Facebook

Ein perfektes Produkt sieht gut aus, tut unkompliziert das, wofür es gedacht ist und ist selbsterklärend. Für Geräte von Apple gab es zum Beispiel noch nie eine Gebrauchsanweisung. Das gehört bis heute zum Selbstverständnis des Herstellers aus Cupertino. Die Geräte werden ausgepackt, gestartet – und es geht ohne jeden Erkläraufwand sofort los. Zumindest theoretisch. Apple versteht das Design von Software und Hardware als intelligente Nutzerführung. So wie es Dieter Rams für die legendären Geräte von Braun vorgemacht hat.

Facebook wird von mehr als eine Milliarde Menschen täglich genutzt. Die Software ist allerdings weit davon entfernt, selbsterklärend zu sein. Es gibt viele versteckte Einstellungsmöglichkeiten. Die Erläuterungen zu den Einstellungen sind oft kryptisch. Wer sich nicht intensiv mit den Möglichkeiten auseinandersetzt, tut Dinge, die er gar nicht will. Wer kann meine Fotos sehen? Wer kann meine Einträge sehen und kommentieren? Die Masse der Anwender weiß das gar nicht.

Statt Nutzer zu verbergen oder nur Freundschaftsanfragen von Bekannten zuzulassen, scrollen viele Nutzer einfach über unliebsame Einträge hinweg oder lehnen mühsam Anfragen von Unbekannten ab. Eigentlich soll der Facebook-Algorithmus von den Gewohnheiten der Nutzer lernen. Das kann er aber nicht, wenn niemand Beiträge oder Werbung verbirgt, unliebsame Störer blockiert und sich seinen Newsstream sorgsam kuratiert.

Wo die Daten bleiben, ist eine andere Frage

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Um das zu tun, müsste Facebook intuitiv bedienbar sein. Das Gegenteil ist der Fall. Deshalb wird jetzt in einer aufwändigen Werbekampagne unter dem Motto „Mache Facebook zu deinem Facebook“ den Kunden auf Plakaten, Anzeigen und in TV-Spots erklärt, wie sie die Software nach ihren Wünschen konfigurieren können. Ja, man kann Fotos oder Posts „löschen“. Zumindest so, dass sie nicht mehr sichtbar sind. Wo die Daten wirklich bleiben, ist eine andere Frage. Ja, man auch einstellen, wer die eigenen Posts zu sehen bekommt. Aber macht das eigentlich jemand?

Mit dieser Aktion reagiert das soziale Netzwerk auf die immer lauter werdende Kritik. Hasskommentare, Fake-Nachrichten, Filterblase durch den Algorithmus, der die Inhalte auswählt, irrelevante Inhalte – die Liste von Vorwürfen an Facebook ist lang. Und Facebook sieht sich offenbar genötigt, guten Willen zu demonstrieren. In dieser ersten Werbewelle sollen die grundlegenden Funktionen verdeutlicht werden. Eine zweite Welle mit tiefgründigeren Funktionen soll folgen. Dann wird es wohl auch um die vielzitierten Hass-Postings gehen.

Mit der Werbekampagne kehren die Betreiber von Facebook die Last der Verantwortung um. Der Nutzer soll doch bitte schauen, dass er sich sein eigenes Facebook vernünftig einstellt, statt immer nur zu meckern. Unter dem Motto: Wer nur mit Idioten und Posern befreundet ist, dürfe sich eben nicht wundern, dass in seinem Stream nur Idiotie und Gepose auftaucht.

Die Suche ist eine Katastrophe

Ja, auch die Nutzer tragen Verantwortung für ihr Verhalten im Netz. An dieser Haltung ist durchaus etwas dran. Aber Facebook ist es auf der anderen Seite nicht gelungen, ihren Kunden eine selbsterklärende Software zur Verfügung zu stellen, die sich den individuellen Wünschen automatisch anpasst. War das nicht eigentlich das Versprechen des Netzwerkes? Die Suche ist eine Katastrophe, die Bedienbarkeit und die Einstellungsmöglichkeiten werden mit ihrer Fülle der Funktionen immer unintuitiver. Also kümmert sich kein Anwender darum. Daran wird auch die erklärende Werbung nichts ändern.

Foto: Facebook