Florian Michajlezko, Sven-Oliver Pink & Sven-Oliver Pink

Drei der Gründer und die heutigen Geschäftsführer: Sven-Oliver Pink, Florian Michajlezko und Oliver Steinki (von links)

Sven-Oliver Pink ist gut gelaunt. Lässig lächelnd holt er mich aus der Besucher-Sitzecke ab, wo ich erfolglos versuche, die Schnallen eines Schulrucksacks zu öffnen. Dass ich daran scheitere, bereitet ihm sichtlich Vergnügen. Die herausfordernde Tasche namens Ergobag ist die erste, die Pink mit seinem Unternehmen Fond of Bags hergestellt hat – und der Grundstein für den mittlerweile international tätigen Taschenhersteller aus Köln.

Pink führt mich durch das helle Büro in einen Konferenzraum, vorbei an Glastüren und Mitarbeitern auf Sitzsäcken. Eigentlich hängen die Wände hier voller Taschen, heute sind sie fast leer. Die meisten seien mit zu einer Ausstellung genommen worden, entschuldigt sich Pink. Doch die wichtigsten seien noch da. Hinter einem Regal kramt er drei grüne Schulrucksäcke hervor: die Evolution von Fond of Bags in Taschenform. Mit Kletties und Cartoonfiguren.

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Der Wille zu gründen

Die Idee zu Fond of Bags kommt Pink und seinem Freund Florian Michajlezko vor sechs Jahren. Im Vorfeld hatten die beiden nach etwas gesucht, um sich selbstständig zu machen. „Vor Fond of Bags haben wir immer wieder Ideen recherchiert und durchdacht“, erzählt Pink, während er die Rucksäcke auf den Konferenztisch stellt. „Aber nichts hat gepasst.“

Eine befreundete Physiotherapeutin bringt sie 2010 schließlich darauf, dass Schulranzen schlecht für die Haltung von Kindern seien und diese sich besser an ergonomischen Wanderrucksäcken orientieren sollten. Pink und Michajlezko machen sich an die Marktrecherche – und beschließen, den ergonomischen Schulrucksack Ergobag zu entwickeln. Gemeinsam mit ihren Freunden Oliver Steinki und Juliaan Cazin gründen sie in demselben Jahr das Taschenunternehmen.

Während Steinki in der Schweiz lebt und arbeitet, ziehen Pink und Michajlezko von Berlin nach Köln. Ein ungewöhnlicher Schritt für ein junges Unternehmen – denn eigentlich ist Berlin die Startup-Hauptstadt. „Du hast hier im nächsten Umkreis Millionen von potentiellen Kunden und eine Menge Fachgeschäfte“, erklärt der 37-jährige Pink. „Aus Berlin hätten wir deutlich längere Wege gehabt.“ Mitgründer Cazin verlässt das Unternehmen nach einigen Monaten, um eine Surfschule in Spanien zu eröffnen.

Kein Vertrauen

Die Gründer sind zwar von ihrem Schulrucksack überzeugt. Doch die ersten Banken und Investoren seien nicht begeistert gewesen.

Pink setzt sich an den Tisch, für einen kurzen Moment verschwindet das breite Lächeln auf seinem Gesicht. „Niemand hat uns zugetraut, dass etwas aus dem Geschäftsmodell wird.“ Kein Wunder: Im Schulranzen-Markt gibt es bekannte Unternehmen wie Scout oder McNeill, die beide seit über 30 Jahren ihre Produkte verkaufen.

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Mit ihm fing alles an: der Schulrucksack für Kinder, Ergobag

Mit einem Gründerkredit der Kfw und einem Exist-Gründerstipendium können die Gründer schließlich mit der Umsetzung des Ergobags beginnen. In Zusammenarbeit mit den Unis Gießen und Marburg erstellen die Gründer daraufhin ein Konzept für die Rucksäcke, das ergonomisch und rückenschonend sein soll. Besonders wichtig dabei seien die Rückenflossen, erklärt Pink und springt auf, um mir die Besonderheiten des Rucksacks an einem hellgrünen Exemplar auf dem Tisch zu demonstrieren. Damit werde das Gewicht vom Rücken auf das Becken der Kinder übertragen. Zudem gebe es ein verstellbares Rückenstück, das sich der Wirbelsäule des Kindes anpassen soll.

Es wird ernst

Innerhalb von vier Tagen entwickeln sie 2010 ihren ersten Prototypen, erinnert sich Pink. Sie fliegen nach China, wo sie Produzenten treffen. Mit einem mulmigen Gefühl überweist Pink die Anzahlung für die ersten 6.000 Schulrucksäcke, es ist das eigene Geld, das die Gründer in die Produktion stecken. „Da habe ich schon überlegt: Ob wir wohl etwas für unser Geld zu sehen bekommen?“ Doch die Taschen treffen wie vereinbart ein.

Ihr erstes Büro ist ein kleines Ladenlokal im Kölner Viertel Ehrenfeld. Vorne wird gearbeitet, in den hinteren Räumen geschlafen. Um die Rucksäcke in die Geschäfte zu bekommen, fährt Pink von montags bis freitags im Rheinland von Händler zu Händler, während Michajlezko das Ruhrgebiet abklappert. In Kindergärten legen sie Flyer aus. Offenbar mit Erfolg: Das Team lässt weitere Rucksäcke produzieren.

Auch am Wochenende wird gearbeitet: samstags stehen Events wie Ranzenpartys an, sonntags Arbeit im Lager: „Da hieß es dann Rucksäcke einpacken und die Sets zusammenstellen.“ Freunde und Familie helfen mit, die zu den Rucksäcken gehörenden Federmäppchen mit verschieden farbigen Stiften zu füllen. „Das war eigentlich mit die schönste Zeit“, erinnert sich Pink und schaut einen kurzen Moment gedankenverloren auf seine Hände.

Bild: Fond of Bags

Bitte wenden – Im fetten Minus

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