltag vieler Nutzer verflochten und immer wieder neue User hinzugewonnen. Bis zu 100 Milliarden US-Dollar könnte das Unternehmenen beim Börsengang wert sein, rund das 100-fache vom aktuellen Jahresgewinn.

Experten warnen vor dem Aktienkauf. Normalerweise seien Aktienkäufer bereit, für Anteile das sechs bis achtfache des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) zu zahlen. Einschätzungen zufolge wird das KGV bei Facebooks angestrebtem Börsenwert von 100 Milliarden US-Dollar einem Wert von etwa 280 entsprechen. Mit dem angestrebten Börsenwert legt Facebook die Wachstumsziele hoch – die Aktie könnte also nach der Haltefrist für Frühanleger abstürzen.

Facebook IPO kleiner als erwartet?

Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wagten sich im vergangenen Jahr 19 Internetfirmen an die Börse – darunter Größen wie Groupon (www.groupon.com), LinkedIn (www.linkedin.com) und Zynga (www.zynga.com). Facebook wird die Größe aller Börsengange übertreffen. Im Zuge eines Initial-Public-Offerings könnten Aktien im Umfang von etwa zehn Milliarden US-Dollar platziert werden. Diese Grenze wollte Facebook nach Informationen aus Branchenkreisen zunächst komplett ausreizen – nun geht International Financial Review unter Berufung auf Quellen, die mit dem Deal vertraut seien, von rund fünf Milliarden US-Dollar aus – erwartet wurde doppelt so viel. Etwa ein Zwanzigstel des Gesamtumfang der Anteile also. Facebook kommentiert den Bericht nicht.

Solle die Nachfrage bei den Anlegern entsprechend hoch seien, könnte dann bis zum tatsächlichen Börsengang im Mai oder Juni das Angebot noch weiter erhöht werden. Als führende Bank ist demnach Morgan Stanley gewählt worden, daneben seien Goldman Sachs, die Bank of America, Merrill Lynch, Barclays Capital und JP Morgan an Bord.

Dass Facebook gerade jetzt den Gang an die Börse wagt, verwundert dabei nicht. Die Anzahl der Investoren wird bald die wichtige Marke von 500 erreicht haben – nach US-Börsenrecht ist das Unternehmen dann gezwungen, ähnlich einem börsennotierten Unternehmen einmal pro Quartal umfangreiche Finanzierungs-Details öffentlich zu machen. Damit käme ein erheblicher Aufwand auf die Firma zu, ohne dass sie von einer Börsennotierung profitieren könnte. Der Börsengang zum jetzigen Zeitpunkt könnte also eine taktische Entscheidung sein. Aber wer gehört zu den großen Gewinnern?

Vorbörsliche Investoren profitieren am meisten vom Facebook-IPO

Glücklich kann sich nun vor allem schätzen, wer früh hinter der Idee Facebook stand. Zu der Gruppe der vorbörslichen Investoren zählen neben Privatgeldgebern, Beteiligungsfonds und VCs. Wer bereits 2005 oder 2006 „günstig“ investierte, bekommt mit dem Börsengang nun ein Vielfaches zurück. So zum Beispiel der US-VC Accel Partners (www.accel.com), der 2005, als Facebook auf 100 Millionen US-Dollar geschätzt wurde, 12,7 Millionen US-Dollar investierte. Jim Breyer sicherte sich einen Anteil von rund 13 Prozent am Unternehmen. Legt man vorsichtige Schätzungen zugrunde, die Facebook heute mit einem Unternehmenswert von 75 Milliarden Dollar ansetzen, wäre der Anteil des Facebook-Frühinvestors heute also mehr als neun Milliarden US-Dollar wert.

Gut getroffen hat es auch der in Frankfurt zur Welt gekommene Manager und Co-Founder von PayPal Peter Thiel, der bereits 2004 eine Summe von 500.000 US-Dollar in Facebook steckte, bei einer Bewertung von gerade einmal fünf Millionen US-Dollar. Wie viele Anteile er noch besitzt, ist allerdings unklar.

Im Jahr 2007 stieg Microsoft mit 240 Millionen US-Dollar ein und erwarb knapp 1,5 Prozent des Social-Networks. Auch der Digital Sky Technologies (www.dst-global.com) besitzt seit 2009 einen Anteil von etwa 2,3 Prozent an Facebook und ist damit der Investor mit dem größten zu leistenden Investment. Zum Investorenkreis gehören zudem unter anderem die US-Firmen Elevation Partners (www.elevation.com), Goldman Sachs und Hercules Technology (www.htgc.com). Bisherige Kleinanleger konnten nur über Investmentfonds in Facebook investieren. Laut Techcrunch haben verschiedene Kapitalgeber derzeit rund 2,3 Milliarden US-Dollar in Facebook investiert.

Was passiert nach Facebooks Börsengang?

Die Wetten sind also platziert, wobei im Vorfeld ohnehin nur eine bestimmte Klientel in Frage kam: Die US-Börsenaufsicht SEC verlangt von Anlegern, die sich an so genannten Vor-IPO-Käufen beteiligen, ein Vermögen von mehr als einer Million US-Dollar oder ein Jahreseinkommen von über 200.000 US-Dollar. Facebooks Börsengang wird zwischen April und Juni 2012 erwartet. Dann wird sich zeigen sehen, wie verknallt die Welt in Facebook ist.

Mitarbeit: Joel Kaczmarek

Update: Uns lag eine Fehlinformation zu Mail.ru und DST vor. Nicht Mail.ru sondern Digital Sky Technologies investierte u.a. in Facebook, Zynga und Groupon. DST ist unabhängig von Mail.ru. Vielen Dank Oliver, für den wichtigen Hinweis!

Bildmaterial: Guillaume Paumier / Wikimedia Commons, CC-by-3.0; Penywise