Fuckup

Gigantische Partys, damit verdient Max Riedel sein Geld. Sein größter Erfolg: das Holi-Festival, bei dem sich die Gäste mit Farbbeuteln bewerfen und das Riedel aus Indien nach Deutschland geholt hat. In rund 30 Ländern hat er das „Festival of Colours“ mittlerweile produziert – und mehr als eine Million Besucher angelockt. Riedels Leben ist eine einzige große Sause.

Doch nicht immer lief alles glatt, wie Riedel an diesem Donnerstagabend erzählt. Es ist Fuckup Night im Startup Lab am Berliner Ernst-Reuter-Platz. Bei der Veranstaltung erzählen Gründer, wo und warum sie schon einmal „richtig verkackt” haben, wie der Veranstalter wirbt.

Riedels Geschichte beginnt 2012. Inspiriert von der Indienreise eines Freundes, wirft er Karten für das erste Holi Festival Deutschlands auf den Markt. Innerhalb weniger Stunden sind alle Tickets weg. Berauscht vom Erfolg plant der quirlige Berliner die Expansion der Partyreihe, wie er den Zuschauern im Smart Lab erzählt. Dazu holt sich sein bis dahin dreiköpfiges Team einen vermeintlichen Szene-Experten an Bord. Der verspricht, Holi „ganz groß zu machen“. Doch das entpuppt sich als Fehler: Riedels ersten Fuckup nimmt seinen Lauf.

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Bei einem Konzert in Dresden sind alle Karten verkauft, um die Konzertgenehmigung der Stadt soll sich der neue Mitarbeiter kümmern. Riedel verlässt sich darauf. Erst zwei Tage vor dem Event hakt er noch einmal nach. Zu spät.

„Doch wir haben nich uffjegeben“, sagt Riedel. In einer Nachtsitzung bequatscht er den Polizeipräsidenten und die Oberbürgermeisterin und hat unerhörtes Glück. Die Veranstaltung darf stattfinden – auf einer anderen Fläche. Der Schaden für die Planänderung: 100.000 Euro.

Fuckup Nummer drei: Initiiert durch den Ex-Mitarbeiter?

Seinen zweiten Fuckup erlebt Riedel ein Jahr später, vor dem Holi-Festival in der Frankfurter Commerzbank-Arena. Mittlerweile hat Riedel die Party schon sechs Mal organisiert, fühlt sich als Profi. Ein Trugschluss, wie er lernt. Wenige Tage bevor es losgehen soll, flattert ein Brief ins Haus. Darin sei „eine klitzekleine Auflage“ gewesen: Die gesamte Festival-Fläche muss mit Sand ausgelegt werden, insgesamt 15.000 Quadratmeter. Das Farb-Pulver dürfe nicht ins Grundwasser kommen, heißt es in der Begründung der zuständigen Behörde. „Also bin ick die umliegenden Baustellen abjefahren“, erklärt Riedel. Mit Erfolg: Am Ende karren 120 Bauarbeiter rund 55 LKW-Ladungen Sand an, das Publikum feiert. „Und dann mussten wir das noch alles harken“, sagt Riedel. Die Kosten: 250.000 Euro.

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Auch das Holi-Festival in Leverkusen läuft nicht optimal. Bei Fuckup Nummer drei machen ihm erneut die Behörden einen Strich durch die Rechnung. Als alles bereits aufgebaut ist, kassiert Riedel eine einstweilige Verfügung. Er darf keine Farbbeutel bei der Party verkaufen. Für ein Festival der Farben „ein bisschen blöd“, sagt Riedel. Der Grund: Das Pulver sei als Spielzeug angemeldet, ginge aber als solches nicht durch. Riedel darf die 60.000 bereits bezahlten und bedruckten Farbbeutel nicht verteilen. Pikantes Detail: Angeschwärzt habe ihn ein früherer Mitarbeiter. Der habe mittlerweile seine eigenen Partys veranstaltet – und habe damit die Konkurrenz aus dem Weg räumen wollen, sagt Riedel.

Am Ende habe er so einiges von diesen Schlappen gelernt, erzählt der Gründer. Mittlerweile achte er erstens genau darauf, wen er sich ins Team hole, informiere sich zweitens über die Gesetze und Vorschriften und mache drittens ordentliche Verträge mit seinen Partnern. Alles selbstverständlich – sollte man meinen. Nicht für ihn. Doch bei den Fuckup Nights lacht das Publikum am lautesten über die peinlichen Fehler. Scheitern gehört hier zur Show.

Foto: Gründerszene / Jana Kugoth; Facebook: Getty Images / rank Bienewald