Frank-Thelen.DHDL-2017

Einerseits erfreut sich die Startup-Show Die Höhle der Löwen auf Vox großer Beliebtheit. Anderseits wird sie immer wieder kontrovers diskutiert – auch weil viele Deals, die von den Juroren in der Sendung ausgehandelt werden, letztendlich gar nicht zustande kommen. Einer der „Löwen“ ist Frank Thelen, der selbst mehrere Unternehmen gegründet hat und schon seit einiger Zeit in Startups investiert. Im Gespräch mit Gründerszene verrät er, was für Startups wichtig ist und was er nach den Erfahrungen der ersten drei Staffeln besser machen will.

Frank, morgen geht es wieder los mit der Höhle der Löwen. Was erwartet uns in der neuen Staffel?

Dagmar Wöhrl ist als interessante neue Löwin dabei. Sie bringt viel Kapital mit und das Wissen einer ganzen Unternehmerfamilie. Miss Germany war sie auch mal, was im Vorfeld zu Unrecht für Spott geführt hat. Natürlich musste sie sich zu Beginn erst einmal mit der Materie auseinandersetzen. Das hat sie aber sehr schnell hinbekommen.

Und hinsichtlich der Pitches?

Bei den Gründern legt die Show noch einmal zu. Seit der ersten Staffel, als noch viel Mist dabei war, hat sich da wirklich einiges getan. Die Staffel wird anspruchsvoller, es kommt sogar das Thema Blockchain vor. In der ersten Folge morgen wird es gleich eine bewegende Geschichte geben, die für mich die Essenz von Unternehmertum darstellt.

Wie ist denn die Stimmung generell bei den Löwen? In der Vergangenheit hat es ja regelrecht Zoff gegeben.

Das hat sich gewandelt. Ich glaube, alle fünf Löwen können sich gut leiden.

Heißt das: Kuschelstimmung im Käfig?

Nein, überhaupt nicht. Wir verstehen uns menschlich gut, aber um die Deals kämpfen wir mehr als je zuvor. Dabei bleiben die Schläge – im Gegensatz zur Vergangenheit – immer oberhalb der Gürtellinie. Aber Ralf Dümmel geht anders in den Handel als ich und wir bauen Unternehmen anders auf.

Apropos Handel. Viele Deiner Investments – Little Lunch oder Ankerkraut etwa – setzen sehr auf das Offline-Geschäft. Eigentlich bist Du doch der „Digitalo“ unter den Löwen, warum machst Du solche Investments?

Da muss ich mich bei Ralf Dümmel bedanken. CD-Roms, Internet, App-Stores – ich habe immer versucht, neue Welten zu begreifen. Ralf hat mir den Handel nahe gebracht. In der Tech-Bubble, in der ich gelebt habe, hatte ich das gar nicht auf dem Schirm. Heute fühle ich mich da sehr zuhause und kann mit Rewe, Edeka, Real oder Kaufland verhandeln.

Wird das Offline-Geschäft wieder wichtiger? Viele Startups scheinen ja derzeit in die Richtung zu denken.

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Man sollte jedenfalls nicht auf einen Weg allein setzen. Nur online aktiv zu sein, wird meistens nicht funktionieren. Der Handel erreicht immer noch sehr viele Menschen. Dort sein Produkt gut zu platzieren, hat einen riesigen Effekt – das toppt SEO und Facebook-Ads. Ankerkraut zum Beispiel hat sich da gut aufgestellt: Ein Drittel des Umsatzes werden über den eigenen Online-Shop gemacht, ein Drittel über Amazon und ein Drittel offline. Bei Little-Lunch auf der anderen Seite ist das Geschäft über den Handel noch etwas zu dominant.

Liegt die Zukunft des Handels also nicht im Netz?

Wenn ich in den Pitches die Umsatzzahlen von einigen Berliner Food-Startups sehe, die allein auf Online setzen, denke ich mir oft: Wenn ich deinen Jahresumsatz in der Woche mache, fühle ich mich scheiße. Wenn die Mischung beim Vertrieb stimmt, sind zweistellige Millionenumsätze gut in einem überschaubaren Zeitrahmen möglich.

Sieht man das Internet hierzulande zu sehr als reinen Vertriebsweg? Wieso sind Startups nach Whatsapp-Vorbild – kleines Team, riesiger Exit – so selten in Deutschland?

Hierzulande fehlt tatsächlich noch ein Plattformdenken: der Killerinstinkt, erst einmal mit Geld auf Wachstum zu setzen – aber auch schon einen Plan zu haben, was nach dem Erreichen der kritischen Masse passieren soll. Mit einem klugen Masterplan Geld zu drucken, da sind uns die Amerikaner leider weit voraus.

Werden für die TV-Show bewusst Startups ausgewählt, die ein vorzeigbares, anfassbares Produkt haben?

In der vierten Staffel wird es deutlich mehr Dienstleistungen und Plattform-Konzepte geben. Ich finde das gut. Aber ich muss auch zugeben: Eine Suppe im Glas ist auch für mich als Investor in der Kürze der Zeit einfacher zu verstehen. Mehr als eine Stunde bleibt für eine Entscheidung ja nicht.

Du bist ja nicht nur DHDL-Löwe, sondern investiert auch außerhalb der Show in Startups. Wie ist da das Verhältnis?

Generell fokussieren wir uns mit meiner Investmentgesellschaft Freigeist auf zwei Bereiche. Zum einen Food, Ende des Jahres wollen wir etwa acht Unternehmen im Portfolio haben. Der zweite Bereich sind disruptive Energie- oder Mobilitäts-Technologien. Dazu gehört etwa das Investment in den autonomen Elektrojet von Lilium. Unterm Strich sind dabei die DHDL-Investments zahlenmäßig der überwiegende Anteil. Allerdings sind sie im Schnitt auch kleiner.

Stichwort Lilium: Wie kommst Du zu solchen Investments?

Das war ein Pitchdeck, das ich mir, wie viele andere auch, kurz im Flugzeug angeschaut habe. Ich habe gedacht: Das sind entweder verrückte Blender oder richtig starke Gründer. Unser CTO Alex Koch hat sich das dann genauer angeschaut. Als wir sicher waren, dass die Idee tatsächlich funktionieren kann und uns die Gründer begeistert hatten, sind wir eingestiegen – was die absolut richtige Entscheidung war.

Viele DHDL-Investments sind in der Vergangenheit geplatzt, es gab ein paar Achtungserfolge aber die ganz großen Geschichten blieben aus. Liegt das an den Geschäftsideen, die in der Show vorgestellt werden?

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Ich habe zu wenige Deals, die ich gemacht habe, dann auch wirklich umgesetzt. Da spreche ich auch offen drüber, das muss besser werden – in der neuen Staffel habe ich meine Quote verdoppelt. Dafür sind die meisten Investments, die ich dann wirklich gemacht habe, aber auch erfolgreich gewesen, mit Ausnahme von Crispy Wallet. Aber auch darauf bin ich stolz, denn ich habe nachfinanziert und alles getan, was möglich war. Es ist wichtig zu unterscheiden, ob man ein unabhängiges Unternehmen aufbaut oder ein Produkt massenweise in den Markt wirft. Beides kann am Ende ein Erfolg sein. Aber es ist ein großer Unterschied.

Vox und die Produktionsfirma Sony verkaufen den Zuschauern allerdings immer Unternehmertum. Und die Deals als das ganz große Ding. Über das, was schief läuft, wird nicht gesprochen. Muss man sich als Löwe dem Entertainment-Zweck einer solchen Sendung stets unterwerfen?

Nein, das muss man natürlich nicht. Sondern die Show immer wieder hinterfragen und auf die Probleme hinweisen. Das mache ich auch. Ist DHDL eine wertvolle Sendung, weil sie dem breiten Publikum zeigt, wie Startups funktionieren und weil schon viele Unternehmen wegen ihr gegründet wurden? Ja! Ist sie ein besseres Format als andere „Castingshows“? Auf jeden Fall. Vermarkten einzelne Löwen manchmal zu stark ein Produkt, statt nachhaltige Unternehmen zu gründen und ist das ein Problem? Ich finde: ja. Und das muss noch besser werden. Und man muss ausführlicher über das Scheitern sprechen.

Was machst Du heute anders als in den ersten Staffeln?

Meine Checkliste ist heute deutlich länger. Mir ist wichtig herauszufinden, ob der Gründer nur sein Produkt loswerden oder ein Unternehmen gründen will. Ich habe bessere Antennen für Scheiße. Und wir sind klüger bei der Execution geworden. Vertriebsformen, Logistik, Verträge – wir haben bei vielen Dingen Erfahrungen gesammelt und das hilft natürlich.

Wie findest Du es eigentlich, dass Löwen-Kollege Carsten Maschmeyer nun auch noch eine eigene Sendung auf RTL macht?

Die Sony-Geschäftsführung hat mich einen Tag vor Bekanntgabe informiert, dass es ein umfangreiches Format mit Carsten Maschmeyer geben wird. Ich freue mich für ihn, dass er Freude am Fernsehen gefunden hat. Natürlich werden die Erwartungen der Zuschauer nach dem Erfolg von DHDL sehr hoch sein. Ich wünsche Carsten, seinen Kollegen und vor allem den Gründern viel Erfolg.

Frank, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Gründerszene