Friendsurance Startup-Helden

Tim Kunde (33, l.) und Sebastian Herfurth (36) gründeten im März 2010 die Freunde-Versicherung Friendsurance.

„Startup-Helden“ von Friendsurance im Interview

Bei Geld hört die Freundschaft auf – heißt es normalerweise. Das Berliner Startup Friendsurance setzt seit 2010 konkret auf den finanziellen Zusammenhalt im Bekanntenkreis. Mit dem Dienst können sich Versicherte untereinander vernetzen, zum Beispiel über Facebook. Teile ihrer Versicherungsbeträge fließen in einen gemeinsamen Topf, aus dem kleinere Schäden bezahlt werden sollen. Sobald ein größerer Schaden entsteht, werde dieser vom eigentlichen Versicherer getragen. Entsteht kein Schadensfall, erhalten die Kunden bis zu 50 Prozent ihrer Versicherungsbeträge zurück.

Im März stiegen Horizons Ventures – dahinter steht der Hongkonger Milliardär Li Ka-Shing – und VantageFund beim Startup ein. Das Unternehmen beschäftigt derzeit über 40 Mitarbeiter am Standort Berlin und will bis Jahresende eine sechsstellig hohe Kundenzahl erreichen. In der Reihe „Startup-Helden“ sprechen die Gründer Tim Kunde und Sebastian Herfurth über die ersten und die nächsten Schritte.

Wie seid Ihr auf die Idee zu Friendsurance gekommen?

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Unsere Idee ist von Versicherungen in ihren Ursprüngen inspiriert, als vor 350 Jahren Menschen kleine Gruppen gebildet und sich im Schadensfall gegenseitig unterstützt haben. Das war einfach und effizient, doch die Absicherung war in ihrem Umfang begrenzt. Heute können große Versicherungsunternehmen Schäden jeder Höhe tragen, doch sprengen Verwaltung, Marketing und Betrug die Kosten. Außerdem sehen wir, dass sehr viele Menschen Versicherungen besitzen, die sie nie oder nur selten in Anspruch nehmen.

Leider wird umsichtiges und faires Verhalten von den Versicherungsunternehmen nicht honoriert. Deshalb haben wir unser Gruppenprinzip entwickelt, das Schadensfreiheit mit Beitragsrückzahlungen belohnt und so Versicherungen günstiger macht.

Wie lange hat es gedauert, die Versicherungen von eurem Konzept zu überzeugen – sicher waren einige skeptisch?

Wir sind nun vier Jahre am Markt und kooperieren inzwischen mit den meisten renommierten Versicherungsunternehmen in Deutschland. Sie arbeiten gerne mit uns zusammen, weil sie durch unser Gruppen-Prinzip viele Kosten sparen: Es schafft positive Anreize gegen Versicherungsbetrug, gleichzeitig senken wir die Kosten für die Bearbeitung von kleinen Schäden.

Der Weg dahin war aber tatsächlich nicht leicht. Als Newcomer in einer etablierten Branche wird man gerade zu Anfang entweder gar nicht oder gleich viel zu ernst genommen. Wir mussten ein Jahr arbeiten, bis die erste Partnerschaft stand und viel in den Beziehungsaufbau mit unseren Partnern investieren.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Horizons Ventures und habt ihr auch Li Ka-Shing kennengelernt?

Dass wir einen namhaften Investor wie Horizons Ventures, der bereits in erfolgreiche Internetunternehmen wie Facebook, Skype und Spotify investierte, von unserem Geschäftsmodell überzeugen konnten, ehrt uns natürlich sehr. Besonders, dass Horizons Ventures von sich aus auf uns zugekommen ist, weil sie von unserem Modell gelesen hatten und es wegen seines disruptiven Potenzials sehr spannend fanden. Wir hatten dabei nicht mit Li Ka Shing selber zu tun, sondern mit der Entscheiderin bei Horizons, die seit vielen Jahren enge Vertraute von Li Ka-Shing ist.

Was ist die Friendsurance-Roadmap fürs kommende Jahr?

In den nächsten zwölf Monaten wollen wir das Angebot auf unserer Plattform weiterentwickeln sowie neue Kunden und Partner in Deutschland gewinnen. Parallel prüfen wir Expansionsmöglichkeiten in anderen Märkten. Unsere Vision ist es, in Zukunft allen Versicherten unser Gruppenprinzip anbieten zu können. Daran arbeiten wir aktuell mit viel Herzblut und über 40 Mitarbeitern aus 14 Nationen. Unser Team wollen und werden wir um weitere Talente ergänzen.

Welche Tipps gebt ihr Gründern nach euren eigenen Erfahrungen mit auf den Weg?

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Zunächst können wir nur dazu ermutigen, den Schritt in die Gründung zu gehen, da er unabhängig vom Erfolg viel zur persönlichen Entwicklung beiträgt. Das Risiko ist überschaubar: Hier geht es vor allem um Opportunitätskosten – sprich ein geringeres Gehalt – und die Gefahr des Scheiterns. Dem muss man sich stellen. Man sollte keine Angst vor Fehlern haben, diese aber möglichst schnell machen. In den USA spricht man gerne von „fail fast“.

Je nach Modell bedarf es allerdings auch einer guten Portion Beharrlichkeit, also im Prinzip einem „succeed slowly“. Gerade bei uns, in einer eher konservativen und stark regulierten Branche, war das enorm wichtig.

Bild: Friendsurance