Philipp Freise

KKR-Partner Philipp Freise

Adobe übernimmt Fotolia

800 Millionen Dollar. So viel lässt sich der Software-Anbieter Adobe den Kauf der Online-Fotoagentur Fotolia mit ihren rund 34 Millionen Fotos und Videos kosten. Die Firma gehörte zuletzt unter anderem dem Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR), der vor zweieinhalb Jahren für 150 Millionen Dollar die Hälfte der Anteile des in Frankreich entstandenen und heute in New York ansässigen Fotolia gekauft hatte. Er freue sich über einen Partner, der sowohl M&A- als auch Business-Building-Expertise mitbringt, hatte Fotolia-Gründer Oleg Tscheltzoff damals im Gespräch mit Gründerszene erklärt.

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Im Interview erklärt KKR-Partner Philipp Freise nun, warum der Verkauf gerade jetzt stattfand und was das Private-Equity-Haus mit Fotolia nach dem Einstieg angestellt hat. Außerdem verrät er, was er von der hiesigen Startup-Szene hält – und warum Deutschland stolz auf die Samwer-Brüder sein sollte.

Herr Freise, vor zweieinhalb Jahren ist KKR bei Fotolia eingestiegen und hat für 150 Millionen Dollar 50 Prozent der Firmenanteile übernommen. Nun wurde das Unternehmen für 800 Millionen Dollar verkauft – typischerweise ist der Horizont bei Private-Equity-Investments deutlich länger.

Das stimmt, unser Horizont liegt in der Regel bei fünf bis sieben Jahren. So lange dauert es im Schnitt, um ein Unternehmen zu einer global führenden Marktposition zu bringen.

Warum ist KKR so schnell wieder ausgestiegen?

Bei Fotolia gab es drei Gründe für den frühen Verkauf: Zum Ersten ist das Unternehmen schnell gewachsen und hat in den USA ein überaus erfolgreiches Produkt gestartet. Zum Zweiten ist Adobe ein guter Partner für Fotolia – es geht ja nicht nur um den Verkaufserlös, sondern auch um die Zukunft des Unternehmens. Dessen Gründer bleibt auch weiterhin dabei, weil er an das Potenzial glaubt. Und zum Dritten haben natürlich auch die finanziellen Konditionen gepasst.

Man hätte also nicht in zwei bis drei Jahren mehr „rausschlagen“ können.

Man muss auch realistisch bleiben: Die Gelegenheit bot sich und es war eine gute Chance für die Gründer, Fotolia noch weiter voranzubringen. Bei solchen Deals sollten nie die Investoren alleine entscheiden. Und wir haben ja nicht aktiv nach einem Käufer gesucht.

Also kam Adobe auf Sie beziehungsweise Fotolia zu?

Es gab vor dem Sommer bereits Gespräche über eine Zusammenarbeit, damals war ein Kauf beziehungsweise Verkauf gar nicht unbedingt angedacht. Allerdings passte es dann so gut, dass sich beide Seiten recht schnell einig wurden.

Was hat KKR seit dem Einstieg bei Fotolia verändert? Oder anders gefragt: Was bieten Sie Ihren Portfoliounternehmen?

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Zum Ersten unterstützen wir sie operativ. Bei Fotolia war ab Tag eins ein erfahrener Mitarbeiter von KKR Capstone im Online-Marketing tätig. Mittlerweile ist er COO und bleibt auch nach dem Verkauf bei Fotolia, verlässt KKR Capstone also. Zum Zweiten haben wir in allen weltweit relevanten Märkten Experten vor Ort, die bei der Expansion helfen können. Bei Fotolia konnte insbesondere in Südostasien so schnell ein neues Geschäft erschlossen werden.

Und zum Dritten haben wir ein Netzwerk von fast 100 Portfoliounternehmen. Je nach Fall ist das alleine schon ein erheblicher Markt, der sich erschließt. Beim Investment in Arago im Oktober dieses Jahres etwa war das ein ganz wichtiges Argument. In jedem Fall kann unser Netzwerk viele Türen öffnen. Bei Fotolia zum Beispiel bot sich an, mit unserem Domain-Anbieter GoDaddy in den USA zu sprechen. Der konnte zwar das Hosting anbieten, aber keine Inhalte. Ein Bilder-Portfolio wie das von Fotolia passt da natürlich bestens.

Das klingt ähnlich dem, was auch Inkubatoren ihren Portfoliounternehmen versprechen. Allerdings hat das Brutkasten-Konzept zumindest hierzulande ja oftmals nicht besonders gut funktioniert. Woran liegt das?

In einem Wort: Globalität. Ohne die funktioniert das Geschäft heute nicht mehr. Zwar können auch Inkubatoren durchaus Wissen und Kontakte vermitteln. Was aber oft fehlt, ist das internationale Netzwerk. Außer Rocket Internet konnte das hierzulande kaum jemand in signifikantem Maße aufbauen.

Bleiben wir bei dem Stichwort: Wie stehen Sie zu den Samwer-Brüdern?

Die sind ein Erfolg für Deutschland, wir sollten stolz auf sie sein. Denn sie haben gezeigt, dass nicht nur Amerikaner große Unternehmen aufbauen können. Es ist gut, dass wir so etwas wie Rocket Internet in Deutschland haben.

Und die hiesige Startup-Szene insgesamt? Dass viel passiert, ist offensichtlich. Stimmt für KKR als potenziellen zukünftigen Investor auch die Qualität?

Die Qualität ist deutlich besser als in den Jahren 1999 bis 2002. Das liegt an der Erfahrung, die erfolgreiche Gründer oder Investoren wie Jan Buettner, Stephan Schambach oder Klaus Hommels aus der „ersten Welle“ in die zweite mitbringen. Und das Wissen der dritten Welle wird noch besser werden. Das ist es ja, was das Silicon Valley ausmacht.

Herr Freise, vielen Dank für das Gespräch!