Das Titelbild von Faktastisch bei Facebook

Youtube ist derzeit wohl die wichtigste Einnahmequelle

Ein Kuriosum ist sicherlich: Mit ihrem zentralen Asset, der Facebook-Seite, verdienen die Faktastisch-Macher offenbar gar nichts. Werbe-Tweets oder Affiliate-Links finden sich dort keine. Offensichtlich sind Güler und Wins sehr darauf bedacht, die dort aufgebaute Reichweite, die ja durch Facebooks Algorithmus in den vergangenen Monaten immer weiter beschnitten worden sein dürfte, nicht noch weiter zu schädigen.

Um Geld zu verdienen, leiten die beiden ihre Facebook-Fans vielmehr seit einigen Wochen immer häufiger auf Youtube weiter. Dort haben beide einen eigenen Faktastisch-Kanal eingerichtet, an dem sie durch Youtubes Werbevermarktung Geld verdienen. Mittwochs und sonntags laden sie dort neue Videos hoch – zuletzt beispielsweise „12 Fakten über Nutella“. Am erfolgreichsten waren bislang „17 Fakten über WhatsApp“. Die Videos sind kostengünstig im Stile der Facebook-Posts mit Stockfotos und einem Off-Sprecher produziert.

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Der Kanal existiert seit Oktober 2014, bis heute wurden dort 44 Videos eingestellt. „Das Ganze ist gut gemacht, die Themenwahl schön nachfragenah – so was klappt gut auf Youtube“, sagt Youtube-Experte Christoph Burseg. Laut Bursegs Analytics-Tool veescore gehörte Faktastisch im Januar 2014 bei Youtube zu den 50 deutschen Kanälen mit dem größten Abonnentenwachstum. Der Kanal erziele im Durchschnitt 80.000 Videoabrufe pro Tag – also rund 2,4 Millionen Views) pro Monat. Alle Videos sind werbevermarktet.

Geht man von der Formel aus, die Youtuber Philipp Steuer in seinem Gastbeitrag bei Online Marketing Rockstars offenbarte – ein Euro Umsatz pro 1.000 Views – setzen Güler und Wins also etwa 2.400 Euro pro Monat mit Youtube um. Burseg hält es sogar für möglich, dass die beiden Kanalbetreiber zwischen 3.500 und 5.500 Euro im Monat umsetzen.

Die App wurde bislang rund 400.000 Mal heruntergeladen

Als eine weitere Erlösquelle dürften den Faktastisch-Machern ihre Apps dienen. Hier ist die Ermittlung potenzieller Umsätze noch deutlich schwieriger als im Fall von Youtube. Die Höhe der monatlichen Erlöse hängt von der Zahl der ingesamt erzielten Werbekontakte ab. Diese hängt natürlich auch von der Zahl der App-Nutzer ab, die nicht verlässlich ermittelbar ist. Das App-Statistik-Portal Xyo schätzt, dass die iOS-App von Faktastisch bislang 79.000 Mal und die Android-App 316.000 Mal heruntergeladen wurden.

Nicht alle der Downloads dürften dauerhaft genutzt werden – viele Nutzer kehren nach dem ersten Ausprobieren nicht zu einer App zurück. Laut einer Erhebung des Analytics-Unternehmen Localytics liegt der durchschnittliche Anteil an „Power-Usern“ einer App, die diese mehr als zehnmal pro Monat nutzen, im vergangenen Quartal zwischen 20 und 30 Prozent. Übertragen wir diesen Prozentsatz auf die Downloadzahlen, ergeben sich aus dieser Rechnung knapp 24.000 regelmäßige Nutzer der iOS- und rund 102.000 „Power-User“ der Android-Apps.

In beiden Apps (iOS und Android) ist jeweils ein Standard-Banner eingebunden, dass augenscheinlich nicht neu geladen wird. Die Apps bieten zwei Streams – die neusten und die angesagtesten Fakten. Geht man davon aus, dass die Power-User die App möglicherweise 15 Mal im Monat nutzen und etwa 30 Ad Impressions erzeugen, dann erzielt Faktastisch monatlich 720.000 Werbekontakte auf dem iPhone und 3,06 Millionen Werbekontakte auf Android-Geräten.

Legt man nun einen effektiven Tausender-Kontakt-Preis (eTKP) von einem Euro für iOS und 70 Cent für Android (Android-User sind Branchenexperten zufolge weniger zahlfreudig; der Kontakt zu ihnen deswegen weniger wert) zugrunde, so ergibt dies für die Faktastisch-Macher Umsätze von 720 Euro aus Apples App Store und von 2.142 Euro aus Googles Play Store – insgesamt 2.862 Euro. Allein über Youtube und die beiden Apps könnten die Faktastisch-Macher monatlich also geschätzt zwischen 5.200 und 8.300 Euro umsetzen.

So warben die Faktastisch-Macher auf ihrer Facebook-Seite für ihr Buch

Fünfstellige Einnahmen aus einem Buch-Deal?

Den bislang größten Geldregen dürften Güler und Wins jedoch auf anderem Wege erfahren haben – durch klassische „Old Media“. Anfang Dezember 2013 haben beide unter dem Pseudonym „Faktastisch“ ein Buch mit dem Titel „Nilpferde furzen durch den Mund“ im Riva Verlag (Teil der Münchner Verlagsgruppe) veröffentlicht. Um die Einnahmen aus diesem Deal schätzen zu können, haben wir uns bei zwei Experten aus der Buchbranche nach den Vergütungsgepflogenheiten erkundigt. Das Ergebnis: Zwischen acht und zehn Prozent des Netto-Preises erhalten Autoren eines solchen Werkes angeblich – „allerdings nicht nach echten Verkäufen, sondern nach der Höhe der Auflage“.

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Der Verkaufspreis des nur als Taschenbuch erhältlichen Faktastisch-Buches beträgt knapp neun Euro; die Autoren könnten also etwa 70 Cent pro Buch verdient haben. Zur Zahl der verlegten Exemplare wollte der Riva-Verlag auf unsere Anfrage keine Auskunft erteilen – nur, dass sich das Buch in der dritten Auflage befände. Laut Buchreport befand sich „Nilpferde furzen durch den Mund“ für mehrere Wochen in der Spiegel-Bestsellerliste. Die von uns befragten Experten halten es für realistisch, dass bislang Stückzahlen von 40.000 bis 50.000 Exemplaren des Buches produziert wurden – dies käme für die Autoren einem Umsatz zwischen 28.000 und 35.000 Euro gleich.

In Zukunft können die Faktastisch-Macher möglicherweise ein weiteres, großes Einnahmepotenzial erschließen: Facebook hat in den vergangenen Monaten Seitenbetreiber immer stärker dazu animiert, Bewegtbild-Content direkt in dem sozialen Netzwerk hochzuladen. Güler und Wins tun dies bislang nicht – was vermutlich darin begründet ist, dass Facebook diese Inhalte aktuell nicht werbevermarktet. Sollte Facebook dies jedoch ändern und die daraus entstehenden Werbeeinahmen – so wie Youtube es tut – mit den Seitenbetreibern teilen, könnte auf Faktastisch der nächste Geldregen warten.
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Dieser Beitrag erschien zuerst auf OMR.com.

Bild: Facebook-Screenshot

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