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Gary Vee auf der Online-Marketing-Rockstars-Konferenz 2017

Gary Vaynerchuk ist nicht nur ein anerkannter Wein-Experte, Bestseller-Autor und Unternehmer. Unter seinem Künstlernamen Gary Vee hat er auch mehr als eine halbe Million Abonnenten auf Youtube, auf Twitter folgen ihm fast 1,5 Millionen – und er hält Anteile an Snap. Ja, Snap. Dem Unternehmen, das seine frühen Investoren in dieser Woche sehr, sehr reich gemacht hat. Gary hat also allen Grund, derzeit äußerst glücklich zu sein.

Doch seltsamerweise wirkt er heute auf der Bühne der Online-Marketing-Rockstars-Konferenz in Hamburg nicht so. Mit grimmigem Gesicht spricht er zu einem dafür äußerst wohlgesonnenen Publikum. Was ihn verärgert, sind die vielen Menschen, die über das Geschäftemachen im Netz lesen, reden und twittern. Also im Grunde alle Zuhörer vor der Bühne. Und die vielen Gründer von Unternehmen, die jeden Tag Geld verbrennen, ohne Geld zu verdienen. Und das sagt er ihnen auch sehr deutlich.

Seine Kernaussagen:

  • Egal was man online macht: Man braucht immer die Aufmerksamkeit anderer Menschen. Sie ist die Basis von allem. Darum sollte man sich immer fragen, was man vermitteln möchte. Worum geht es? Was ist das Produkt? Und auf welchen Wegen erreicht man die Leute?
  • Nicht jeder könne gute Videos oder Fotos machen und dennoch versuchten sich viele darin. Ein Riesen-Fehler, findet Gary und erzählt, dass er auf lange Blogbeiträge verzichtet, weil er nicht schreiben könne. Seine Bestseller-Bücher seien nur mit Hilfe von Ghostwritern entstanden. Vielmehr rät er, kürzere Texte in einem Feed seiner Wahl, beispielsweise auf Facebook zu schreiben, und sich sowieso eher auf das zu konzentrieren, was man kann.
  • Laut Gary haben viele Menschen eine Meinung, weil sie etwas gelesen oder gehört haben. Nur wenige haben sie, weil sie tatsächlich etwas ausprobiert haben. Sie haben noch nie eine Kampagne auf Facebook gefahren, sprechen über Alexa, ohne einen Echo zuhause zu haben – und trauen sich dennoch ein Urteil darüber zu. Das ist in Garys Worten „bullshit“. Sein Appell: „Stop fucking watching me. Start fucking executing.“ Oder auch: „Don’t read about Snapchat, download the fucking app and use it.“
  • Eine Menge Leute würden ihm immer wieder erzählen, dass sie ein Millionen-Geschäft aufbauen wollen, erzählt er. Dennoch seien sie nicht bereit, mehr als zwölf Stunden am Tag dafür zu arbeiten. „Why should that be easy?“, fragt er. Sie wollten Millionen machen und dennoch ein perfektes Leben leben, empört er sich. Dabei verlören sie jeden Monat Geld, weil sie ein Investment angenommen hätten. „You are in deep fucking shit“, ruft Gary ihnen zu. Er selbst habe vor zehn Jahren keinen einzigen Follower gehabt. Damals habe er alleine zwölf Stunden am Tag damit verbracht, Leute zu kontaktieren, die sich online über Wein geäußert hätten.
  • Viele Menschen wollten auf Instagram erfolgreich sein, beachteten aber nicht die grundlegenden Regeln dafür, so Gary weiter. Sie würden weder viele Hashtags ausprobieren. Noch würden sie sich jeden Tag zwei, drei Stunden hinsetzen, um andere Nutzer mit vielen Anhängern anzuschreiben und ihnen eine Kooperation vorzuschlagen. Und zwar eine Kooperation, von der das Gegenüber auch etwas hat. Garys Meinung dazu: „You will not build your Instagram profile by not doing anything. By sitting and having a beer with a friend complaining that it is so hard to build an Instagram profile.“
  • Und überhaupt: kein Selbstmitleid. Nach Angaben von Gary gibt es nur zwei Gruppen an Menschen, die das interessiert. Die zwei, drei Leute, die einen am meisten lieben. Die Mama zum Beispiel. Also die Leute, die laut Gary keine andere Wahl haben. Die zweite Gruppe sind die eigenen Verlierer-Freunde.

Fucking thanks, lieber Gary!

Bild: Anne-Katrin Schade