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Was man über Facebooks jüngsten Zukauf wissen muss

Facebook kauft Oculus VR, Entwickler einer Virtual-Reality-Brille – und zahlt dafür 400 Millionen US-Dollar in bar, dazu etwa 1,6 Milliarden Dollar in Aktien sowie bis zu 300 Millionen Dollar, wenn bestimmte Ziele erreicht werden.

Die zehn interessantesten Fakten über den Deal:

  1. Oculus VR ist das erste Kickstarter-Unternehmen mit einer Milliardenbewertung. Nicht mal zwei Jahre ist es her, dass das Startup für die Entwicklung eines Prototyps auf der Crowdfunding-Plattform knapp 2,5 Millionen US-Dollar einsammelte.
  2. Erfinder der Oculus Rift ist der gerade mal 21 Jahre alte Palmer Luckey. Sein Studium an der California State University Long Beach brach er ab – ähnlich wie Facebook-CEO Mark Zuckerberg, der 2004 die Harvard University ohne Abschluss verließ. Übrigens ist auch WhatsApp-Gründer Jan Koum (ehemals San Jose State University) ein Studienabbrecher.
  3. Zuckerberg wurde vor einem Monat im Aufzug des Oculus-Firmensitzes gesichtet. Ein Reddit-Nutzer, der die Beobachtung auf der Plattform teilte, konnte gestern Nacht stolz mitteilen: „I told you so.
  4. Die Verhandlungen zwischen Oculus und Facebook sollen in Rekordzeit abgeschlossen worden sein. Fünf Tage hat die Finalisierung des Deals laut TechCrunch nur gedauert, verhandelt wurde am Rande der Games Developers Conference Mitte März.
  5. Die Facebook-Aktionäre scheinen von der Akquisition nicht unbedingt überzeugt zu sein: Im nachbörslichen Handel gab die Aktie deutlich nach. Allerdings nicht so stark wie nach dem WhatsApp-Zukauf.
  6. Wearable Tech liegt im Trend. Das zeigt auch eine zweite Übernahme, die im Facebook-Oculus-Wirbel fast untergeht: Chip-Hersteller Intel hat die zu Monatsbeginn öffentlich gewordene Übernahme des Smartwatch-Startups Basis Science gestern endgültig beschlossen.
  7. Im Februar WhatsApp für 19 Milliarden, nun Oculus für bis zu 2,3 Milliarden: Facebook ist auf milliardenschwerer Einkaufstour – die aber nicht ungebremst fortgesetzt werden soll. Beteuert Mark Zuckerberg zumindest gegenüber Journalisten: „Erwartet nicht, dass wir weitere Milliarden-Dollar-Übernahmen in dieser Frequenz tätigen werden.“
  8. Netscape-Gründer Marc Andreessen spielt eine interessante Doppelrolle in dem Deal: Er ist Board-Mitglied sowohl bei Facebook als auch bei Oculus. Seine VC-Firma Andreessen Horowitz war einer der ersten Investoren von Facebook – und führte vor gerade mal drei Monaten eine 75-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde für Oculus VR als Lead-Investor an. Auch bei Facebooks milliardenschwerer Übernahme von Instagram profitierte der VC: Aus den 250.000 in die Foto-App investierten Dollars machte Andreessen Horowitz sagenhafte 78 Millionen US-Dollar. Wegen des möglichen Interessenkonflikts sei er an den Oculus-Verhandlungen nicht beteiligt gewesen, sagt Andreessen.
  9. Bei Minecraft-Entwickler Markus Persson war eine Version des Spiels für die Oculus-Brille in Arbeit – doch wegen der Facebook-Übernahme will Persson das Projekt beerdigen. „Ich habe den Deal gerade abgesagt. Facebook creeps me out“, twitterte die Entwicklerlegende.
  10. Zuckerberg will aus der Brille, die vor allem für den Games-Einsatz bekannt ist, eine Kommunikationsplattform machen. Interessanterweise hat Oculus-CEO Brendan Iribe schon im vergangenen Jahr eine ähnliche Vision beschrieben – eine Social- oder Messaging-App, mit der sich „die Leute endlich vom 2-D-Monitor befreien können“. Gegenüber Re/Code-Autor Eric Johnson sagte er: „Eines Tages werden die Kids zurückblicken und über FaceTime lachen.“

Der Oculus-Kauf ist das jüngste Kapitel in der der mittlerweile zehnjährigen Facebook-Geschichte. Ein Rückblick in Bildern:

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2004: Im Studentenwohnheim der Eliteuniversität Harvard starten Mark Zuckerberg und seine Kommilitonen Dustin Moskovitz, Chris Hughes und Eduardo Saverin Facebook. Am 4. Februar geht die Seite thefacebook.com online. Zunächst dürfen sich nur US-Studenten bei dem Netzwerk anmelden.

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