Die Tür geht auf und da steht sie. Unsere neue Schülerpraktikantin. 18 Jahre alt. Auf die Frage, ob sie noch auf Facebook unterwegs sei, sagt sie knapp: „Nur noch selten. Bin eher bei Instagram.“ Damit ist sie in der sehr jungen Generation kein Einzelfall. Schon seit einiger Zeit laufen Netzwerke wie Pinterest, Snapchat, YouNow oder eben Instagram dem blauen Klassiker den Rang ab. Facebook hat mit dem Kauf von Whatsapp und Instagram bereits reagiert. Auf keinen Fall will man die jüngeren Leute an die Konkurrenz verlieren.

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Doch der Zukauf von konkurrierenden Diensten ist nur ein Teil der Facebook-Strategie, um sich fit für die Zukunft zu machen. Auch am eigenen Produkt wird fleißig geschraubt. Vor einer Woche kündigte die Firma von CEO Mark Zuckerberg an, dass in Zukunft auch Geldüberweisungen über die Messaging-Funktion von Facebook möglich sein werden. Jetzt wurde bekannt, dass Facebook sich bemüht, große Medienunternehmen ins Boot zu holen. Inhalte der New York Times oder Buzzfeed sollen in Zukunft komplett auf Facebook veröffentlicht werden. Zumindest wird gerade darüber verhandelt.

Bis jetzt gab es auf Facebook nur Anrisse der Medieninhalte. Also ein Foto, eine Überschrift und ein paar Zeilen Text. Der Link führte dann auf die Anbieterseite. Auf Mobilgeräten kann es schon etwas dauern, bis die Quellseite angezeigt wird. Vielleicht zu lange in unseren schnellen Zeiten. Wenn der Inhalt direkt bei Facebook läge, würde sich der Prozess bis zum Lesen eines Artikels deutlich beschleunigen.

Für Facebook ist es wichtig, dass die Nutzer möglichst lange in der Anwendung bleiben. Es sind durchaus noch andere Services als Geldüberweisungen und Nachrichtenlektüre denkbar, die man in Zukunft direkt in Facebook erledigen könnte. Für die Verlage ist Facebook ein mächtiges Instrument zur Verbreitung von Inhalten. Bereits heute wird ein bedeutender Teil des Traffics auf Nachrichtenseiten durch Postings auf Facebook generiert. Immerhin sind hier theoretisch 1,4 Milliarden Menschen erreichbar. Das Netzwerk ist zu einer Art digitalem Vertrieb geworden.

Gleichzeitig machen sich Verlage auch vom Facebook-Traffic abhängig. Der Algorithmus des Netzwerks entscheidet, wer und wie viele Nutzer die Inhalte sehen können. Die Medienhäuser selber haben darauf keinen Einfluss. Außerdem müssten bei einer so engen Zusammenarbeit auch die Werbeeinnahmen mit Facebook geteilt werden und Nutzerdaten blieben auch beim Netzwerk.

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Verlage müssen sich also entscheiden: Entweder sie verfolgen die Strategie, ihre Inhalte möglichst auch außerhalb ihrer eigenen Webseiten zu verteilen oder sie schotten sich ab, um die Kontrolle über ihre Marke, ihr Publikum und Werbegelder zu behalten. Vielleicht ist auch ein Mittelweg denkbar. Schnelle Nachrichten gehen in die Netzwerke, wertvoller Inhalt verschwindet hinter einer Paywall.

Für die New York Times, Buzzfeed, National Geographic, Guardian, Quartz und Huffington Post ist die Facebook-Lösung zumindest denkbar. Sie sollen bereits mit dem blauen Riesen verhandelt haben. Ein Ergebnis gibt es allerdings bis jetzt noch nicht.

Unsere Schülerpraktikantin ist jetzt Mitglied in der geschlossenen Facebook-Gruppe von Gründerszene. So ganz einfach entkommt man dem Netzwerk also nicht.

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