Mitgründer Ludwig Preller (3. Reihe, links) und das Team von Germantech Digital

EWE zählt zu den größten Energieversorgern deutschlandweit. Im Jahr 2016 machte das Unternehmen einen Umsatz von rund 7,5 Milliarden Euro. Dennoch will der Konzern ein Umdenken anfachen – und sucht dabei Inspiration bei Startups.

Das Energieunternehmen holt sich dafür Hilfe beim Berliner Company Builder Germantech Digital. Der setzt wiederum auf ein Team aus 20 Tech-Experten und Gründern und kündigt vollmundig an, innerhalb von 100 Tagen Konzernen und Mittelständlern neue Startups bauen zu können. Erfindungen am Fließband quasi.

Wie baut man in einem solchen Zeitrahmen ein Startup für große Konzerne? Möglich sei das durch ein dreischrittiges Verfahren mit Marktanalyse, der Entwicklung von Prototypen und anschließendem Recruiting des Gründerteams, sagt Gründer und CEO Ludwig Preller im Gespräch mit Gründerszene. „Innovation as a Service” nennt er das. Auf diese Art und Weise habe seine Firma im vergangenen Jahr drei Startups für EWE aufgebaut, in jedes habe der Energiekonzern einen zweistelligen Millionenbetrag investiert, ein weiteres sei im Aufbau, behauptet Preller – und bleibt trotz pompöser Ankündigungen auffällig verschlossen.

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Gemeinsam mit seinem Mitgründer Benjamin Rohé und Kevin Dykes hat Preller Germantech Digital im Jahr 2016 gegründet. Zuvor hat er das HR-Startup Personio und den Energieversorger Extraenergie mit aufgebaut.

Digital-Labore liegen im Trend

Großen Konzernen bei der Digitalisierung zu helfen, liegt lange schon im Trend. Auch Beratungsfirmen bieten entsprechende Konstrukte an. Die Boston Consulting Group rief mit Digital Ventures einen Startup-Ableger ins Leben, die Münchner Wirtschafts- und Beratungsgesellschaft Deloitte unterhält mit Deloitte Digital ein Digital-Labor und Ernst and Young bestätigte kürzlich gegenüber Gründerszene, Etventure übernehmen zu wollen.

Von solchen Konstrukten unterscheide sich GermanTech Digital jedoch, betont Preller. „Anders als in den Digital-Sparten der Beratungen arbeiten in unserem Team ausschließlich Gründer und Unternehmer.“ Außerdem betreue man die Kunden nicht nur projektweise über einen kurzen Zeitraum, sondern grundsätzlich zehn, zwölf Startups über drei Jahre. Auch von klassischen Company Buildern wie Rocket Internet und Team Europe grenzt Preller sein Unternehmen ab: Germantech Digital halte keine Anteile an den Startups. Weil die Gründer dadurch mehr Einfluss erhielten, ließen sich Spitzenpositionen in den für die Corporates gebauten Startups mit hochkarätigem Personal besetzten. Das ist zumindest Prellers Hoffnung. Ob das bei den drei Startups des EWE-Konzerns gelungen ist, ließ Germantech Digital auf Nachfrage von Gründerszene allerdings nicht durchblicken.

Bild: GermanTech Digital / Bettina Volke