UFO

Es gibt unendliche viele Berichte über fliegende Untertassen. Jeder muss für sich selber entscheiden, ob er ihnen glaubt.

Unser Facebook soll sauber bleiben. Der Chef des sozialen Netzwerkes hat seine Meinung geändert und möchte jetzt selber dazu beitragen, dass die Plattform frei von Fake News, Hate Speech und Schund bleibt. Dazu investieren Facebook und andere Firmen jetzt 14 Millionen Dollar in eine neu gegründete Organisation zur Erforschung des digitalen Journalismus. Die News Integrity Initiative des US-Journalisten Jeff Jarvis ist ein internationales Konsortium, das auch zwei Institute aus Deutschland unterstützen: das Hans-Bredow-Institut in Hamburg und die Hamburg Media School. Hier soll man sich Gedanken machen, welche Mechanismen dazu beitragen könnten, Facebook zu einem besseren, friedlicheren Ort zu machen.

Abgesehen davon, dass 14 Millionen Dollar eine übersichtliche Summe für ein so ehrgeiziges Projekt sind, gibt es da noch ein paar andere Herausforderungen. Jarvis über die Ziele seiner Initiative: „Es ist schwer, auf Google, Facebook und Twitter zu erkennen, woher eine Nachricht kommt und ob wir dem Absender trauen können. Die Nutzer, aber auch die Unternehmen selbst brauchen darüber mehr und bessere Informationen. Dazu wollen wir beitragen.“

Ich möchte nicht, dass jemand für mich entscheidet

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Doch wer entscheidet denn jetzt, welchem Absender zu trauen sei? Wenn US-Präsident Donald Trump entscheiden dürfte, dann wäre zum Beispiel die New York Times auf keinen Fall vertrauenswürdig. Die Washington Post auch nicht. Nun ist Trump kein Mitglied von Jarvis‘ Initiative. Aber egal welche Instanz sich zum Richter aufschwingt, um so eine Entscheidung zu treffen, egal wie ausgewogen und unabhängig sie auch ist: Ich möchte nicht, dass irgendjemand für mich entscheidet, wen ich in Zukunft auf Facebook lese und wen nicht, wen ich prominenter in meinem Newsstream sehe und wen nur im Ausnahmefall.

In den USA habe ich viele Abendstunden am Schreibtisch verbracht und nebenbei dem einseitigen und oft abwegigen TV-Programm von Fox News gelauscht. Manchmal aus purer Lust an absurdem Theater, manchmal aus Interesse. Nirgendwo sonst bekommt man einen so klaren Einblick in die Befindlichkeit des konservativen Amerikas. Fox ist in Teilen pures Bildungsfernsehen. Wenn man nicht alles glaubt, was dort erzählt wird. Selbstverständlich folge ich aus ähnlichen Gründen Fox, Breitbart, der AfD, Russia Today, Infowars und vielen anderen, sagen wir mal, umstrittenen Quellen auf Facebook.

Sie glauben trotzdem weiter an Chemtrails

Denn das ist doch gerade die Stärke des Netzwerkes. Es bietet einen unverstellten Einblick in die Gedankengänge von Menschen, die man eben nicht jeden Tag im Büro oder in seiner Stammkneipe trifft. Das mag manchmal nur schwer erträglich und nervenaufreibend sein. Ich möchte trotzdem nicht, dass diese interessanten Einblicke aus meinem Blick verschwinden, weil Facebook oder Jeff Jarvis entschieden haben, dass sie nicht gut für mich sind. Über die Dosierung entscheide ich lieber selber.

Nun mag es Menschen geben, die sich von Quatsch, Propaganda und Hetze beeinflussen lassen. Müssen wir sie deshalb auf Facebook davor schützen? Auch ein Quellenhinweis oder Warnhinweis wird diese Nutzer nicht daran hindern, weiter an Chemtrails, verstrahltes Fukushima-Sushi in San Francisco und 9/11-Verschwörungstheorien zu glauben. Im Gegenteil. In ihrer verschobenen Weltsicht würde ein Warnhinweis diese Sorte von „News“ geradezu adeln. Die Initiative von Jeff Jarvis wird schon bald selber zu einem beliebten Ziel von Verschwörungstheorien sein.

Die Verantwortung kann uns niemand abnehmen

Nein, wir kommen nicht drumherum. Wir sind auf Facebook mit allen anderen Nutzern verbunden und es liegt in der Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns, dafür zu sorgen, dass Fake News, haarsträubender Unsinn und Hass keine Chance in unserem Freundeskreis hat. Ja, es ist unser Netzwerk, es gehört uns allen. Und das muss so bleiben. Auch wenn Mark Zuckerberg inzwischen die Notwendigkeit verstanden hat, auf die entsetzten Hilfeschreie der besorgten Nutzer zu reagieren und unternehmerisch klug Geld in einen ehrenwerten Versuch zu investieren – diese Arbeit und Verantwortung kann uns niemand abnehmen.

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