Das Publikum auf der Fintech-Konferenz in Köln ist gespannt. Auch Startplatz-Gründer Lorenz Gräf (vorne rechts).

Bankhaus August Lenz. Das klingt alt, nach schweren Holzschreibtischen und Männerrunde bei Whiskey und Zigarre. Und die Privatbank will nun auf der Fintech-Konferenz „What the Fintech?“ des Co-Working-Spaces Startplatz in Köln davon erzählen, wie Banken in der Zeit der Disruption konkurrenzfähig bleiben.

Jochen Werne vom Bankhaus August Lenz aus München

Vor das Publikum tritt Jochen Werne, Direktor des Bereichs Marketing und Business Development bei der Privatbank. Zu Beginn ein Witzchen: „Hier im Raum sind ja alle Disruptoren. Außer die Banken.“ Das finden alle lustig. Aber in Wernes Präsentation geht es eigentlich darum, wie es Banken mit Startups aufnehmen können. Oder „the empire strikes back!“, wie Werne es nennt.

Dann geht es los, erst mal im neunzehnten Jahrhundert. Wir lernen über Pferdekutschen, die ersten Autos und die Disruption im Transportmarkt. Sind die Banken nun die Kutschen und die Startups die Autos? Wie viele Kutschen sind 2016 noch gleich auf den Straßen unterwegs? So war das wohl nicht gemeint.

Werne ist sich sicher: Die Finanzindustrie kann nicht „disrupted“ werden. Zumindest theoretisch. Wegen der riesigen Bilanzsummen, die hinter den Banken stehen. Der Beamer wirft die Mega-Bilanzsumme der Bank of China an die Wand. Aber es geht nicht nur ums Geld: „Wir haben die Kunden“, ruft Werne entschlossen. Es bleibt die Frage: wie lange noch?

Ein Bild von Francisco Gonzáles Rodríguez, Vorstandschef der spanischen Bank BBVA, wird an die Wand projiziert: „einer der innovativsten Menschen im Banking – und er ist nicht 25 Jahre alt.“

Stimmt, „der digitale Banker“ ist über 70. Aber er weiß offenbar, wie wichtig Startups sind: Das letzte Startup, das die BBVA vor ein paar Wochen kaufte, war das finnische Holvi.

Anzeige
In der Praxis sieht das mit der Finanzindustrie und der Disruption aber anders aus. Denn warum sonst sollte sich die Bankgemeinschaft zur „Neu(er)findung“ gezwungen sehen, wie Werne sagt? Schon bei der Wortwahl herrscht ein großer Graben zwischen Startup und Bank: Die einen haben Bock auf digital, die anderen müssen.

Einer der größten Herausforderungen für die Banken? Das veränderte Kundenverhalten. Das muss also angegangen werden, damit die Banken konkurrenzfähig bleiben. Deshalb entschied sich auch das Bankhaus August Lenz für „radikale Veränderungen“, wie die Zusammenarbeit mit dem FinLeap-Venture Finreach. CEO Matthias Eireiner ist nun auch mit auf der Bühne und erklärt die White-Label-Lösung des Startups, die einen Kontowechsel des Kunden innerhalb von zehn Minuten möglich machen soll.

Trotz allem Machtgeplänkel ist die Münchener Privatbank also bereit, mit Startups zu kooperieren. Aber: „Bitte nicht mit dem Versuch, die gesamte Kernsoftware einer Bank umzubauen. Das ist nicht möglich.“ Aus dem Publikum sind ein paar mitfühlende Seufzer zu hören, wahrscheinlich von den Whiskey-Trinkern.

Bild: Kim Richters / Gründerszene