Drei Dinge im Leben sind einfach: Das Geld anderer Leute ausgeben, Ideen anderer Leute schlechtreden und etwas nicht mögen. Kostet nichts und verlangt nur minimalen persönlichen Einsatz. Auf Facebook gibt es bis jetzt vier Möglichkeiten, auf Postings in der Timeline zu reagieren: Liken, kommentieren, Beiträge teilen – oder einfach nur schweigen. Seit ein paar Jahren kocht deshalb immer wieder die Diskussion hoch, ob es auf der Plattform einen „Dislike“-Knopf geben sollte, um Missfallen auszudrücken. Jetzt scheint es soweit zu sein. Doch in freudiger Erwartung, endlich auch auf Facebook alles schlecht finden zu dürfen, wurde die Bemerkung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg leider oft missverstanden.

Zuckerberg will uns lediglich die Möglichkeit geben, unser Mitgefühl auszudrücken. Das klingt schon anders als ein schnödes „Dislike“. Es passe eben nicht, eine traurige Nachricht oder ein Foto eines toten Flüchtlingskindes zu liken, meint Zuckerberg. Und er hat recht. Wie das genau funktionieren soll, verriet der Facebook-Chef allerdings noch nicht. Man arbeite daran. Hat der neue Knopf Auswirkungen auf den Algorithmus? Was bedeutet das für die Marken oder Journalisten, die auf Facebook unterwegs sind? Wir warten gespannt.

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Aber warum wird ein Dislike-Knopf eigentlich mit dieser Vehemenz vermisst? Soll er gegen Hasskommentare helfen? Man könnte argumentieren, dass Facebook ohne einen Dislike-Button eine schöne, positive Scheinwelt aufbaut, in der es nicht möglich ist, Kritik zu äußern. Das ist aber nicht der Fall. Der Kritiker muss lediglich die Mühe auf sich nehmen, einen Beitrag zu kommentieren und für seine Haltung ein paar Argumente zusammenzukratzen. Und er muss sich gefallen lassen, dass darauf reagiert wird. Mit einem Dislike-Button wäre es viel einfacher, Menschen und Meinungen zu diskreditieren. Mit einem einzigen Knopfdruck. Was würde eigentlich passieren, wenn ein junges Mädchen ihr Profilbild ändert und sie dafür 300 Dislikes bekommt?

Facebook ist an vielen Stellen ein Ort der positiven Energie und des Austausches. Ja, es gibt auch Hassbeiträge. Dummheit kann leider auch Facebook nicht abschaffen. Mit einem Dislike-Button würde Facebook zu einem öffentlichen Gerichtshof werden. Es würden sich nicht mehr so viele Menschen trauen, frei ihre Meinung, ihren Geschmack und ihre Vorlieben zu posten. Facebook wäre in Windeseile ein Ort des Neids und der ungebremsten Aggressionen. Weil es so einfach ist, etwas schlecht zu finden, und weil es viel schwieriger ist, eine gute Idee zu haben und etwas richtig toll zu finden. Aber wir setzen auf Zuckerbergs Ankündigung. Es soll um Mitgefühl gehen. Für die, die dazu in der Lage sind.

Wohin mit dem Hass? von Jochen Distelmeyer auf tape.tv.

Wohin mit dem Hass, all dem Hohn und Spott?
Dem Neid mit dem ihr mich betrachtet

Alles was ihr wisst, ich bin nicht wie ihr
und so wird es immer sein

Also gebt mir euren Hass und seht mir zu
Wie ich ihn für euch verwandle

Wenn ich fertig bin lass ich euch in Ruh‘
alleine mit eurem Hass

(Jochen Distelmeyer, „Wohin mit dem Hass“) 
Foto: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Maks Karochkin