Bereiten ihren Absprung vor: Christian Grobe und Matthias Knecht (von links)

Die Nachricht am Freitag schien erst einmal wenig spektakulär: Der Zencap-Gründer Matthias Knecht verlässt das Unternehmen, meldete die Nachrichtenagentur Dow Jones. Vor wenigen Monaten war die Peer-to-Peer-Lending-Plattform aus dem Hause Rocket Internet mit Funding Circle, dem großen Player aus Großbritannien, fusioniert. Es sei dabei nicht ungewöhnlich, dass sich Gründer nach dem Verkauf zurückziehen, heißt es vom Unternehmen gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

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Doch offenbar steckt hinter der Personalie ein Richtungsstreit innerhalb des Unternehmens, wie die SZ weiter berichtet. Matthias Knecht soll sich dagegen gewehrt haben, dass die Wachstumsziele für Kontinentaleuropa zusammengestrichen werden. Nach der Fusion war er für diese Länder verantwortlich.

Sein Gegenspieler: Der Funding-Circle-CEO Samir Desai, der mit dem knappen Geld lieber das Geschäft in Großbritannien und den USA ausbauen will. In diesem Konflikt hat sich Desai nun durchgesetzt. Laut SZ-Bericht übernimmt Panni Morshedi den Job von Matthias Knecht, sie gilt als Vertraute vom Vorstandschef.

„Wir sind noch hungrig“

Mit dem Zencap-Mitgründer Knecht sollen auch einige Manager aus der zweiten Reihe das Unternehmen verlassen haben. Sein Mitgründer Christian Grobe kündigte gegenüber Dow Jones an, dass er erst einmal Deutschland-Chef bleibe. Er deutete aber an, den Job nicht ewig machen zu wollen. „Wir sind noch hungrig“, sagte er der Nachrichtenagentur. Laut Spekulationen in der Fintech-Branche, schreibt die SZ, könnten die beiden demnächst ein neues Startup zusammen gründen. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme zu den Personalien am Montagvormittag nicht zu erreichen.

Auf der deutschen Seite von Funding Circle sind aktuell keine Kreditprojekte zu finden. Eine Unternehmenssprecherin betonte gegenüber Gründerszene: „Im Zuge des Integrationsprozesses der kontinentaleuropäischen Marktplätze in die Funding-Circle-Gruppe testen wir aktuell verschiedene Marketingkanäle und analysieren unser Produktangebot.“ Offenbar hat das Startup sein Marketing in Deutschland runtergefahren. Die Sprecherin des Unternehmen dementiert jedoch, dass sie weniger Geld für Marketing ausgeben, sondern stattdessen den Mix und die Kanäle verändern.

Eine Funding-Circle-Sprecherin schreibt auf Gründerszene-Nachfrage: Nach der Fusion sei das Führungs- und Mangementteam in Kontinentaleuropa neu ausgerichtet worden, „mit dem Ziel die Bedürfnisse der globalen Funding-Circle-Gruppe besser zu bedienen“. Weiter heißt es: „Es handelt sich somit um rein strategische Entscheidungen und nicht um persönliche Differenzen mit dem CEO Samir Desai.“ Das Startup wolle weiter in Kontinentaleuropa aktiv bleiben und plane künftig „Investitionen in Millionenhöhe in diese Märkte“.

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Bild: Funding Circle; das Statement von Funding Circle wurde kurz nach Erscheinen des Artikels ergänzt.