Unister Razzia Lufthansa

Die negativen Nachrichten um den Leipziger Portalbetreiber Unister reißen nicht ab. Kurz vor dem Tod von Gründer Thomas Wagner wurde er um Millionen betrogen, danach mussten zahlreiche seiner Unternehmen Insolvenz anmelden. Gestern berichtete nun die Bild am Sonntag, Unister soll auch seit mehreren Monaten Daten seiner Kunden verkauft haben – an das Potsdamer Startup Flightright. Die BamS berief sich dabei auf einen Kooperationsvertrag, welcher der Zeitung vorliege.

Laut Bericht heißt es in dem Vertrag, dass „Flightright im Auftrag von Unister eine Überprüfung der Flugbuchungsdaten der Kunden auf potenzielle Entschädigungsansprüche“ vornehme. Bis Ende 2017 garantiere Unister eine Vermittlung von mindestens 5.000 Fällen. Vorab habe Unister dafür 150.000 Euro von Flightright bekommen.

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Wo ist nun das Problem dieses Vertrags? Das beantwortet der BamS-Artikel, der von verschiedenen Medien aufgegriffen wurde, nicht. Zunächst ist das, was in dem Vertrag steht, seit Jahren das Geschäftsmodell von Flightright: Ansprüche von Passagieren prüfen und die Entschädigungen bei Fluggesellschaften für sie zu erstreiten.

Ist die Vermittlung der Fälle problematisch? Die Berichte machen aus der vertraglichen Formulierung einen „Datenhandel“. In dem Fall wäre eine Weitergabe von Daten der Unister-Kunden an Flightright nur rechtens, hätte Unister die Kunden zuvor gefragt und eine Einwilligung bekommen. Dass dies nicht geschehen ist, belegen die Artikel aber nicht.

Unister wehrt sich gegen die Darstellung: „Eine direkte Weitergabe von Kundendaten seitens Unister hat es nicht gegeben“, heißt es auf Nachfrage vom Unternehmen. „Persönliche Daten werden ausschließlich vom Kunden an Flightright übermittelt, so dies überhaupt gewünscht ist.“

Wie das funktioniert haben soll, erklärt Flighright-Gründer Philipp Kadelbach gegenüber Gründerszene. Er betont, sein Unternehmen habe „zu keiner Zeit Daten von Unister gekauft“. Man unterhalte eine marktübliche Affiliate-Marketing-Partnerschaft mit Unister. Dabei würden die Kunden per Transaktionsmail im Namen von Unister angeschrieben. Kadelbach sagt: „Sie entscheiden selber, ob sie einen Fall bei Flightright beauftragen, indem sie auf den Affiliate-Link klicken.“ Diese Mails sähen beispielsweise so aus:

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In der Mail folgt dann eine Erklärung darüber, wer Flightright ist und wie das Unternehmen beauftragt werden kann. Kadelbach schreibt: „Eine weitergehende Einwilligung bedarf und bedurfte es nach unserer juristisch fundierten Einschätzung nicht.“

Laut BamS sollen mehr als 50 Prozent der Provision, die Kunden an Flightright zahlten, an Unister geflossen sein. Kadelbach sagt, die Provision sei üblicherweise deutlich niedriger gewesen. Nur in Ausnahmefällen sei es möglich gewesen, dass Unister mehr als die Hälfte erhalten habe. Für einen Skandal ist die Beweislage in dem Fall derzeit dünn.

In den Ermittlungen wegen des Kreditgeschäfts, bei dem Unister-Gründer Thomas Wagner kurz vor seinem Tod betrogen wurde, ging es am Wochenende einen Schritt weiter. Der Vermittler des Rip-Deals sitzt laut Spiegel Online nun in Dresden in Untersuchungshaft. In dem Fall ist das die erste Festnahme. Laut Staatsanwaltschaft bestehe Fluchtgefahr, Unterlagen und Computer des Geschäftsmanns wurden außerdem beschlagnahmt. Von dem Mann erhofft man sich nun weitere Hinweise auf den vorgeblich israelischen Geschäftsmann, der Wagner zwölf Millionen Euro leihen wollte – ihm jedoch fast nur Falschgeld unterschob.

Bild: elenathewise (Elena Elisseeva); Hinweis: Axel Springer ist Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: www.vmpublishing.com.