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Trocknet die Wäsche an der Brandenburger Luft: das Berliner Wäsche-Startup Frisch und Luft.

Die Idee klingt bizarr: Das Berliner Startup Frisch & Luft bietet einen Wäscheservice für Berliner. Bio natürlich. Auf chemische Reinigungsmittel wird verzichtet. Getrocknet wird die Wäsche in Brandenburg. An der Luft.

Über die Website des Startups können Berliner ihren Wäschekorb zusammenstellen. Kurz darauf holen Gründerin Juliana und ihr Mann den Korb ab. Ihr Versprechen: Nach etwa drei Tagen geben sie die Wäsche gebügelt und gewaschen wieder an der Haustür ab. Pro Korb kostet der Service happige 15 Euro. 

Wie ökologisch ist der Wäscheservice wirklich? Wir haben bei Gründerin Juliana Bardolim-Vorontsov nachgefragt – und erreichen sie im Urlaub.

Juliana, gerade bist du mit deiner Familie verreist. Wer betreibt denn eure Wäscherei, wenn ihr nicht da seid?

Niemand. Wir haben eine Woche geschlossen. Im vergangenen Jahr haben wir viel gearbeitet, jetzt brauchen wir eine kurze Pause. Ab August sind wir wieder im Einsatz.

Auf eurer Webseite werbt ihr damit, dass ihr mit Bio-Waschmittel reinigt und auf Chemie verzichtet. Wie sieht das konkret aus?

Im Gegensatz zu anderen Wäschereien verzichten wir auf Chemie. Wir waschen nur mit Bio-zertifizierten Waschmitteln. Unsere Kunden können dabei zwischen verschiedenen Sorten wählen. Statt in einem Trockner wird die Wäsche an der Luft getrocknet. Dazu haben wir In Brandenburg eine 100 Quadratmeter große Terrasse angemietet, wo wir die Wäsche aufhängen.

Und was macht ihr, wenn es regnet?

Regen bereitet uns keine Probleme. Unsere Terrasse ist überdacht. Zwar dauert das Trocknen von Leinen und Handtüchern bei Regen und im Winter natürlich länger – nicht zwei Stunden, wie im Sommer, sondern zwei Tage. Aber trocken wird die Wäsche immer. Wir haben seit unserem Start im Frühjahr 2016 Schnee, Hagel, Regen und Sturm erlebt, bisher gab keine Probleme.

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Hier hängen die Gründer ihre Wäsche zum Trocknen auf.

Ihr fahrt mit eurem Auto durch Berlin und sammelt die Wäsche ein. Das kostet Zeit und Sprit. Ist das wirklich effizient?

Ja. Wir investieren viel Zeit in unsere Routenplanung – wie ein professioneller Logistiker. Damit wollen wir unnötige Fahrten vermeiden. Unser Angebot ist derzeit auf Südost-Berlin und damit auf die Stadtteile Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Mitte beschränkt, dort kennen wir uns sehr gut aus, das macht die Planung etwas einfacherer.

Die Abholung mit einem konventionellen Auto ist aber nicht sehr ökologisch, oder?

Nein. Unser nächstes Auto soll deshalb einen Elektromotor haben. E-Fahrzeuge sind allerdings derzeit für uns noch viel zu teuer. Um Geld zu sparen, suche ich deshalb nach einem gebrauchten Modell, mit dem wir die Wäschekörbe einsammeln können.

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Wer sind denn eigentlich eure Kunden?

Wir richten uns an private Kunden. Morgens nutzen vor allem ältere Menschen unseren Service, abends bekommen wir Aufträge von Berufstätigen und Familien. Derzeit haben wir rund 160 Kunden, die im Schnitt einmal pro Woche ihre Wäsche von uns abholen lassen. Zusätzlich waschen wir für kleinere Betriebe wie Bio-Cafés.

Wie seid ihr eigentlich auf die Idee für euren Wäscheservice gekommen?

Da gab es zwei Treiber: Als Familie mit zwei Jungs und einem Hund haben wir selber immer Berge von Wäsche. Ich war es Leid, dass Laken und Handtücher überall in unserer Dreizimmer-Altbauwohnung über den Türen oder Stühlen zum Trocknen hängt. Deshalb habe ich nach einer Bio-Wäscherei gesucht – aber keine gefunden. So kam uns die Idee.

Und was war der zweite Grund?

Mein Mann und ich sind eigentlich Künstler. Unsere Projekte lassen sich mitunter schwer finanzieren. Deshalb haben wir nach einer Idee für ein Unternehmen gesucht, durch das wir unsere Kunst finanzieren können.  

Und? Klappt das?

Bisher war es noch umgekehrt: Mit unserer Kunst haben wir unsere Firma finanziert. Aber das ändert sich. Jetzt verdienen wir mit Frisch & Luft auch Geld. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

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Wie geht es bei euch weiter?

Ich wünsche mir eine neue Waschmaschine. Deshalb suchen wir gerade nach einem externen Geldgeber. Und langfristig wollen wir logischerweise wachsen – und  unseren Service auch in Westberlin anbieten.

Fotos: Frisch & Luft