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Gigaset-Chef Charles Fränkl

Ex-Siemens-Tochter Gigaset: Erfolg mit Smartphones?

Es ist 2015 – und ein Festnetztelefon-Hersteller wagt sich in den Markt für Smartphones. Die Ex-Siemens-Tochter Gigaset will noch in diesem Jahr erste eigene Geräte verkaufen. Das verkündete Gigaset-Chef Charles Fränkl in der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung. Grund für die neue Ausrichtung: Der Markt sei vielversprechender. Fränkl gibt sich zuversichtlich: Die Smartphones würden „ziemlich cool aussehen“. Die Geräte sollen „qualitativ hochwertig“ und preislich entsprechend angesiedelt sein.

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Von Apple, Samsung und Co. will sich die Gigaset AG, die 2008 aus dem Siemens-Konzern hervorgegangen war, abheben: Das Ziel sei, Smartphones mit dem Festnetz zu verbinden und so das eigene Smart Home von unterwegs steuern zu können. „Wir haben eine Cloud programmiert, in die alle Daten fließen, die Tür- und Fenstersensoren, Bewegungsmelder oder Kameras liefern“, sagt Fränkl der SZ. Die Server stünden vor allem in Deutschland.

Der Quereinstieg kommt aus der Not heraus. Im Jahr nach der Siemens-Ausgliederung lag der Jahresfehlbetrag von Gigaset laut Geschäftsbericht bei über 150 Millionen Euro. 2011 konnte das Ergebnis auf ein Minus von 17,5 Millionen Euro reduziert werden, doch bis 2013 hatte es sich wieder auf über 36 Millionen Euro vergrößert. Die drei Quartalsberichte für 2014 weisen ebenfalls negative Ergebnisse aus.

Vor dem Aus hat Gigaset bislang der chinesische Investor Pan Sutong bewahrt. 2013 erwarb der Investor drei Viertel der Unternehmensaktien, die an der Stuttgarter Börse für wenig Geld gehandelt werden. Fränkl sagt: „Dank seines Engagements haben wir das Unternehmen komplett entschuldet und unser Eigenkapital aufgestockt. Ohne ihn könnten wir nicht ins Smartphone-Geschäft einsteigen.“

Smartphones made in China

Nun ist Gigaset dabei, ein Gemeinschaftsunternehmen mit Pan Sutong in der chinesischen Industriemetropole Shenzhen aufzubauen. Die Massenherstellung von Smartphones lohne sich in China, so Fränkl, da sich Modelle oft nur in Farbe und Speicherkapazität unterschieden. Das Geschäft der schnurlosen Festnetztelefone aber sei anders: „Je individueller ein Produkt ist, desto näher muss man am Kunden sein.“ Deswegen gehe er davon aus, dass die Produktion im münsterländischen Bocholt bestehen bleibe.

Der Umbau sei allerdings noch nicht abgeschlossen: „Wir werden das Geschäft wirtschaftlich noch weiter optimieren müssen.“ Die Geschäftsführung von Gigaset hat die Mitarbeiterzahl des Unternehmens bereits drastisch verringert: von 5.050 im Jahr 2009 auf etwa 1.400 in 2013.

 Bild: Gigaset