Foreverly: Jennifer Browarczyk

Die Foreverly-Gründerin Jennifer Browarczyk bei DHDL

Es war einer der bewegendsten Auftritte der neuen Staffel von Die Höhle der Löwen: Jennifer Browarczyk, die Gründerin der Heiratsplattform Foreverly, steht mit geröteten Wangen und Augen vor den Löwen und wischt sich immer wieder Tränen aus den Augenwinkeln.

Foreverly ist eine Plattform, auf der Heiratswillige ihre Hochzeit organisieren können, von Blumengestecken, über das Brautkleid, die Torte bis hin zum Alleinunterhalter. Auf der Webseite und in der App finden sie passende Dienstleister in ihrer Nähe.

Seit Browarczyk die Firma Anfang 2015 gegründet hat, sammelte sie 250.000 Euro von acht Investoren ein. Fast zwei Drittel ihres Unternehmens gab sie dafür her. Das Kapital reichte dennoch nicht, vor allem wegen der hohen Personalkosten, wie sie sagt. Sieben Vollzeit-Kräfte und drei Praktikanten arbeiten derzeit in ihrem Büro in Berlin-Mitte.

Bei DHDL gab es dann die gewünschten 150.000 Euro für zehn Prozent der Unternehmensanteile von Jochen Schweizer. „Sie gefallen mir, weil sie Energie haben und Energie ausstrahlen. Wird schon“, munterte der Investor die Gründerin auf.

Hier erzählt Browarczyk, welche Kritik der Löwen sie besonders getroffen hat, wie sie sich mit Foreverly auf dem Markt behaupten will und warum sie es gar nicht so schlimm findet, nur noch so wenig von ihrem Unternehmen zu besitzen.

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Jen, wieso hat dich der Auftritt vor den Löwen so mitgenommen?

Mich hat selbst überrascht, warum ich so emotional reagiert habe. Es lag sicherlich daran, dass ich so aufgeregt war. Ich stand ja vor fünf Investoren vor einer Bühnendeko, die ich vorher nicht gesehen hatte und die mir von der Ästhetik her nicht unbedingt gefiel.

Du meinst die beiden in weißem Stoff überzogenen Stühle, die Vorhänge, die Hochzeitstorte?

Ich kam mir ein bisschen vor wie in einem kitschigen Hochzeitsfilm. Und dann hat mich natürlich auch die teilweise harte Kritik und die Komplimente der Löwen berührt. Es war eine Mischung aus Aufregung, Enttäuschung und Freude. Die Aufnahmen waren im Februar – und Januar ist in der Hochzeitsbranche der beliebteste Monat. Da fangen die meisten an, intensiv zu planen. Wir haben das deutlich gespürt, zahlreiche Events und To Do´s standen an. Ich hatte kaum geschlafen.

Welche Kritik hat dich besonders getroffen?

Eigentlich gab es nicht so viel direkte Kritik, die meisten Löwen waren nur nicht von der Idee überzeugt. Manche Fragen waren inhaltlich nicht ganz passend zu unserem Produkt. Zum Beispiel, die nach der Produktmarge, die es bei uns natürlich nicht gibt, da wir eine Dienstleistung anbieten. Das hat mich etwas verwirrt. Wenn ich es nochmal könnte, würde Ich definitiv nicht mehr alleine vor den Löwen pitchen. Jemanden an seiner Seite zu haben beruhigt ungemein und man kann viel mehr Dinge aufnehmen. 

Die Löwen kritisierten, dass der von dir angesetzte Unternehmenswert von drei Millionen Euro zu hoch veranschlagt sei. Vor allem, weil die momentanen Umsätze von Foreverly in den vergangenen sieben Monaten nur 15.000 Euro betrugen.

Es ist mir bewusst, dass es in der Anfangsphase ein sehr hohes Risiko für die Investoren gibt. Aber das Marktpotenzial ist groß. Im Moment geben Brautpaare im Schnitt 20.000 Euro aus, das macht bei 400.000 Hochzeiten in Deutschland eine Marktwert von acht Milliarden Euro.

Konkurrenzangebote sind unter anderem Weddix, Zankyou und Weddian. Hinter Weddian stehen die Betreiber von Hochzeitsportal24.de, die seit 2009 Erfahrungen auf dem Markt sammeln konnten. Sie haben nach eigenen Angaben auf ihrer Seite mehr als 300.000 Besucher im Monat – ihr habt etwa 70.000. Wie wollt ihr euch da behaupten?

Generell glaube ich, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Wir haben gerade erst Anlauf genommen, um unsere Wettbewerber zu überholen. Uns gibt es erst seit März 2015 und wir haben alles, was wir erreicht haben, organisch aufgebaut. Anders als bei unseren Wettbewerbern ist unser Traffic nicht durch Anzeigen generiert. Bei uns zählt vor allem der persönliche und direkte Kontakt. Wir machen transparent, welches Team dahinter steckt und setzen das Feedback unserer Brautpaare und Dienstleister direkt um. Hinter unserer App sind Menschen, die Hochzeiten lieben – und das merken auch die Kunden. 

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Vor DHDL hattest du bereits acht Investoren, die an Foreverly beteiligt sind. Jetzt ist dein Anteil an der Firma auf 20 Prozent geschrumpft. Hast du da überhaupt noch was zu mitzureden?

Die Investoren lassen mir zum Glück freie Hand. Mir ist es mir lieber, nur ein bisschen was von einem erfolgreichen Unternehmen zu halten als mehr Anteile von einem, das nicht erfolgreich ist. Ich habe viele schlaflose Nächte damit verbracht, mir zu überlegen, wie ich mein Personal zahlen soll und wie es weiter geht mit der Firma. Auf die Hilfe der Investoren bin ich angewiesen. Ohne das Kapital können wir die Plattform nicht weiterentwickeln und bekannt machen. Außerdem haben das Gründungsteam und die Mitarbeiter immer noch mehr als 50 Prozent Anteil an der Firma.

Ach ja? Das wurde in der Sendung aber nicht deutlich.

Wir halten noch Anteile, die wir für einen potenziellen Co-Founder zurückhalten. Außerdem haben mehrere Mitarbeiter Beteiligungen, sodass eine Mehrheit der Anteile bei der Firma ist. Das haben wir bei DHDL nicht so genau offen gelegt.

Wie ging es nach der Show weiter? Hat der Deal mit Schweizer wirklich geklappt?

Ja, sechs Wochen nach der Sendung war alles unterschrieben. Jochen hat mir viele Kontakte zu seinen anderen Startups vermittelt, die uns mit ihren Erfahrungen helfen und mit denen wir kooperieren können. Ich glaube, dass es wichtig ist, im Fernsehen ehrlich zu sein, damit ein Deal klappt. Das kann zwar zu unangenehmen Momenten in der Show führen, aber dann scheitern die Verhandlungen später nicht an der Due Diligence.

Bild: Vox