Karen Naumann hat sechs Jahre in den USA gelebt und dort ihren M.A. in Counseling und Organisationspsychologie, ihren B.S. in Psychologie und B.A. in Kriminologie gemacht. Nach ihren Studien und Erfahrungen, u.a. als Karrierecoach, beschloss sie, nach Deutschland zurückzukehren. Sich wieder einzugewöhnen fiel ihr schwerer als gedacht. Um diesen Prozess zu verarbeiten, begann sie zu schreiben und gründete ihren Blog „Yogilation“. Karen Naumann arbeitet heute in Berlin für eine anerkannte internationale Business School im Bereich Career Services.

Kein Clown, kein Guru, kein Therapeut

Immer mehr Unternehmen erkennen, dass zufriedene Mitarbeiter Produktivität, Motivation, Teamgeist und den allgemeinen Erfolg für ein Unternehmen bedeuten. Der Erfahrung nach ist Stress ein wichtiger Faktor, der nicht nur für die Gesundheit sondern auch für Motivation und Leistung bei der Arbeit eine wichtige Rolle spielt.

Ich habe vor kurzem darüber gelesen und auch mit Menschen gesprochen, die tatsächlich den Job “Feel-Good-Manager” ausführen. Das ist kein Witz! Ihr denkt jetzt vermutlich, “Was soll das denn sein?”, aber bevor ihr euch einen auf dem Boden sitzenden Guru mit übergekreuzten Beinen vorstellt, oder einen Therapeuten, der Mitarbeiter einlädt auf seiner Couch Platz zu nehmen, um über Probleme zu reden, oder gar einen Clown, der die Mitarbeiter während der Mittagspause unterhalten soll, solltet ihr euren Gedankengang genau dort stoppen und weiterlesen.

Ein Feel-Good Manager (FGM) oder „Wohlfühlmanager“ ist jemand, dessen Hauptaufgabe es ist, Mitarbeiter glücklich zu machen und zu motivieren, und ihre Leistungen auf hohem Niveau zu halten. Die Werkzeuge eines FGM hängen von seinen oder ihren Qualifikationen und Erfahrungen ab. Dazu können Teambildung, Stress-Management, Persönlichkeitsentwicklung, Zeit-Management, und sogar die Vermittlung einfacher Strategien für das Wohlbefinden, wie zum Beispiel viel Bewegung und gesunde Ernährung, gehören.
Neugierig geworden? Hier sind 6 Dinge, die ein FGM in einem Unternehmen verbessern kann:

1. Motivation und Wohlbefinden

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Letzten Sommer habe ich in einer großen Organisation in Chicago ein Praktikum absolviert. Das Kantinenessen enthielt täglich gesunde Lebensmittel wie gegrillten Fisch, frisches, gedünstetes Gemüse, Obst, Eiweiß-Omeletts sowie gefrorenen Joghurt. Darüber hinaus hatte das Unternehmen ein voll ausgestattetes Fitnessstudio mit Aerobic-Kursen am Morgen und am Nachmittag, passend für jeden Zeit- und Terminplan der Mitarbeiter. Es ist natürlich klar, dass nicht jedes Unternehmen über die notwendigen Ressourcen oder das Geld für solche Angebote verfügt, jedoch könnte ein FGM Ernährungstipps, Business Yoga, Pilates, Meditation oder andere leichte Trainingseinheiten „für zwischendurch“ anbieten. Eine ausgewogene Ernährung hält die Mitarbeiter nicht nur gesund, sondern auch glücklich und fokussierter. Außerdem könnten sie durch Entspannung und Stress-Management-Techniken ihre Produktivität steigern und die allgemeine Atmosphäre in der Firma verbessern und so die Gesamtleistung des Unternehmens positiv beeinflussen.

2. Kreativität und Innovation

Denkt mal an die großen Namen der innovativsten Unternehmen der Welt. Was machen diese anders? Sie vertrauen ihren Mitarbeitern, geben ihnen Freiraum, und ermöglichen es ihnen kreativ zu sein, frei zu denken und Brainstorming außerhalb ihrer Schreibtische durchzuführen. Fast keiner von ihnen arbeitet im Büro von 9 bis 17 Uhr und starrt auf einen Computerbildschirm. Man kann Kreativität und Innovation nicht erzwingen oder lehren. So etwas entsteht durch Wohlbefinden, das Gefühl verstanden und gebraucht zu werden und durch Vertrauen. Die Einstellung eines FGM könnte die Tür zu neuem Denken öffnen, indem sichergestellt wird, dass die Mitarbeiter erkennen, dass sie geschätzt und für das Unternehmen als wichtig angesehen werden.

3. Team Spirit

Ein FGM könnte auch bei der Entwicklung des Teamgeistes und Zusammenhalts des Teams helfen, indem er oder sie Bewertungsmethoden nutzt, wie zum Beispiel den Myers-Briggs-Typindikator (MBTI), Disc, Firo-B oder Team-Building-Übungen und Rollenspiele, die Mitarbeitern dabei helfen, einander besser zu verstehen, und als Team zusammenzuwachsen. Wenn man beispielsweise an Sportmannschaften denkt, erscheint es fast unmöglich, ein Spiel oder eine Meisterschaft zu gewinnen, wenn die Spieler nicht als Team zusammen spielen. Leider scheinen heute Mitarbeiter besonders in den westlichen Ländern aufgrund der individualistischen Kulturen im Wettbewerb miteinander zu stehen. Jeder versucht besser als die Kollegen zu sein, um die begehrte Beförderung zu erhalten. Ein FGM könnte die Firmenkultur verändern, indem er die „Einzelkämpfer“ wieder zu einem Team formt.

4. Weniger Krankmeldungen und Kündigungen

Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sind erhebliche Determinanten der körperlichen sowie psychischen Gesundheit. Förderung des Wohlbefindens bedeutet nicht, Arbeitsstunden zu verringern oder mehr Urlaub zu ermöglichen. Es bedeutet, sicherzustellen, dass die Mitarbeiter Gelegenheit haben, Kraft zu tanken und Zeit für Ausgleich zu haben, sprich: ihre Homöostase wiederfinden zu können. Oft führt ein Ungleichgewicht und fehlender Ausgleich zu Unzufriedenheit, die oft als psychosomatisches Problem und Krankheit in Erscheinung tritt. Dies ist wahrscheinlich eins der größten Probleme, die Unternehmen heute haben, denn krankheitsbedingte Arbeitsausfälle verursachen hohe Kosten, niedrige Produktivität und weniger Erfolg für eine Organisation. Ein FGM würde sich um das Wohlbefinden und den Stressausgleich bei den einzelnen Mitarbeitern kümmern, um so präventiv gegen das Abwerben von eigenen Talenten durch andere Firmen und gegen vermehrt auftretende Krankmeldungen vorzugehen.

5. Loyalität für das Unternehmen

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Geld ist schon längst nicht mehr die einzige Motivation. Die Überzeugung und der Glaube an das „Produkt“, die Mission und Vision des Unternehmens, sowie der Einklang der Arbeit mit den eigenen Werten, das Gefühl gebraucht zu werden und die Zufriedenheit mit der eigenen Tätigkeit werden immer wichtigere Motivationsfaktoren. Stell dir einmal vor, dass dein Chef einen FGM für dich und deine Kollegen einstellt. Würdest du nicht auch das Gefühl bekommen, dass er dich und deine Kollegen als wertvoll und wichtig für das Unternehmen ansieht? Es ist fast wie ein Partner oder Freund, der sich um euer Wohlbefinden kümmert. Und ist man nicht auch loyal zu seinem Partner oder Freund?

6. Erfolg

Glückliche, ausgewogene Mitarbeiter sind entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens. Zusätzlich zu all diesen Hilfsmitteln und Vorteilen, könnte ein FGM den Mitarbeitern durch individuelles Coaching dabei helfen, ihre maximale Leistung und Produktivität zu erreichen. Dazu gehören z.B. die Setzung von sogenannten „S.M.A.R.T. Zielen“ oder eine Hilfestellung bei der Suche und Anmeldung zusätzlichen Trainings und Weiterbildungen in dem jeweiligen Arbeitsbereich.

Ist das nicht alles ziemlich logisch? Egal, ob du ein CEO oder ein Direktor von Human Resources bist, denk daran: Wenn du ein Luxusauto fährst, musst du dieses mit Diesel statt Benzin betanken, nicht wahr? Deine Firma ist wie ein teures Auto und der Kraftstoff sind deine Mitarbeiter. Stelle also sicher, dass diese glücklich und motiviert sind.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Yogilation.com.
Bild: FLICKR / Michfiel