CEO_Postando

Der 28-jährige Johannes Duttenhöfer fährt karrieretechnisch zweigleisig.

Bis das eigene Startup genug abwirft, um davon leben zu können, arbeiten manche Gründer in ihren regulären Jobs weiter – zumindest in Teilzeit. Alles auf eine Karte zu setzen ist nichts für jedermann.

Auch Johannes Duttenhöfer hat ein Startup gegründet, ohne dafür seinen normalen Job aufzugeben. In Teilzeit ist der 28-Jährige dort allerdings nicht beschäftigt. Im Gegenteil: Zwölf Stunden und mehr verbringt Duttenhöfer täglich unter der Woche an seinem „klassischen“ Arbeitsplatz. Seit 2010 arbeitet er als Investmentbanker im Aktiengeschäft bei Goldman Sachs in Frankfurt, berät institutionelle Investoren bei der Selektion von Aktien. Abends und am Wochenende managt er gemeinsam mit zwei Mitgründern sein Startup – den Frankfurter Postkarten-Versender Postando.

Anzeige
Dass Duttenhöfer beide Unternehmen unter einen Hut kriege, liege an seinem Arbeitsrhythmus: Spätestens um halb sieben in der Früh stehe er bei Goldman Sachs auf der Matte und arbeite dann bis 19 Uhr durch. Ein paar Stunden für sein Startup blieben ihm danach trotzdem: „Ich habe Glück, dass ich ein chronischer Wenigschläfer bin, pro Nacht brauche ich nur vier bis fünf Stunden Schlaf.“ Damit die Motivation dabei nicht auf der Strecke bleibt, müsse er sich ständig selbst ermahnen, sich nur auf das Wesentliche zu konzentrieren, erzählt er. Der Faktor Zeit sei nun mal eine limitierende Stellschraube.

Das Private wolle er trotzdem nicht aus den Augen verlieren. Was seine Zeiteinteilung betreffe, sei seine Frau glücklicherweise verständnisvoll, so Duttenhöfer. „Sie weiß, dass ich in die Sachen, an denen ich arbeite, viel Elan stecke, und hilft mir, wo sie kann.“

„Ich will, dass meine Kinder eines Tages noch Postkarten verschicken“

In der Schule übersprang Duttenhöfer zwei Klassen, machte das Abitur mit 17 und startete nach dem Zivildienst das BWL-Studium. Im Anschluss ging er direkt zu Goldman Sachs. Und jetzt ein Postkarten-Startup: Wie passt das in diesen Lebenslauf?

Die Idee entstand 2015 während eines Urlaubs auf Bali, erzählt er. Seine Frau habe von dort Karten verschicken wollen, aber weder ein vernünftiges Motiv noch Briefmarken oder einen Briefkasten gefunden. Schließlich habe das Paar die Karten doch noch abgeben können, allerdings sei am Ende nur ein Teil davon in Deutschland angekommen. „Ich habe mir gedacht, das muss doch cooler gehen“, so Duttenhöfer. Zurück zuhause habe er sich mit seinen späteren Mitgründern die Apps der Konkurrenz heruntergeladen und befand, dass diese nicht besonders bedienungsfreundlich waren. „Das wollten wir besser machen.“

Postando

So sieht es in der Postando-App aus.

Die Postando GmbH gründeten die drei Mitte 2016. Mit ihrer App können Nutzer auf dem Smartphone eigene Post- oder Grußkarten erstellen und weltweit für knapp zwei Euro verschicken – in echte Briefkäsen. Gedruckt, frankiert und verschickt werden die Karten per Hand täglich vom Frankfurter Postando-Büro aus.

Sind Postkarten in Zeiten von WhatsApp, Instagram und Snapchat also doch nicht ausgestorben? „Ich will erreichen, dass auch meine Kinder eines Tages noch Postkarten verschicken“, so der Gründer. Die emotionale Bindung sei einfach viel größer als bei Facebook und Co. Außerdem sei es immer schön, etwas anderes als Rechnungen im Briefkasten zu haben.

Bisher finanzieren Duttenhöfer und seine Mitgründer ihr Startup aus eigener Tasche. Man wolle so lange wie möglich organisch wachsen – und demnächst profitabel sein. Das klingt ambitioniert, denn an Postkarten-Services mangelt es in den App-Stores ganz und gar nicht. MyPostcard oder Touchnote sind da nur zwei Beispiele von vielen. Größere Marketing-Maßnahmen, um Postando bekannter zu machen, würden deshalb demnächst starten, sagt Duttenhöfer.

Ob sich der Gründer vorstellen könne, bald nur noch für sein Startup zu arbeiten? „Sag niemals nie“, so Duttenhöfer. „Generell würde ich einen Job, der mir viel Spaß macht und eine gute Reputation hat, nur ungern an den Nagel hängen. Aber ich liebe unsere Idee und unser Unternehmen. Einen Vollzeit-Einstieg ins Startup würde ich also nicht ausschließen.“ Erstmal soll aber alles so weitergehen wie bisher. Das funktioniert ja offenbar – auch mit wenig Schlaf.

Bild: Postando; Bild im Artikel: Screenshot