Ein Outfit aus der Freeletics-Kollektion

Hat sich Freeletics verkalkuliert? Das Münchner Hype-Startup will eigentlich den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen und das Geschäft erweitern: Zu der Bezahl-App für Fitnesstraining soll nun der Verkauf eigener Kleidung kommen. Vergangenen Donnerstag ging der Shop online, der zunächst nur für zahlende App-User zu erreichen ist. Und die Erwartungen des Startups waren hoch: Gegenüber Gründerszene hieß es, man rechne damit, dass die Kollektion nach dem Wochenende ausverkauft sei.

Nun sind die Artikel im Shop auch heute noch zu haben – in allen vier Größen. Auf der Freeletics-Facebookseite beschweren sich zahlreiche Nutzer unter der Ankündigung der ersten Kollektion, dass die Preise der Produkte „utopisch“ seien. Die Isomatte etwa kostet 56 Euro, Cappies 26 Euro und Pullover 69 Euro.

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Das Startup setzt seine Preise also im Premium-Segment an und plant so, Sportmarken wie Nike und UnderArmour anzugreifen. Doch viele der sonst so überzeugten Freeletics-Nutzer sind nicht begeistert. So heißt es beispielsweise: „Freeletics jeden Tag als eine Art Lebensgefühl betiteln und jetzt die Klamotten wie eine High-End Marke überteuert verticken. Echt schade und irgendwo paradox.“ Andere Kommentatoren können sich Ironie nicht verkneifen: „Gehalt ist da, hab im Shop eingekauft. Meine Anschrift für den Rest des Monats: Unter der Brücke 5. Da kauf ich lieber weiter UnderArmour.“

Auch, dass die Kollektion in schwarz-weiß und grau gehalten ist, stört viele: „Och Mensch, hatte mich so gefreut und dann diese Preise und farblosen Designs.“ Oder: „Lang gewartet und jetzt total enttäuscht. Einzig der Hoodie würde mir gefallen, aber 70 Euro ist mir dann doch zuviel. Ziemlich trist und farblos und wenige Artikel. Vielleicht arbeitet ihr da noch mal dran.“

In der Wahrnehmung potentieller Kunden scheint Freeletics noch nicht so viel mit Nike, Adidas und Co. gemeinsam zu haben, wie es das Startup gerne hätte. Zu der Frage, ob Freeletics aus den Kommentaren Konsequenzen ziehen werde, heißt es von einer Sprecherin: Die Meinungen stammten von einem Teil der Community, „der offenbar andere Erwartungen an unsere Kleidungslinie hatte. Das ist schade und wir werden versuchen, jeden einzelnen glücklich zu machen.“ Allerdings seien die Kommentare nicht repräsentativ, da man auch sehr viel positives Feedback bekomme. Sollte aber „in den nächsten Wochen und Monaten in Bezug auf Qualität und Preis negative Kritik überhandnehmen“, wolle man das Feedback en detail prüfen.

Es wird betont, dass der Verkauf nicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Die Abverkäufe über das Wochenende seien „super“ gelaufen und nur noch wenige Restbestände wären verfügbar. Es heißt weiter, dass es völlig normal sei, dass sich Unternehmen sehr hohe Ziele setzen. Wenn diese dann beispielsweise zu 80 Prozent erreicht würden, sei das ein 120-prozentiger Erfolg.

Diesen Herbst soll der Online-Shop für alle Kunden zugänglich werden, außerdem ist eine Performance-Kollektion geplant mit funktionaler Sportkleidung. Einige Nutzer kündigten an, lieber diese abwarten zu wollen. Noch hat das Startup die Chance, die Kritik in der zweiten Kollektion umzusetzen – und mehr seiner treuen Anhänger abzuholen.

Bild: Freeletics; in einer früheren Version des Artikels war Freeletics‘ Kommentar zu den Nutzermeinungen auf Facebook noch nicht integriert, da er uns erst nach der Veröffentlichung erreichte.