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Deezer will uns automatisch mit der richtigen Musik zur richtigen Zeit versorgen

Für unsere kleine Reihe mit Artikeln zum Musikstreaming haben wir uns mit Golan Shaked unterhalten. Golan ist Chief Commercial Officer beim Streamingdienst Deezer und beschäftigt sich intensiv damit, wie sich seine Firma von der mächtigen Konkurrenz um Spotify und Apple abheben kann und wie ein großes Unternehmen wie Deezer innovativ bleibt.

Golan, wie arbeitet Deezer mit Startups zusammen?

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Deezer hat ja selbst als Startup angefangen. Aber wenn du als Firma an einem bestimmten Punkt angekommen bist, musst du erkennen, dass du Gefahr läufst, deine Innovationskraft zu verlieren. Durch die reine Größe und die Last des Tagesgeschäfts. Weil man sehr damit beschäftigt ist, groß zu sein. Ich glaube, Deezer ist jetzt an dem Punkt, an dem wir genau planen müssen, wie wir unsere Innovationskraft erhalten wollen. Wir sind erwachsen genug, um uns zu fragen, wollen wir das alleine machen oder wollen wir uns jemand suchen, der etwas für uns oder mit uns entwickeln kann. Das ist keine einfache Entscheidung für eine Firma, die sich entschieden hat, innovativ zu sein. Und die Mitarbeiter fragen sich natürlich: Warum Startups? Ich kann das tun! Es ist also ein Balanceakt.

Wie erhaltet ihr eure Innovationskraft?

Wir veranstalten zum Beispiel einmal im Jahr einen Hackathon. Hier können unsere Mitarbeiter außerhalb der Firma einfach mal verrückt spielen. Wir geben nur die ungefähre Richtung vor. Und sie kommen mit tollen Ideen zurück. Danach entscheiden wir uns für ein oder zwei Projekte, die wir weiterverfolgen.

Auf welche Startups schaut ihr besonders?

Golan

Golan Shaked

Wir sehen uns die Startup-Szene unter verschiedenen Aspekten an. Da ist als erstes Flow. Der persönliche Soundtrack ist der USP von Deezer. Deshalb ist für uns Gesichts- und Stimmerkennung zum Beispiel sehr wichtig. Vielleicht gibt es ein Startup, das die Form der Ohren scannt. Um zu schauen, was vor sich geht, fahre ich auch nach Tel Aviv zu den wichtigen VCs. Die haben vielleicht das richtige Startup für uns im Portfolio. Ich liebe das Startup-Ökosystem, besonders wenn es zu unseren Ideen für die Zukunft beitragen kann. Dafür braucht es einen klaren Plan des Management-Teams.

Wie sieht denn dieser Zukunftsplan für Deezer aus?

Auf der einen Seite müssen wir unbedingt unsere Markenbekanntheit steigern. Wenn wir nicht mit unserer Konkurrenz von Spotify und Apple Music erwähnt werden, dann wird es für uns sehr schwer auf dem Radar der Kunden zu erscheinen. Unsere Rolle ist es nicht, die Leute über Musikstreaming aufzuklären. Das darf unsere große Konkurrenz gerne übernehmen. Wir sind einfach nicht so groß. Aber für Leute, die gezielt nach Streamingdiensten suchen, müssen wir als Alternative da sein.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Sechs Freunde sitzen an einem Tisch. Sie sprechen über Musikstreaming. Drei von ihnen haben Spotify, zwei nutzen Apple Music und der Sechste hat seine Entscheidung noch nicht getroffen. Warum sollte sich dieser Mensch für Deezer entscheiden? Das ist es, was wir definieren müssen. Flow soll mehr als ein Feature sein. Es muss zu einem Lifestyle werden, der nächste Schritt, wie man Musikstreaming nutzt. Playlists sind die erste Stufe. Stufe zwei ist kontextualisiertes Hören. Die richtige Musik ist immer bei mir, wenn ich es will. Und diese Erfahrung wollen wir entwickeln. Außerdem wollen wir uns viel mehr auf Download-Features konzentrieren. Wir müssen verstehen, wann die Leute zur Arbeit oder wieder nach Hause fahren. Dann könnten wir den Hörern zum Beispiel automatisch einen bereits heruntergeladenen 30-minütigen Flow zur Verfügung stellen. Außerdem wollen wie enger mit Künstlern zusammenarbeiten. Aber da gibt es noch keinen genauen Plan.

Glaubst du wirklich, dass Leute verstehen, was Flow bedeutet?

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Ich glaube, dass man es nicht sofort versteht. Aber wir werden die Leute inspirieren, es zu probieren. Es ist ähnlich wie bei einer Diät, die einen Gewichtsverlust in drei Wochen verspricht. Man denkt, ok, drei Wochen sind keine lange Zeit. Ich versuche es. Vor allem, wenn es gratis ist. Schon beim Onboarding optimieren unsere Nutzer ihr Flow-Erlebnis. Es wird visualisiert, wie gut Flow auf sie abgestimmt ist. Im Laufe der Zeit wird es erkennbar besser. Immer wenn der Nutzer mit uns interagiert – also Songs oder Listen liked. Wir denken auch darüber nach, die Flow-Funktion erst freizuschalten, wenn die Hörer bei 50 oder 60 Prozent der Funktionalität angekommen sind. Wie bei einem Social Game. Das ist eine riskante Strategie. Aber es macht einfach viel mehr Spaß! Wir kämpfen gegen Apple und Spotify. Das sind keine kleinen Gegner.

Vielen Dank für das Gespräch, Golan.

Foto: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von jetheriot