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Du hast drei Monate für Foodora Essen ausgeliefert. Gab es Druck besonders schnell auszuliefern?

Nein. Und das hat mich selbst sehr überrascht. Wichtig war, dass wir sorgfältig liefern und alles präsentabel aussieht. Die Schnelligkeit war egal. Auch wenn Foodora unsere Geschwindigkeit gemessen hat, wurde ich nie bestraft, wenn ich etwas langsamer gefahren bin.

Und die anderen Kollegen – haben die von einen Druck erzählt?

Nein, keiner von ihnen. Ich bin ja am Ende auch extra langsamer gefahren. Und für Foodora ist das auch nicht schlimm, sie glauben an den Algorithmus, der alles ausrechnen und planen kann. Ich habe dadurch kürzere Strecken bekommen und insgesamt haben die genug Fahrer.

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Das musst du erklären…

Am Anfang bin ich besonders schnell gefahren. Bis zu 20 Stundenkilometer im Durchschnitt. Und die App hat mir daraufhin die sehr langen Strecken zugewiesen. Als ich das erkannt habe, wurde ich zum nettesten Fahrradfahrer der Welt: Ich habe alle Leute vorgelassen, an jeder Ampel gewartet. Mein Ziel war es, die Geschwindigkeit immer unter 10 Stundenkilometer zu halten, weil ich dann viel kürzere Strecken bekommen habe, das war nicht so anstrengend und brachte mehr Trinkgeld.

Wie war der Umgang mit den Restaurants?

Ich fand es immer sehr interessant, wie die verschiedenen Restaurants die Fahrer behandelt haben. Ein veganes Restaurant in Kreuzberg war immer total nett zu mir, sie haben mir einen Tee gemacht, auch wenn ich keine Bestellung hatte. Aber andere Restaurants wollten, dass ich zügig gehe. Es sollten keine Lieferanten im Restaurant rumsitzen. Das fand ich nicht so nett.

Eine Sache hat mich immer genervt: Ich musste Gerichte liefern, die man unmöglich liefern kann. Zum Beispiel Suppen oder Mangolassi. Dafür sind die Berliner Straßen einfach zu kaputt.

Hattest du Kontakt zu den anderen Kurieren?

Nur in den Restaurants. Man sagt sich Hallo oder fragt, wie’s geht und wir haben uns ein bisschen unterhalten. Wie Busfahrer haben wir uns manchmal auf der Straße gegrüßt. Die Kuriere kamen aus aller Welt. Die Deutschen darunter waren sehr jung, manche erst 18 Jahre alt und die internationalen Leute waren oft gerade erst nach Berlin gezogen und etwas älter. Es schien für viele eine Zwischenstation zu sein, weil sie nicht wissen, was sie machen wollen und wie lange sie bleiben. Manche hatten so klapperige Fahrräder, da habe ich mir gedacht, die halten keine neun Monate. Für viele war es eine Gelegenheit, easy an Geld zu kommen.

Hat es dir Spaß gemacht?

Am Anfang ja. Es gibt unglaublich viele beschissene Jobs. Am Schreibtisch zu sitzen, kann viel deprimierender sein. Ich war viel draußen, habe viel Sport gemacht. Aber die Schichtplanung war einfach schlecht. Manchmal hatte ich zwei oder drei Schichten am Tag, war dann sieben bis zehn Stunden auf dem Fahrrad unterwegs. In anderen Wochen habe ich dann fast keine Schichten bekommen. Das hat keinen Spaß gemacht. Immer, wenn ich viel zu tun hatte, verging die Zeit schnell, aber die Wartezeiten waren blöd.

Die Kritik von dem Fahrradkurier Alex ist auch in anderen Medien-Berichten bereits angeklungen. Das Startup hat sich dazu gegenüber dem Online-Magazin Krautreporter geäußert: „Von einem Mangel an Schichten kann nicht die Rede sein“, heißt es dort. Auch die Kommunikation soll sich verbessern. So genannte „Rider Captains“, Fahrer aus der Kurierflotte, sind dafür zuständig die Probleme aufzunehmen. Bereits im Mai kündigten Foodora an, dass Mitarbeiter aus der Zentrale aufs Rad gestiegen seien, um die Schwierigkeiten nachvollziehen zu können, heißt es bei Krautreporter.

In Berlin gab es allerdings auch eine Verschlechterung, der Lohn wurde auf 8,50 Euro gesenkt. „Wir möchten unser junges Unternehmen nachhaltig aufbauen und vor allem nachhaltige Arbeitsplätze schaffen“, teilt das Unternehmen gegenüber Krautreporter mit. Gleichzeit wolle man aber auch profitabel arbeiten.

Deliveroo hat auf die Aussage des Foodora-Fahrers reagiert: „Über 50 Prozent unserer Fahrer in Deutschland sind fest angestellt und damit selbstverständlich durch Deliveroo versichert.“ Die selbstständigen Fahrer seien gesetzlich verpflichtet, der Berufsgenossenschaft Verkehr als Fahrradkuriere beizutreten, wenn sie ihr Gewerbe anmelden und hätten dadurch eine Unfallversicherung. „Gegenüber unseren selbstständigen Fahrern sind wir nicht weisungsbefugt und dürfen ihnen damit nicht vorschreiben, sich zu versichern“, heißt es von Deliveroo gegenüber Gründerszene. Sie würden ihren Fahrern allerdings dazu raten.

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Bild: Foodora

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