Mittagszeit, 13.30 Uhr in der kleinen Pizzeria im Berliner DomAquareé direkt am Alexanderplatz. Ein gewisser Geräuschpegel liegt im Raum, während Menschen an den Tischen sitzen, Pizza essen und sich unterhalten. Mit einer kleinen Karte können hier Pizzen und Getränke günstiger bezogen werden, so man denn in der unmittelbaren Nähe sein Büro hat und dadurch quasi per se zu den Stammgästen des Lokals gehört. In den letzten Wochen dürften die weißen Tische des Lokals jedoch zusehends leerer geworden sein. Im gleichen Gebäude hat der Klingelton-Anbieter Fox Mobile seinen Hauptsitz, der laut Informationen von Gründerszene kürzlich einen großen Teil seiner Belegschaft entlassen haben soll.

Von Jamba! zu Fox Mobile

Eine kleine Geschichtsstunde zur Fox Mobile Group (www.jamba.de): Im Jahr 2000 gründeten die drei Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer die Firma unter dem Namen Jamba! zusammen mit dem Handelskonzern Metro und dem Telekommunikationsdienstleister debitel. Anfang Oktober 2008 wurde Jamba von Rupert Murdochs News Corporation übernommen und in Fox Mobile Distribution GmbH umbenannt.

Zuvor hatte der vorherige Anteilshaber VeriSign, Inc., der sich 2004 in das Unternehmen eingekauft hatte, die verbleibenden Anteile verkauft. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Unternehmen Jamba! in „Fox Mobile Group“ umbenannt und neu aufgestellt. Die Angebote von Jamba! wurden komplett in die Strukturen der News Corporation integriert, die Marke blieb allerdings weiter bestehen und erscheint für den Endkunden unverändert.

Fox Mobile zählt zu den weltweit wichtigsten Anbietern für mobile Inhalte und digitale Unterhaltungsangebote. Das Unternehmen ist von anfangs 30 Mitarbeitern auf mehr als 700 Mitarbeiter am Hauptsitz in Berlin sowie zirka 50 Mitarbeiter im Hauptsitz in Beverly Hills, Los Angeles gewachsen.

Auch Führungspersonen gingen bei Fox Mobile

Die Fox Mobile Group gab gegenüber Gründerszene bekannt, im Herbst 2009 den weltweiten Mitarbeiterstamm um zirka zwölf Prozent der Belegschaft reduziert zu haben, was  etwa 70 Mitarbeitern entspricht – entsprechend leer sieht auch die Jobseite des Unternehmens derzeit aus. „Das war ein notwendiger Schritt, um die Ressourcen des Unternehmens den gegebenen und anstehenden Aufgaben und Möglichkeiten anzupassen, sodass Fox Mobile Group weiterhin effizient arbeiten kann“, kommentierte Juliane Walther, Pressesprecherin der Fox Mobile Group. Verschiedene Insider sprachen gegenüber Gründerszene sogar von rund 250 entlassenen Mitarbeitern, was seites Fox Mobile jedoch nicht bestätigt wurde.

Auch Ex-CEO Mauro Montanaro und Ex-COO Kaj Hagros waren von dieser Kürzungswelle betroffen. Montanaro war erst im Januar 2008 zu Fox Mobile gekommen, Hagros führt Fox in seinem LinkedIn-Profil bereits nur noch als vergangene Berufsstation. Dabei war er selbst auch erst im Mai des vorletzten Jahres hinzugestoßen. Unter welchen Umständen die beiden Geschäftsführer das Unternehmen verlassen haben, konnte Gründerszene nicht in Erfahrung bringen. Fox Mobile ließ verlauten, dass sich Montanaro und Hagros bereits vor dieser Zeit entschieden haben, das Unternehmen zu verlassen und sich neuen Herausforderungen zu widmen.

Neue Führungsriege bei Fox Mobile

Geschäftsführer des Unternehmens sind nun Mark Anderson (CEO), und Markus Peuler (CFO) sowie CTO Markus Thorstvedt, der den Rauswurf geleitet haben soll. Ursächlich für die radikale Rotstift-Aktion dürfte das kriselnde Geschäftsmodell von Fox Mobile sein. Kritiker warfen dem Konzern in der Vergangenheit häufig vor, mit seinen Jamba-Sparabos Jugendlichen Content-Abos zu verkaufen, ohne dass diesen dies ohne weiteres klar würde. Doch auch jenseits der Moralfrage dürfte Fox Mobile harten Zeiten entgegen sehen, hat der Mobile-Markt mit Aufkommen des iPhones doch einen deutlichen Shift erfahren, der sich auch in einem intenvsiver geführten Wettbewerb bemerkbar macht.

Vor allem sind auch die Nutzer erfahrener geworden. Viele wissen heute, wie sie kostenlos an Handy-Content kommen oder tauschen ihn einfach mit Freunden via Bluetooth. Auch die vermeintliche Abzocke über teure Handygebühren und durch versteckte Abokosten im Handy-Content-Segment hat sich mittlerweile rumgesprochen. So stagnieren die Zahlen von Fox Mobile vermutlich entsprechend. Ein dem Unternehmen nahestehender Fachmann sprach gegenüber Gründerszene von deutlichen Umsatzeinbußen bei den Handyfüchsen. Die Konsequenz, wenn das Produkt nicht mehr performt – Mitarbeiter mussten gehen. Es dürfte entsprechend kritisch um den Mobile-Konzern stehen, wenn nicht nur viele Mitarbeiter gehen müssen, sondern auch ein Teil der Management-Ebene seinen Hut nimmt. Wenigstens einen kleinen Vorteil hat dieses Arbeitsmarktdesaster dennoch: in der kleinen Pizzeria im DomAquareé dürfte man nun wesentlich leichter einen Tisch bekommen.