Silicon Valley

Eine Idee, die heute im Silicon Valley als „hot“ gilt, ist mit großer Wahrscheinlichkeit in wenigen Wochen auch in Europa angekommen. Bereits im April sah sich Gründerszene vor Ort um und besuchte Startups wie Twitter, Path (www.path.com) und 8Tracks (www.8tracks.com). Im Valley, heißt es, finde sich in einem Straßenzug mehr Venture Capital als in ganz Berlin – dementsprechend groß ist die Masse der Neugründungen. Welche frischen Ideen könnten noch diesen Sommer nach Deutschland schwappen? Gründerszene stellt fünf heiße Startups aus dem Valley vor.

Silicon Valley – Mit dem 10K-Rennrad ins Büro

Silicon Valley, ein Haufen von Vorstädten im südlichen Teil der sogenannten San Francisco Bay Area, gilt zweifelsohne als der einflussreichste Startup-Hub des Planeten. Die Nähe zu den US-Eliteuniversitäten Stanford und Berkeley ermöglichte vor mehr als 50 Jahren den Aufstieg der Region als Standort der US-Mikroprozessoren-Industrie – durch das einmalige Ökosystem an Risikokapitalgebern, Kanzleien und technikaffinen Studenten dominiert die Region nun schon seit mehreren Jahrzehnten die Startupwelt und liefert Technik-Innovationen am Fließband.

Die Ansammlung weltweit einmaliger Tech-Unternehmen wie Facebook, Apple oder Google sorgt nicht nur für eine zunehmende Legendenbildung um die Region in Kalifornien, sondern verwandelt das Alltagsleben im Valley auch zu einem Absurdum, das neben visionären Geschäftsmodellen die eine oder andere Seltsamkeit bereit hält: Wird Gutscheinpony-Macher Axel Hesse in Berlin gerne mal in seinem knallorangen Sportwagen gesichtet, kurvt der Valley-Entrepreneur gerne mal auf einem 10.000-Euro-Fixie-Bike ins Büro. Rückenschonend wird grundsätzlich nur vom Gymnastikball aus gearbeitet – das spart nicht nur den Stuhl, sondern hoffentlich auch ein paar Dollars für die Miete: Für monatlich 1.500 Dollar kann man sich glücklich schätzen, wenn das Mini-WG-Zimmer über ein Fenster verfügt.

Egal wie kauzig, die Ideen des Valleys bestimmen das weltweite Startup-Geschehen. Diese fünf Startups werden im Valley zur Zeit hoch gehandelt und könnten es noch diesen Sommer nach Europa schaffen.

#1 Card.io | Branche: Payment | Gründung: 2011

cardioAnstatt die Kreditkartendaten einzutippen, genügt Card.io ein schnelles Foto der Karte, um die Zahlung abzuwickeln. Neue Payment-Lösungen scheinen auch in der Datenschützer-Hochburg Deutschland langsam Akzeptanz zu finden: Nachdem bekannt wurde, dass Rocket Internet (www.rocket-internet.de) mit Payleven (vormals Zenpay) das US-Vorbild Square kopiert, sollten sich langsam auch etablierte Payment-Provider wie das holländische Adyen vorsehen.

#2 Skout | Branche: Location-Based-Dating | Gründung: 2007

skoutÄhnlich dem vor Kurzem verstorbenen Aka-aki ging Skout schon 2007 an den Start, um mittels einer App fremde Menschen auf der Straße zu verbinden. Trotz ansehnlicher Reichweite stand das Startup Anfang des Jahres kurz vor dem Aus, als es sich dank Turnaround gen Dating und einer Finanzierungsrunde von 22 Millionen Dollar wieder ins Rennen brachte. Unter anderem investierte mit Andreesen-Horowitz einer der umtriebigsten VCs des Valleys in das Unternehmen, das sich nun voll auf den Location-Based-Dating-Markt konzentrieren will. Mit welchen Features konnte das Team den Investor zur imposanten Finanzierung bewegen?

#3 Postmates | Branche: Logistik | Gründung: 2011

postmatesPostmates startete offiziell im vergangenen Jahr, als sich das junge Unternehmen auf der „TechCrunch Disrupt“-Konferenz präsentierte. Postmates beschreibt sich selbst als „revolutionary same day urban logistics and delivery platform“ und verspricht Güter innerhalb einer Stadt in unter einer Stunde verschicken zu können. Im April launchte das Unternehmen zudem die Get-it-Now-Beta, die es den Nutzern über eine App ermöglicht, Waren in ausgewählten Einzelhandelsgeschäften zu kaufen und sich direkt schicken zu lassen. Wenn das Modell funktioniert, könnte es eine Schlüsselrolle im Markt der Lebensmittellieferung einnehmen.

#4 Klout | Branche: Online-Reputation | Gründung: 2009

KloutIn der Bay Area hat Klout das geschafft, wovon Amen (amenhq.com) seit Monaten träumt: Die Social-App ist hochgradig „sticky“ und verbreitet sich in rasanter Geschwindigkeit. Über Klout können Nutzer die Macht ihrer Meinung im Social Graph messen: Die App misst, wie andere Nutzer mit der eingebrachten Information verfahren und errechnet daraus den eigenen Klout-Score. Klout ist die spannendste Social-App im US-Markt. Amen Klout

#5 Noodle | Branche: Bildung | Gründung: 2010

noodleDie Gründer-NGO SVForum verlieh Noodle im vergangenen Jahr den Titel des „Most Likely to Succeed“-Startups und signalisierte dem Bildungsunternehmen somit ein großes Potenzial. Noodle ist eine Bildungs-Suchmaschine, die es Schülern und Studenten erlaubt, das jeweils passende Bildungsangebot zu finden – von der Uni bis zum Nachhilfelehrer. Auch in Deutschland wächst die Zahl der Bildungsträger merklich und steigert den Druck, im Gewirr der Angebote das vermeintlich passendste zu finden. Besonders die gut gefüllten Marketingbudgets privater Bildungsträger lassen das Geschäftsmodell attraktiv erscheinen.

Bildmaterial: NASA / Wikimedia Commons