Friday-CEO
Friday-Macher Christoph Samwer

Ein Vorbild sitzt schon im Haus. Mit seinem Startup arbeitet Christoph Samwer ein paar Etagen unter N26. Der Banking-Anbieter ist einer der wenigen, der es geschafft hat, abseits der etablierten Player eine bekannte Marke aufzubauen. Samwer will mit Friday nun einen ähnlichen Weg für das Thema Autoversicherungen zurücklegen.

Gegensatz zu N26 steckt allerdings hinter Friday kein Wagniskapitalgeber, stattdessen hat die Schweizer Versicherung Baloise – in Deutschland eher unbekannt – die Taschen für den neuen Ableger aufgemacht: Insgesamt 50 Millionen Franken (etwa 46 Millionen Euro) stehen für den Aufbau bereit. Weit weg von der Hauptzentrale in Basel soll in Berlin-Mitte die neue Versicherung entstehen.

Gleich zum Start hat sich Friday ein namhaftes Management zusammenrekrutiert. Mathias Nestler, der Ex-CTO von Barzahlen.de, ist gekommen, Florian Eismann sammelte bei Wefox als CPO Erfahrung und arbeitet jetzt für Friday. Nicht zuletzt ist der Szene-Kopf Christoph Samwer, ein Cousin des Rocket-Chefs Oliver Samwer, als Geschäftsführer an Bord. Er leitete in den vergangenen Jahren das Rocket-Fintech Lendico, das zuletzt mit Problemen kämpfte.

Eine Versicherung für eine Autofahrt

Das Unternehmen startet mit einer Autoversicherung, bei der man nach 90 Sekunden ein Angebot hat, papierlos und einfach kündbar. „Einer Generation, die mit Netflix aufwächst, kann man nicht erklären, dass es keine monatlich kündbare Autoversicherung gibt“, sagt Christoph Samwer im Gespräch mit Gründerszene.

In den kommenden Monaten planen er und sein Team weitere Produkte. „Wir wollen uns an die Bedürfnisse der Nutzer anpassen“, erklärt er. „Wenn ein Kumpel mich mit meinem Auto von der Bar nach Hause fährt, soll man ihn schnell per Handy für eine Stunde mitversichern können.“ Viele Versicherungsoptionen sollen demnächst buchbar sein. So sei Friday in der Lage, sich gegen die großen Wettbewerber wie Cosmos Direct durchzusetzen.

Das Fahrverhalten der Versicherten will Friday dagegen nicht tracken. Zum Start war darüber spekuliert worden, dass es sogenannte Telematik-Tarife geben wird. Der Gründer dementiert das und prangert das Verhalten der Konkurrenz an: „Momentan sind die Tarife nicht ausreichend transparent“, sagt Samwer. Wer einmal im Kreisel fahre, dem werde manchmal schon ein schlechter Fahrstil attestiert.

Die Messlatte liegt hoch

Nicht nur mit Online-Marketing will Friday die Autoversicherung in Deutschland bekannt machen. Um die Schlagzahl zu erhöhen, sollen Partnerschaften entstehen. Darunter könnten beispielsweise Carsharing-Anbieter sein, bei denen sich jeder Autofahrer dann über Friday schnell versichert, sagt Samwer.

Friday sei in der Lage, die jeweiligen Versicherungsprodukte zu entwickeln. „Von der Baloise können wir auf viel Erfahrung und Datenschätze zurückgreifen“, sagt Samwer. Mehrere Startup-Mitarbeiter sind auch an dem Unternehmen beteiligt, erklärt er. Über den Eigentümer hat Friday Zugang zu einer Versicherungslizenz, das Risiko der Versicherungen trägt das Startup allerdings selbst. Und gerade die Technik habe Friday komplett selbst aufgebaut, betont Samwer.

Vor den Wettbewerbern aus dem Insurtech-Bereich habe die Zusammenarbeit mit einer Versicherung und die Technik enorme Vorteile. „Wir sind keine naiv, aggressiven Studenten, die nur schöne Oberflächen bauen“, sagt er. Dafür liegt die Messlatte der Muttergesellschaft auch hoch. Das Berliner Unternehmen soll in den kommenden Jahren zum „beliebtesten Mobile-Versicherer avancieren“.

Bild: Friday