16 Millionen Dollar Umsatz im ersten Halbjahr

Es ist mehr als nur ein interessanter Nebenaspekt in der gerade veröffentlichten Quartalsbilanz von Facebook: WhatsApp, die vor gut einem halben Jahr für mehr als 19 Milliarden US-Dollar zugekaufte Messenger-Tochter, machte im ersten Haljahr des laufenden Jahres einen Umsatz von vergleichsweise überschaubaren 16 Millionen Dollar. Gleichzeitig musste das Unternehmen 232 Millionen Dollar an Kosten aufwenden.

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Bemerkenswert dabei ist zunächst, dass der mit Abstand größte Teil davon für Aktienoptionen der Mitarbeiter drauf ging, insgesamt satte 206 Millionen Dollar. Unternehmenschef Jan Koum gibt sich bekanntlich mit einem Jahresgehalt von einem Dollar zufrieden, erhielt dafür aber Anteile im Wert von knapp zwei Milliarden Dollar. Der laufende Betrieb gerät bei all dem zur Nebensache, gerade einmal 13,5 Millionen Dollar kostete dieser in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres. So gesehen arbeitet WhatsApp immerhin profitabel, theoretisch zumindest.

Wenn die derzeit nach eigenen Angaben rund 600 Millionen Nutzer einmal ihre jährliche Gebühr von einem Dollar zahlen, fließt ordentlich Geld in die Kassen. Da die Zahlungen ab dem zweiten Jahr fällig werden, wird man mit diesen Erträgen nun langsam rechnen können – iOS-Nutzer hatten zunächst ohne Abo-Gebühren die App für den gleichen Betrag kaufen können. Die „Lücke“ bis zum Kaufpreis ist dann aber immer noch recht groß – selbst wenn die Nutzerzahlen weiter steigen.

Die Zahlen verdeutlichen also anschaulich, wie sehr der WhatsApp-Deal für Facebook ein Hoffnungswert waren. Facebook beziffert ihn auch: Stolze 15,3 Milliarden Dollar werden der Messaging-Tochter an Goodwill zugerechnet. Die erkauften Nutzer sind dem sozialen Netzwerk übrigens zwei Milliarden Dollar wert (was angesichts des Werts der gesammelten Nutzerdaten sicherlich tiefgestapelt ist), der Markenname knapp eine halbe Milliarde und die Technologie rund 300 Millionen Dollar.

Der Wettbewerb unter Messaging-Apps ist groß – zumindest war er das zwischen Facebook und WhatsApp. Beide Dienste sind sich seit der Übernahme sehr ähnlich geworden, Unterscheidungsmerkmale gibt es wenig, trotz unterschiedlicher Ansätze beim Geldverdienen. Dabei genießen beide ungebrochene, sogar steigende Beliebtheit. Bei Facebook selbst ist das anders, sogar mehr als ein Drittel der eigenen Nutzer halten die Plattform für unseriös, heißt es in einer heute veröffentlichten TÜV-Nord-Studie.

Das könnte langfristig auch alle möglichen Konsequenzen für Facebooks „eigene“ Kurznachrichten-App haben. Und so drängt sich stärker als vielleicht zuvor die Vermutung auf, dass der von Facebook genannte Goodwill zu einem nicht geringen Teil auf einer ganz anderen Art „Hoffnung“ beruht: Den (auch finanziellen) Verlust umgangen zu haben, falls WhatsApp als eigenständiges Unternehmen den Wettbewerb gewonnen hätte.

Artikelbild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Sam Azgor; Screenshot: Facebook SEC-Filing