Auf der Folie ist ein riesiger Fisch zu sehen. Er verspeist den Schriftzug „Aufsicht“. Die Nachricht ist klar: Eines Tages wird eine Fintech-Plattform so groß sein, dass die Regulierung nicht mehr darauf eingestellt ist.

Der Bafin-Präsident Felix Hufeld lacht. Er und seine Behörde sind diejenigen, die in diesem Bild gefressen werden. Schließlich überwacht Hufeld die Finanzwelt – und mit ihr auch die Fintech-Unternehmen. Professor Christian Rieck, der Redner auf der Bühne der BafinTech-Konferenz in Frankfurt, ruft Hufeld entgegen: „Noch lachen sie.“

Es ist ein zugespitztes Bild, das jedoch eine wichtige Frage auf den Punkt bringt: Sind die Regeln und Gesetze für junge Fintech-Unternehmen noch angemessen? Schließlich unterscheiden sie sich maßgeblich von großen Bankhäusern. Viele konzentrieren sich auf einzelne Teile des Bankgeschäfts und wollen dieses grundlegend besser machen. Ihre Vision: das Angebot für Millionen Kunden über eine technische Plattform anzubieten – ohne das sich die Kosten pro Kunde deutlich erhöhen.

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Um das Bild mit dem Fisch zu verdeutlichen zieht Rieck später andere Beispiele heran – etwa Airbnb, das mit den Wohnungsvermietungen die Innenstädte aushöhle oder Uber, das Konflikte mit dem Gesetz nicht scheuen würde.

Der Bafin-Präsident Hufeld ist sich diesem Wandel durchaus bewusst. Er hat mehrere Botschaften im Gepäck, die er immer wiederholt: Etwa das für „coole Startups“ die gleichen Gesetze gelten wie für „arrivierte Unternehmen“. Sein Mantra: „Gleiches Geschäft, gleiches Risiko, gleiche Aufsicht“.

Trotzdem müsse sich etwas ändern. So greift er auf der Konferenz etwa den Vorschlag auf, erst die Geschäftsmodelle der Fintechs in den Fokus seiner Aufsicht zu rücken, wenn die Unternehmen eine kritische Größe erreichen. Vor einem übermächtigen Player – einem Airbnb der Fintech-Szene sozusagen – macht er sich keine Sorgen: Sie würden rechtzeitig reagieren. Die Botschaft ist klar: Wer gegen die Regeln verstößt, „den machen wir dicht“.

Bis dahin müssten sich die Fintechs auch erstmal hocharbeiten. Ein Großteil werde in der Zukunft „nicht mehr am Markt sein“, sagt Hufeld. Dies liegt aber nicht an der Regulierung, sondern an dem „brutalen Wettbewerb“. „Es werden Dinge schief gehen“ und dann wird die Politik darauf reagieren. So würde sich Regulierung Schritt für Schritt entwickeln – ohne den Markt kaputt zu machen.

Es ist eine Haltung, die sich nach einem schlüssigen Zusammenspiel zwischen den jungen Unternehmen und der Aufsicht anhört. Dahinter sind auch immer wieder die politischen Ambitionen zu spüren, etwa vom Parlamentarischen Staatssekretär Jens Spahn, der das Thema stärker auf die politische Agenda gerückt hat. Und mit einer ersten Veranstaltung im Finanzministerium auch den Anstoß für die BafinTech-Konferenz gab.

Umso unverständlicher erscheinen vor diesem Hintergrund die aktuellen Regeln zu Video-Ident, die in der Fintech-Szene gerade kollektives Kopfschütteln hervorrufen. Denn es greift den Kern der jungen Unternehmen und generell den der Digitalisierung der Bankenwelt an. Da können sich Aufsicht und Fintech so oft austauschen, wie sie wollen. Mit der Grundstimmung der neuen Regeln werden es die Fische – aus dem Eingangsbild – sehr schwer haben, groß zu werden.

Bild: Gründerszene / Caspar Schlenk