Fraisr Startup-Helden

Möchten Spenden und Konsum zusammen bringen: die Fraisr-Gründer Lukas-C. Fischer (37), Alex Schwaderer (34) und Oskar Volkland (33) (v.l.n.r.)

„Startup-Helden“ von Fraisr im Interview

Darf man mit der guten Sache Geld verdienen? Ja, meinen die Gründer des mittlerweile achtköpfigen Berliner Startups Fraisr (www.fraisr.com), Oskar Volkland, Lukas-C. Fischer und Alex Schwaderer. Vor einem knappen Jahr gründeten sie den Marktplatz für den guten Zweck. Hier können Menschen verschiedenste Dinge verkaufen und dabei einen Teil des Erlöses für ein zuvor festgelegtes Projekt spenden. Rund 1.500 Verkäufer konnte Fraisr bisher für die eigene Plattform begeistern, mittels Plugin für die Shopsoftware Magento geht das Startup nun auch den B2B-Bereich an.

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind Oskar Volkland, Lukas-C. Fischer und Alex Schwaderer. Ende 2012 haben wir Fraisr gegründet – den Marktplatz für die gute Sache. Alex und Oskar kennen sich noch aus der gemeinsamen Schulzeit in Bochum, Lukas ist gebürtiger Berliner und hat Alex bei der Werbeagentur Zum goldenen Hirschen kennengelernt, wo beide als Strategen gearbeitet haben. Oskar hat unter anderem bei Goldman Sachs in Frankfurt gearbeitet. Wir sitzen mit unserem kleinen Team in Berlin-Kreuzberg und arbeiten jeden Tag daran, den Menschen im Internet das Spenden leichter zu machen.

Worin bestehen die Herausforderungen eines Social Business?

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Die Herausforderungen unterscheiden sich wahrscheinlich gar nicht so sehr von denen eines herkömmlichen Unternehmens. Es geht darum, ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwickeln und mit Leben zu füllen. Und wenn du etwas machst, was bislang so keiner macht, ist es gleichermaßen hart. Mit einem Social Business bist du vielleicht in manchen Bereichen im Vorteil, denn der soziale Kern deines Unternehmens öffnet so manche Tür leichter, die sonst vielleicht geschlossen bliebe.

Gleichzeitig gibt es natürlich vereinzelt Diskussionen, ob man denn „mit der guten Sache“ Geld verdienen darf. Aber das ist – zum Glück nicht nur – unserer Meinung nach eine etwas antiquierte Sicht auf die Dinge. Denn gerade der soziale Bereich profitiert davon, wenn durch Innovationen wie Fraisr Bewegung reinkommt und so ganz neue Möglichkeiten entstehen.

Woher weiß der Kunde, dass die Spenden auch vollständig bei der angekündigten Organisation ankommen?

Wir sorgen mit unserer gemeinnützigen Tochter dafür, dass die Spenden bei unseren Usern eingezogen und monatlich an unsere Spendenpartner ausgeschüttet werden. Wir haben die Zahlungsströme von Verkaufsgebühr und Spende von Anfang an bewusst voneinander getrennt, um maximale Transparenz zu gewährleisten.

Welche Tipps gebt Ihr jungen Gründern nach Euren eigenen Erfahrungen mit auf den Weg?

Es ist wichtig, eine große, klare Vision zu haben, die dich antreibt! Gleichzeitig solltest du immer die Realität im Blick haben und dich nicht scheuen, Entscheidungen zu treffen und so vielleicht auch deine Vision weiterzuentwicklen. Und ganz wichtig: Solange wie möglich versuchen, mit eigenen Mitteln zurecht zu kommen. Ab dem Moment, wo du Kosten produzierst und Geld von Angels oder VCs brauchst, verlierst du ein wichtiges Stück Unabhängigkeit. Und bei der Wahl der Investoren solltest du nicht nur aufs Geld gucken, sondern auch auf die Kultur des Investors. Gibt er Dir nur Geld und geht mit dir danach einmal im Jahr essen oder bringt er sich wirklich ein?

Welche Trends seht Ihr im Internet?

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Aufgrund der immensen Informationsflut, die auf uns einprasselt, gibt es einen klaren Trend zu mehr redaktioneller Führung und Kuratierung. Die Leute sind auf der Suche nach Orientierung und deshalb sind Konzepte wie Outfittery oder Hellofresh sehr vielversprechend. Angesichts des NSA-Skandals hätte man außerdem als Trend eine Zunahme von wirklich ausgeklügleten Privacy-Anwendungen erwarten können, aber außer Threema als sichere Alternative zu Whatsapp ist uns da nichts wirklich aufgefallen. Es scheint weniger Copycats zu geben – und das ist eine gute Entwicklung!

Bild: Fraisr