Businessman in discussion with coworker in office

Ein Beitrag von Tereza Sommerfeld, Rechtsanwältin bei AllaboutHRlaw.

Gehälter sind ein sensibles Thema. Auch viele Startups, die sonst so fortschrittlich denken, haben im Arbeitsvertrag Klauseln über das Gehalt und einem damit verbundenen Stillschweigen stehen.

Dabei geht es auch anders. Bei Warren Buffett bestimmen die Mitarbeiter zum Beispiel gegenseitig ihr Gehalt, es wird vollständig offengelegt. Was ist also richtig und sinnvoll – und was führt nur zu zeitraubenden Diskussionen oder gar zu Verlust von Mitarbeitern, die sich nicht wertgeschätzt fühlen?

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Schweigepflicht im Vertrag

Die Klausel im Vertrag „über Gehalt Stillschweigen bewahren“ hat allenfalls eine abschreckende Wirkung. Sie verhindert nicht, dass über Gehälter gesprochen wird. Spätestens, wenn ein Headhunter anruft, um jemanden abzuwerben, oder sich ein neuer Mitarbeiter bewirbt, ist das Thema auf dem Tisch. Daher ist es eher kontraproduktiv, sich so verschlossen zu geben. Es ist fast, als ob man signalisiert: Wir haben etwas zu verbergen.

Und: Kein Unternehmen wird Konsequenzen aus dieser Klausel ziehen – oder schmeißt man seinen besten Mitarbeiter raus, nur weil er über sein Gehalt gesprochen hat?

Gehaltsgerechtigkeit

Aus Sicht der Mitarbeiter hat man etwas zu verbergen, wenn man unfair, sprich ungleich bezahlt. Das Aufdecken von Unterschieden, die nicht begründbar sind oder Argumenten nicht standhalten, führt unter Mitarbeitern zu Demotivation. Plötzlich wird das Gehalt sehr relevant, obwohl es vielleicht vorher von nachrangiger Bedeutung war.

Dies kann man verhindern, indem das Management darauf achtet, Stellen mit vergleichbarer Verantwortung, Erfahrung und Komplexität auch vergleichbar zu bezahlen. Hierfür kann man auch auf sogenannte Gehaltsbänder zurückgreifen, so werden Gehaltsspannen bezeichnet, die für mehrere Stellen festgelegt werden.

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Hilfreich ist es, eine Gehaltsmatrix aufzustellen und diese im Management zu diskutieren. Abweichungen von 20 Prozent sind tolerabel, da sie mit der Erfahrung der Mitarbeiter oder regionalen Unterschieden begründet werden können.

Der nächste Schritt ist die Gegenüberstellung mit dem Markt. Es gibt viele im Internet verfügbare Gehaltsvergleiche. Sinnvoll ist es, sich einige klar definierte Stellen herauszusuchen, diese zu vergleichen und daraus dann die Vergleichsgehälter zu ziehen. So bekommt man ein Gefühl für die Bezahlung im Vergleich zum Markt und eventuell ein sich hieraus ergebender Anpassungsbedarf.

Die konsequente Analyse und Anpassung der Gehälter intern wie extern führt zu einer als fair wahrgenommenen Gehaltsstruktur – und Gehalt wird zur Nebensache degradiert.

Kommunikation der Gehälter

Wenn nun die Gehälter weniger Aufmerksamkeit mehr bekommen, da sie als fair empfunden werden – was hindert Unternehmen daran, sie auch offen zu legen?

Im Wesentlichen sind es drei Faktoren, die die Frage über die Offenlegung und Transparenz der Gehälter beeinflussen. Die Fähigkeit und der Wille des Managements konsequent hinter ihren Entscheidungen zu stehen, die Reife der Organisation und zum anderen die Art der Unternehmenskultur.

So ist die Transparenz von Gehältern ist Teil der Kultur des Unternehmens, der Art und Weise wie miteinander umgegangen, kommuniziert und zusammengearbeitet wird. Dies bedeutet mit anderen Worten, dass transparente Gehälter auch Teil eines transparenten Unternehmens sein sollen und können. Aber: Mit der Transparenz lade ich die Mitarbeiter zur Diskussion, zum Hinterfragen und Feedback ein. Diese Konsequenz muss gewollt, gelebt und aufgegriffen werden, insbesondere durch das Management.

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Aber: Viele Manager und insbesondere Gründer in Startups sind nicht als Führungskräfte ausgebildet und können mit solchen Situationen wenig umgehen. Eine Kultur zu schaffen, in der Mitarbeiter alles hinterfragen können, ist schwierig. Insofern ist man gut beraten, sich genau zu überlegen, inwieweit man auch die Konsequenzen, die Transparenz mit sich bringt, tragen kann und möchte.

Fair ist am wichtigsten

Ein Unternehmer will, dass auf der Gehaltsfront Ruhe einkehrt und die Mitarbeiter sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren. Um dies zu schaffen, bedarf es unterschiedlicher Ansätze, dazu können auch transparente Gehälter gehören.

Ob transparent oder nicht: Die Gehälter sollten fair bestimmt sein und Unterschiede immer begründet werden können. Der Rest hängt von der Reife des Managements ab und der Unternehmenskultur, die geschaffen wurde oder werden soll.

Bild: Gettyimages/Thomas Barwick