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Zufällige Ähnlichkeit? Eher nicht.

Eine Frau räkelt sich auf dem Titelbild der Webseite, bekleidet ist sie mit schwarzer Spitzenunterwäsche. „Finde jetzt dein bezahltes Date. Sofort. Anonym. Unkompliziert“, steht da. Der Dresdener Anbieter PaidDates.de wirbt seit kurzem für seinen Escort-Service per Whatsapp. Die Idee: Männer schlagen die Dauer und Bezahlung der Verabredung vor, Frauen können das Angebot annehmen. Über den Chat, der einen Tag lang verfügbar ist, sollen sich Mann und Frau dann verabreden.

Klingt bekannt? Mit einem nahezu identischen Konzept ging das Berliner Startup Ohlala der Gründer Pia Poppenreiter und Torsten Stüber 2015 an den Start. Über die Web-App des Unternehmens können ebenfalls bezahlte Verabredungen vereinbart werden. Der Slogan auf der Ohlala-Seite lautet: „Finde jetzt dein bezahltes Date. Sofort. Anonym. Unkompliziert.“

Ein Zufall scheint die Ähnlichkeit kaum zu sein. Im Programmier-Code von PaidDates.de finden sich ganze Abschnitte, die mit dem Ohlala-Code bis aufs Komma übereinstimmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies aus Versehen geschieht, ist verschwindend gering. Weitere Formulierungen bei PaidDates sind ebenfalls von Ohlala inspiriert:

Hinter PaidDates steht der Entwickler und Gründer Julian Haupt mit seinem Unternehmen Spielmeister GmbH. Nach einer Gründerszene-Anfrage hat Haupt die Seite offline genommen. Er gibt an, PaidDates.de sei ein „Test-Ballon“ und kein fertiges Projekt gewesen.

Pikant: Julian Haupt ist ein persönlicher Freund des Ohlala-Investors und Lovoo-Gründers Benjamin Bak. Seit Dezember 2015 ist Bak über seine private Beteiligungsgesellschaft BAK Venture an Ohlala beteiligt und hält knapp 13 Prozent an dem Unternehmen. Damit hat er bei dieser Kapitalerhöhung, bei welcher auch bestehende Investoren wie der Moviepilot-Gründer Ben Kubota und Samwer-Weggefährte Max Finger Geld gaben, die meisten Anteile übernommen. Einige Zeit später verkündete Ohlala dann offiziell seine Seed-Finanzierung über 1,7 Millionen US-Dollar und den Launch seines Angebotes in New York.

Sowohl Bak als auch PaidDates-Macher Julian Haupt waren nach Gründerszene-Informationen vergangenen Sommer zweitweise im Ohlala-Büro anwesend. Haupt bestätigt, er habe dort an einer eigenen Chatbot-Technologie gearbeitet. „Die Spreefang [Gesellschaft hinter Ohlala, Anm.d.Red] war interessiert daran, Teile der Technologie von mir zu lizenzieren, hat es aber letztendlich nie getan. Es bestand nie ein arbeitsrechtliches-/ oder Dienstleistungsverhältnis zwischen mir und der Spreefang“, schreibt er per Mail. Benjamin Bak möchte sich auf Nachfrage nicht offiziell äußern. Laut Handelsregister ist er nicht als Gesellschafter an der Spielmeister GmbH beteiligt.

Update, 3. März, 10 Uhr: Nach der Veröffentlichung des Artikels sendeteBenjamin Bak nun ein Statement zur Veröffentlichung: Er habe nichts mit der Seite von Julian Haupt zu tun. „Mit Julian besteht keinerlei Dienstleistungs- oder Anstellungsverhältnis. Er ist daher auch völlig frei darin, Projekte eigenverantwortlich zu starten und voranzutreiben.“

„Wir glauben tatsächlich nicht an eine gemeinsame Zukunft mit Bak“

Es besteht damit der Verdacht, dass es sich um ein Copycat handelt – also ein kopiertes Geschäft. Seit Monaten gibt es Streit zwischen den Ohlala-Gesellschaftern. Zu den konkreten Gründen dafür will sich Poppenreiter nicht äußern. Sie bestätigt aber: „Wir glauben tatsächlich nicht an eine gemeinsame Zukunft mit Bak und arbeiten deshalb seit Langem aktiv daran, die Kooperation mit ihm völlig zu beenden.“

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Ohlala hat sein Geschäft bisher nicht monetarisiert und kämpft seit einiger Zeit mit Problemen: Bereits wenige Monate nach der Seed-Runde Anfang 2016 wurden die meisten Mitarbeiter entlassen. Vor kurzem stellte das Startup dann sein Angebot in New York ein. Laut dem Schätzungstool Similarweb gingen zuletzt außerdem die Seitenbesuche stark zurück.

In der Zwischenzeit war es auch um Benjamin Bak alles andere als ruhig: Sein Startup Lovoo steckte bis zum Hals in einem Skandal. Im Juni 2016 stürmten das LKA und die Polizei in Berlin und Dresden Büros des Startups. Bak und sein Mitgeschäftsführer Alexander Friede wurden festgenommen. Sie standen unter Verdacht, in ihrer Dating-App mit Fake-Profilen Nutzer getäuscht und damit einen Schaden in Millionenhöhe verursacht zu haben. Beide wurden gegen eine Kaution von 300.000 Euro kurze Zeit später aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Verfahren wurde schließlich Ende September eingestellt – gegen eine Zahlung von 1,2 Millionen Euro. Bak und Friede wollten diese Summe privat zahlen, hieß es.

Was der monatelange Streit für Ohlala bedeuten wird, ist unklar – ebenso, unter welchen Bedingungen sich Bak und Ohlala trennen werden. Ein Happy End für die Geschäftspartner scheint allerdings nicht in Sicht.

Bilder: Screenshots Ohlala,Paiddates.de