Startups, Gesellschafter, Minderheitsanteile

Steuersparende Maßnahmen frühzeitig einleiten

Es ist allgemein bekannt, dass jene Gewinne (fast) steuerfrei sind, die eine Kapitalgesellschaft durch Veräußerung von Anteilen an einer anderen Kapitalgesellschaft oder durch Ausschüttungen erhält (§ 8b Körperschaftsteuergesetz). Deshalb ist es unter Gründern und Investoren üblich, Anteile nicht persönlich zu halten, sondern über zwischengeschaltete GmbHs oder UGs. Viele Startups und Wachstumsunternehmen sind so strukturiert.

Nur wenige Gründer und Investoren wissen allerdings, dass der Gesetzgeber diese Steuerfreiheit in den letzten Jahren zunehmend eingeschränkt hat. Gesellschafter, die weniger als 15 Prozent halten, müssen auf Ausschüttungen mittlerweile Gewerbesteuer zahlen (§ 9 Nummer 2a Gewerbesteuergesetz).

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Unter 10 Prozent Beteiligung kommt auf Ausschüttungen sogar noch Körperschaftsteuer hinzu (§ 8b Absatz 4 Körperschaftsteuergesetz). Nun ist zu befürchten, dass die Große Koalition die Steuerfreiheit auch für Veräußerungsgewinne streicht, wenn die Beteiligung weniger als 10 Prozent beträgt.

Ein Gesellschafter, der unter 15 Prozent oder gar unter 10 Prozent an einem Startup hält oder durch Kapitalerhöhungen unter diese Schwellen zu verwässern droht, hat damit unter Umständen einen deutlichen steuerlichen Nachteil. Statt der erhofften Steuerfreiheit führt das Halten von Beteiligungen über zwischengeschaltete Vehikel dann sogar zu einer erheblichen steuerlichen Mehrbelastung von zunächst etwa 30 Prozent des Gewinns. Wenn aus dem Vehikel ausgeschüttet wird, kommen weitere 25 Prozent Steuerbelastung hinzu.

Bündeln von Minderheitsanteilen vermeidet Steuernachteile

Dieser Falle kann man aber durch das Bündeln von Anteilen vorbeugen. Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Einfachste ist, Anteile anderer Gesellschafter zu übernehmen, um damit die 15-Prozent-Schwelle zu erreichen. Solche Anteile können andere Gesellschafter abgeben, die deutlich über 15 Prozent halten oder gar nicht gewerbesteuerpflichtig sind (zum Beispiel natürliche Personen oder ausländische Gesellschafter). Dies kann auch so strukturiert werden, dass die abgebenden Gesellschafter im Exitfall wirtschaftlich keinen Nachteil erleiden.

Es muss aber darauf geachtet werden, dass solche Anteilsübertragungen einem Drittvergleich standhalten, sonst könnten sie vom Finanzamt als Umgehung angesehen werden. Dazu ist es sinnvoll, zunächst einen Kaufpreis für die Anteile auf Basis des Verkehrswerts vorzusehen.

Zusätzlich kann vereinbart werden, dass die eines Tages zu erwartenden Erträge aus den übertragenen Anteilen, also Veräußerungsgewinne und Dividenden, an den abgebenden Gesellschafter abgeführt werden müssen. Dann hat der abgebende Gesellschafter wirtschaftlich keinen Nachteil.

Vor dem Exit aktiv werden

Ganz wichtig ist es, solche Maßnahmen möglichst frühzeitig vorzunehmen. Solange die Unternehmensbewertung noch günstig ist, lassen sich solche Bündelungen nämlich sehr viel einfacher, billiger und sicherer vornehmen.

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Schwieriger wird es, wenn solche Umstrukturierungen kurz nach Finanzierungsrunden oder kurz vor einem Exit gemacht werden sollen. Dann sind nämlich Unternehmensbewertungen dokumentiert, die auch für die Bündelung von Anteilen auf Gesellschafterebene maßgeblich sein können.

Nach der derzeitigen Gesetzeslage müssen die Beteiligungs-Schwellen von 10 bzw. 15 Prozent auch bereits zu Beginn des Jahres vorgelegen haben, in dem eine Ausschüttung beschlossen wird oder ein Exit erfolgt. Anteilsbündelungen helfen also erst im darauf folgenden Jahr. Deshalb sollte hier eher früher als später gehandelt werden.

Bild: © panthermedia.net / Fernando Gregory