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Eine Grundidee, drei Konzepte – der E-Commerce für Möbel scheint bisher ein vernachlässigter Markt  gewesen zu sein, doch in den letzten Wochen rückten plötzlich drei neue Anbieter in den Fokus des öffentlichen Interesses. Das Internet und die Globalisierung ermöglichen eine ganz neue Art des Wirtschaftens, die auf weite Teile des traditionellen Design- und Verkaufsprozesses verzichtet und so individuelle Möbel zu erschwinglichen Preisen anbieten kann. Neue Käuferschichten für Designmöbel zu erschließen, heißt das Ziel, das den drei neuen Konzepten von design2desire (design2desire.com), Myfab (de.myfab.com) und fashion4home (fashion4home.com) gemeinsam ist.

Die drei Gründer von design2desire.com setzen dabei auf Design-Elemente und die Einbindung der Community. Die Brüder Burkhard und Ulrich Gersch sowie Brigitte Wittekind haben ihre Beraterjobs aufgegeben, um ihre Skills in den Aufbau der Designwelt GmbH zu stecken. Für design2desire.com sind sie nach Abschluss der Planungsphase seit dem Sommer rund um die Uhr unterwegs – in Asien und auf der ganzen Welt fahnden sie nach frischen Jungdesignern und zuverlässigen Produzenten für ihr Geschäftsmodell: Individuelle Möbel, von Nachwuchsdesignern exklusiv entworfen, on-demand produziert und anschließend an die Direktkunden in Deutschland ausgeliefert. Welche Designs überhaupt den Schritt in den Online-Shop schaffen, bestimmen jeweils die User in kontinuierlichen Votings zu den einzelnen Möbelarten wie Sofas, Beistelltische oder Küchenstühle. Verkaufsräume, Zwischenhandel und teure Lagerhaltung, die gerade im Möbelsektor einen erheblichen Teil des Verkaufspreises ausmachen, werden so komplett eingespart.

Das Konzept der On-Demand-Fertigung verfolgt auch das zweite Startup in diesem Segment: Myfab, ursprünglich aus Frankreich stammend, hat den Sprung ins Nachbarland gewagt und dafür gleich mehrere Millionen an Venture Capital eingesammelt. Der Fokus liegt wie beim französischen Vorbild nicht ganz so stark auf dem exklusiven Design, sondern eher auf dem Fabrik-Charakter nach IKEA-Style mit niedrigen Preisen. Eine Couch, vergleichbar mit der eines Markenherstellers, kostet dann etwa nicht mehr 5.000 Euro wie im stationären Handel, sondern ist durchaus schon für 1.000 Euro zu haben. User-Votings sollen auch bei Myfab eingeführt werden, sind aber noch nicht implementiert.

Während die ersten Container mit Möbeln von Myfab und design2desire.com längst verschifft sind, ist kürzlich mit fashion4home ein weiteres Unternehmen mit einem ähnlichen Geschäftsmodell gestartet. Rocket Internet, der E-Commerce-Inkubator der Samwer-Brüder, und Holtzbrinck Ventures haben hier investiert. Das ursprünglich als Club of Style bekannt gewordene fashion4home ähnelt dem Konzept von myfab am ehesten – nicht nur E-Commerce-Blogger Jochen Krisch bezeichnet fashion4home als 1:1-Kopie von Myfab.

Myfab und design2desire.com sind jedenfalls moderne E-Commerce-Konzepte, die jeweils ihre eigene Nische finden dürften. Die stärkere Design-Orientierung und die Anbindung der Community sind die zentralen Vorteile von design2desire.com, während Myfab davon profitiert, bereits größere Liefermengen zusammen mit der französischen Muttergesellschaft abwickeln zu können.

Interessant wird zu beobachten sein, ob die drei Unternehmen es schaffen, die versprochene Qualität ihrer Möbel in Zusammenarbeit mit den vorwiegend asiatischen Partner-Fabriken dauerhaft zu halten. Wenn die Qualität der Produkte stimmt, wird sich die neue Produktionsform sicher etablieren und anschließend  auch auf andere Märkte übertragen lassen.

Über den Autor

martinjendrischikMartin Jendrischik ist PR-Berater und arbeitet aus Leipzig aus für die PR-Agentur Frische Fische. Zuvor volontierte Jendrischik bei idea Kommunikation, Leipzig, einer auf Corporate Publishing spezialisierten PR-Agentur. Jendrischik hat Betriebswirtschaftslehre in Gießen sowie Journalismus in einem Fernlehrgang studiert und mehrere Jahre als Freier Redakteur für diverse Tageszeitungen gearbeitet. Schwerpunkt seiner Arbeit bei der Agentur Frische Fische ist die aktive Pressearbeit für Kunden aus den Bereichen E-Commerce, Software und IT. Einer seiner Kunden ist die Designmöbel-Plattform design2desire.com.

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