„Männlichkeit“ – Was soll das sein?

Wir befinden uns momentan in einer Zeit, in der die alten geschlechtsstereotypischen Bilder nicht mehr funktionieren, die neuen jedoch unklar sind. Früher gab es eine klare Trennung zwischen Rollen, Identitäten, Aussehen und Aufgaben von Mann und Frau – heute verschwimmen die Geschlechterrollen mehr und mehr. Ob das gut oder schlecht ist, wird wohl noch jahrelang Thema bleiben. Fakt ist jedoch, dass das tradiert behaftete Bild oder die Auffassung des Mannes als starkes Geschlecht, sowie die inhärenten Konzepte von „Mannsein“ und „Männlichkeit“ nicht mehr so starr sind und durch moderne Vorstellungen und Eigenschaften neu definiert und dargestellt werden. Der sogenannte neue Mann ist derzeit in aller Munde und sorgt im Hinblick auf die traditionellen Geschlechterrollen sowie auch sein optisches Erscheinungsbild für allerhand Diskurs.

Geschlechterrollen und -abbildungen im Wandel

Derzeit ist bei der Abbildung des männlichen Geschlechts ein Trend zu beobachten: Herkömmliche Geschlechterrollen sowie klassische Gender-Stereotypen, wie etwa typisch maskuline Looks, werden von vielen Männern aufgebrochen und neu interpretiert. Wir sehen androgyn wirkende Männer mit langer Haarpracht, liebevolle Papas und Partner, Bilder von tiefen Männerfreundschaften und weinenden Männern, homosexuelle Väter, der Ehemann im Haushalt, sowie auf Ernährung und Wohlbefinden achtende Männer – die Liste ist endlos lang.

Das Bild des neuen Mannes wird aktuell auch verstärkt in der Fotografie behandelt: So widmet Foto-Anbieter iStock by Getty Images den vielen neuen Konzepten und Facetten von Maskulinität beispielsweise eine Bildergalerie. Auch zum Thema Vaterdasein hat die Stockfoto-Plattform einen Bilderpool erstellt, in der unterschiedliche Männerbilder die verschiedenen Geschlechterrollen abbilden. Beide Fotogalerien sind Teil der #RePicture-Kampagne, die durch das vielfältige Angebot an Bildern überholten Klischees und Stereotypen den Kampf ansagen will.

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Stolze Väter

Mehr berufstätige Väter in Elternzeit

Die Themen Vaterdasein und Vereinbarkeit von Beruf und Familie nehmen – neben den neuartigen optischen Erscheinungsbildern des Mannes – ebenfalls einen Teil der erfrischenden Bilderkampagne ein. Dies nicht ohne Grund: Das gängige Vater-Beruf-Modell befindet sich gerade in einem Transformationsprozess. In einer Partnerschaft mit Kind ist es zwar zumeist immer noch der Vater, der den Großteil seiner Zeit und Energie in Beruf und Karriere steckt und die Frau, die für längere Zeit aus dem Berufsleben tritt und zuhause bleibt. Doch seit der Einführung des Elterngeldes ist die Zahl der Väter, die vom Elterngeld Gebrauch machen, von einst vier Prozent auf gegenwärtig 30 Prozent gestiegen. Männer scheinen die Vätermonate verstärkt als Chance zu betrachten und nicht mehr als Gefahr – sie machen immer häufiger die Erfahrung, dass die Auszeit vom Job keinen Knick auf der Karriereleiter bedeutet. In einer Studie der Uni Bamberg berichteten 70 Prozent aller befragten Väter von positiv ausgehenden Gesprächen mit ihren Chefs. Neun von zehn Befragten gaben zudem an, dass die Elternzeiterfahrung keinerlei berufliche Konsequenzen mit sich trug. Die Geschlechterrollen im Arbeits- und Elternkontext scheinen sich gerade umzuformen – und das ist gut so.

Quo vadis? Der neue Mann – gefangen zwischen den Geschlechterrollen

Wie hart, wie weich „darf“ ein Mann heute sein? Das sind Fragen, die sich sowohl Männer als auch Frauen sowohl in Bezug auf die Geschlechterrollen allgemein als auch auf die Verhaltensweisen und das Aussehen von Männern stellen. Emanzipation und Feminismus sind mittlerweile viel und breit diskutierte Begriffe, die selbst für Männer relevant geworden sind. Denn aus den sich verändernden Rollenbegriffen und Anforderungen ergeben sich für den modernen Mann einige Schwierigkeiten. Während er dazu aufgefordert ist, bisher als „weiblich“ zugeordnete Eigenschaften und Tätigkeiten zu übernehmen, muss er weiterhin typisch „männliche“ Eigenschaften an den Tag legen – der neue Mann ist also zwischen den Rollen der Vergangenheit und der Moderne gefangen. Denn obwohl es ein neues Geschlechterverständnis gibt, bestehen alte Rollenbilder weiterhin fort. Dies zeigen auch aktuelle Rollenbilder in der Populärkultur: So ist im erfolgreich verfilmten Buch „Fifty Shades of Grey“ ein dominierender Multi-Millionär eine der Hauptprotagonisten, und auch die zahlreichen Comicverfilmungen der letzten Jahre unterstreichen weiterhin ein relativ eindimensionales stereotypisches Bild von Männern. Gleichzeitig werden Männer, die ihre weichere Seite nicht unterdrücken, schnell von der Öffentlichkeit thematisiert: Während des Oscar-Auftritts von John Legends beispielsweise verdrückte Schauspieler Chris Pine, der bis dato eher für Rollen in Hollywood-Actionfilmen bekannt ist, eine Träne. Dieses Gefühlsbekenntnis wurde stark bei Twitter diskutiert: Während der Großteil der Frauen diese weichere Seite offenbar ansprechend fand, waren sich viele Männer weiterhin unsicher, ob dies nun „männlich“ sei. Auch die Beziehungen, die der neue Mann führt, haben sich stark verändert. Längst hat er sich vom einsamen Wolf, der seine Gedanken und Gefühle mit niemandem teilt, zu einem kommunikativen Individuum weiterentwickelt, den eine tiefe „Bromance“ zu seinem besten Freund verbindet. Diese eigentlich Frauen vorbehaltene Art, eine Freundschaft zu führen, ist spätestens seit dem durchschlagenden Erfolg der US-amerikanischen Sitcom „Scrubs“ ein weitbekanntes Phänomen.

Geschlechterrollen: Das neue Männerbild in Lifestyle & Co.

Auch im Lifestyle-Bereich weht frischer Wind: In Sachen Mode und Frisuren scheinen sich die für das jeweilige Geschlecht typischen Looks immer mehr anzunähern. Auffällig ist aktuell, dass sich Männer zunehmend Gedanken um ihr Aussehen machen. So tragen viele von ihnen Kleidung, die perfekt aufeinander abgestimmt ist. Auch eng anliegende Hosen und Oberteile, Ohrstecker und -ringe, lackierte Fingernägel, schwarz geschminkte Augen und gezupfte Augenbrauen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Der neue Mann legt zudem verstärkt Wert auf eine individuelle Frisur. In der letzten Zeit lässt sich mehr Varietät auf den Köpfen der männlichen Bevölkerung beobachten: Ob Männer mit Dutt, Zopf oder mit Kurzhaarschnitt inklusive farbiger Highlights, oder Männer mit mittellangem, offenem Haar – auf dem Haupt des Mannes tut sich was. Mann trägt auch wieder häufig Bart; diesen dann auch gerne passend zu seiner Frisur und oftmals lang.

Der neue Mann bei iStock: Erfrischende Motive in der Fotografie

Die neuartige visuelle Darstellung von Männern – beispielsweise als Vater am Arbeitsplatz oder als langhaarige, androgyne Type – kann bei iStock by Getty Images gefunden werden. Der Bilderpool des Stockfoto-Anbieters umfasst Millionen hochwertiger und facettenreicher Fotos, die im Handumdrehen per Credit-Paket oder im Abo erworben und in diversen Projekten eingesetzt werden können. Getty Images porträtiert zudem mit einem Video den Genderblend-Trend, das heißt, die Vermischung der Grenzen zwischen Mann und Frau und der typischen geschlechterspezifischen Normvorstellung hinsichtlich Aussehen und Rollenbild – und setzt sich damit für eine vielfältigere Betrachtungsweise der Geschlechter ein.