Ungewöhnliche Runde: Zinspilot-Chef Tim Sievers, Valentin Stalf von Number26, DKB-Banker Tilo Hacke, Bafin-Präsident Felix Hufeld und Staatssekretär Jens Spahn (von links)

Der erste Bankenwitz kommt ausgerechnet von einem Banker selbst. „Ich habe hier ganz viele schwarze Anzüge gesehen und dachte zuerst, das wäre eine Bankenveranstaltung“, sagt Tilo Hacke von der Deutschen Kreditbank (DKB). Gelächter. Und es stimmt: Fast alle Fintech-Gründer haben den lockeren Pullover zuhause gelassen – und sind im Anzug gekommen.

Schließlich kommt die Einladung zu diesem Fintech-Klassentreffen von ziemlich weit oben: Das Finanzministerium hat etwa 150 Vertreter der Branche eingeladen, darunter die Chefs von Funding Circle, Cringle, IDnow, Vaamo, Scalable Capital, Cashboard, Finleap und Cookies. Ziel der Veranstaltung am Donnerstag: Die Bedenken und Probleme der Branche aufzunehmen und die Gründer mit der wichtigen Aufsichtsbehörde – der Bafin – zu vernetzen.

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Schon die Anwesenheit von Bafin-Präsident Felix Hufeld zeigt, welchem Stellenwert der Fintech-Revolution inzwischen eingeräumt wird. Sicherlich auch ein Verdienst von Finanz-Staatssekretär Jens Spahn (CDU), der sich schon länger zu dem Thema positioniert. „Ich rede lieber zu Fintechs als über Renten“, bekennt er dann auch auf dem Panel. Es würde ihn ärgern, wie viele Berliner Restaurants nur Bargeld annehmen. Das kommt gut an. Doch stellt sich die Frage: Ist dieses Branchentreffen mehr als nur ein symbolisches Beschnuppern?

„Logisch, dass Sie ungeduldig sind“

Erst Anfang des Jahres hatte der Bafin-Präsident dem sogenannten Sandkasten-Prinzip eine Absage erteilt. Britische Fintechs haben mit diesem Modell die Möglichkeit, in einem geschützten Raum ihr Produkt erst einmal auszutesten. Nun geht Hufeld doch einen Schritt auf die Finanz-Startups zu: Es sei „logisch, dass Sie ungeduldig sind“, sagt der Bafin-Mann.

Auf einer neuen Website wolle die Behörde die Informationen zur Regulierung verständlicher aufbereiten. Außerdem solle es klare Zuständigkeiten bei den Ansprechpartnern in der Aufsichtsbehörde geben. Alles Punkte, die Fintechs zuletzt im Gespräch mit Gründerszene gefordert hatten. Im Juni will die Behörde dann sogar eine Konferenz für die jungen Unternehmen veranstalten – unter dem Namen Bafin-Tech.

Regulierung aus einer anderen Zeit

Auch sonst scheinen Hufeld und Spahn für die Anregungen der jungen Unternehmen relativ offen zu sein. Als Matthias Knecht von Funding Circle etwa vorschlägt, lieber die Transparenz von Kreditplattformen zu regeln als Kleinanleger durch Prospektpflichten schützen zu wollen (wie es beim sogenannten Kleinanlegerschutzgesetz der Fall ist), stimmt ihm der Staatssekretär zu: „Ich halte von Prospekten nicht ganz so viel.“ Denn die Dokumente würden nur wenige lesen.

Und als Valentin Stalf von Number26 auf dem Panel zu Bedenken gibt, die Regelungen kämen „aus einer anderen Zeit“, da nickt der Bafin-Präsident zustimmend.

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Bei anderen Themen gibt sich der oberste Aufseher dann eher skeptisch. Etwa bei dem Vorschlag, ob der Staat nicht die Geldanlage mit sogenannten Robo-Advisern steuerlich begünstigen sollte – nach dem Modell der Riester-Rente. Hufeld antwortet mit einem drastischen Vergleich: Wer hafte denn, wenn ein selbstfahrendes Auto von Google jemanden tot fahre? In dem Fall: Wer sei verantwortlich, wenn ein Robo-Adviser die Gelder aus der Altersvorsorge so anlege, dass es zu Verlusten komme?

Nicht zu allen Punkten herrscht Einigkeit zwischen Aufsehern, Politik und Fintechs. Doch Finanz-Staatssekretär Spahn schreibt zumindest immer wieder Punkte in sein Notizbuch. Die Botschaft dabei ist klar: Die Wünsche der Startups kommen bei dem Fintech-Versteher auch wirklich an.

Bild: Gründerszene