Die 2009 von den Brüdern Kai und Christian Wawrzinek gegründete Spieleschmiede Goodgame Studios ist weiterhin auf Wachstumskurs. Im vergangenen Jahr konnte das Hamburger Unternehmen seine Umsätze im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppeln – die Zeichen stehen auch weiterhin auf Wachstum. Die Gründerszene Jobbörse sprach mit Goodgames Head of HR and Talent Acquisition, Ina Bourmer, über die Herausforderungen des Teamausbaus, das hauseigene Onboarding Team und ihre eigenen Zockergewohnheiten.

Wer bist du und welche Position hast du bei Goodgame inne?

Mein Name ist Ina Bourmer. Ich bin als Head of HR and Talent Acquisition bei Goodgame Studios tätig.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen mittlerweile an welchen Standorten?

Wir beschäftigen momentan mehr als 1200 Mitarbeiter in Hamburg. Unsere zwei Standorte befinden sich beide im Stadtteil Bahrenfeld. Außerdem besitzen wir zwei weitere Repräsentanzen in Tokio, Japan und Seoul, Korea, um von dort aus die asiatischen Märkte zu betreuen.

Woher kommen eure User? Und was wisst ihr sonst noch über sie?

Unsere Spielergemeinschaft kommt aus allen Ländern der Welt. Die größten Märkte sind Brasilien, Deutschland und die USA, und ein paar vereinzelte Spieler kommen sogar aus Nauru und Eritrea. Geschlecht und Alter sind sehr unterschiedlich und richten sich nach dem jeweiligen Spiel. Wir haben allgemein eine sehr breite Zielgruppe und zählen mittlerweile gut 270 Millionen registrierte User. Jeden Tag kommen mehr als 200.000 neue Spieler hinzu.

Wie schafft ihr es, das starke Wachstum zu bewältigen? Wie passt ihr beispielsweise Teamstrukturen an?

Da wir seit unserer Gründung 2009 konstant und schnell gewachsen sind, haben wir uns schon immer stark darauf fokussiert, unser Geschäftsmodell kontinuierlich zu optimieren. Hierbei ist es uns sehr wichtig, unsere Agilität und Startup-Kultur auch bei unserer jetzigen Größe zu bewahren. Deshalb haben wir kürzlich eine neue Studio-Struktur aufgebaut, was bedeutet, dass es nun einzelne Entwicklungseinheiten gibt, die komplett autark arbeiten können. Damit haben wir unsere Effizienz in der Weiterentwicklung bestehender Produkte und der Kreation neuer Spiele enorm gesteigert und werden noch in diesem Jahr neue Titel auf den Markt bringen.

Welche neuen Anforderungen ergeben sich aus dieser Neuaufteilung für euer Recruiting?

Im Recruiting konzentrieren wir uns momentan stark auf den Aufbau der einzelnen Entwicklungsteams und die Anforderungen sind von Studio zu Studio sehr unterschiedlich. Wir suchen vor allen Dingen erfahrene Game- und Mobile-Experten und unsere offenen Stellen erstrecken sich vom klassischen Client Developer, über 3D Artists bis hin zu erfahrenen User Experience Designern. Im Allgemeinen achten wir darauf, dass wir in jedem Team die richtige Mischung aus Talenten haben, denn um tolle Spiele zu produzieren braucht es sowohl kreative Querdenker als auch sehr analytisch denkende Zahlenmenschen.

Und mit Hilfe welcher Maßnahmen wollt ihr diese neuen Herausforderungen meistern?

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Wir bekommen großartige Unterstützung von unserem Onboarding Team, denn viele Experten sitzen in den USA und ziehen für den Job bei Goodgame Studios nach Deutschland. Das Team hilft ihnen und ihren Familien bei allen organisatorischen Hürden und erleichtert ihnen den Umzug wo auch immer es geht. Als weitere Maßnahme haben wir ein sehr proaktives Sourcing Team, das interessante Kandidaten direkt anspricht. Ein großer Vorteil ist außerdem, dass bereits viele erfahrene und gut vernetzte Leute aus der Gaming Branche bei uns arbeiten und wir deshalb oft sehr gute Empfehlungen von Mitarbeitern bekommen.

Zuletzt habt ihr vor wenigen Wochen die neunköpfige Belegschaft von MobileBits übernommen. Wie läuft’s bisher?

Wir freuen uns sehr, dass das Team von MobileBits nun unser neugegründetes RPG Studio unterstützt. Die Expertise des Teams wird bei der Entwicklung unseres ersten Role-Playing-Games von großem Vorteil sein, und wir sind sehr gespannt auf die ersten Prototypen. Auch das RPG Studio befindet sich weiter im Aufbau und soll bis Ende des Jahres auf 50 Mitarbeiter wachsen. Wir sind erprobt darin, neue Mitarbeiter in das Unternehmen zu integrieren.

Wie sehen denn bei euch Onboarding-Prozesse generell aus? Gibt es bestimmte Rituale, die auf die Integration neuer Team-Mitglieder abzielen?

Unser Onboarding Team ist darauf spezialisiert, neuen Mitarbeitern den Einstieg in das Unternehmen so leicht für möglich zu machen. Da wir mittlerweile Kollegen aus mehr als 60 Nationen haben und stark international rekrutieren, richten sich viele unserer Leistungen an Mitarbeiter, die aus dem Ausland nach Hamburg ziehen. Die Betreuung beginnt in der Regel schon vor der Vertragsunterzeichnung und richtet sich komplett nach den individuellen Bedürfnissen der jeweiligen Person. Dazu können Behördengänge zählen, wie zum Beispiel die Beantragung eines Visums, oder auch Unterstützung bei der Wohnungssuche, was auch bei Mitarbeitern aus Deutschland häufig gefragt wird. Generell helfen wir bei allen Alltagshürden wie der Eröffnung eines Kontos, der Suche einer geeigneten Schule oder Kita und bei vielem mehr. Dadurch kann das Team schon vor dem Arbeitsstart viele Hürden aus dem Weg räumen.

Zusätzlich gibt es eine Reihe an internen Events, die das gegenseitige Kennenlernen unter Goodgamern fördern. An den ersten Arbeitstagen geht es mit einer Willkommensveranstaltung inklusive Starters Lunch los. Hier können sich neue Kollegen untereinander austauschen und über die eigene Abteilung hinaus Kontakte knüpfen. Weitere Veranstaltungen finden das ganze Jahr über speziell für internationale Kollegen und ihre Familien statt. Natürlich bieten wir auch Sprachkurse an, die die Integration erleichtern sollen. Jedem Mitarbeiter wird zudem ein Kollege als „Buddy“ zugeteilt, der ihn bei allen Fragen unterstützt. Unser Ziel ist es, allen neuen Mitarbeitern ein Rundum-Sorglos-Paket zu bieten, sodass sie sich vom ersten Tag an bei uns wohl fühlen.

Bis 2020 soll Goodgame zu den weltweit führenden Spieleentwicklern gehören – was sind hierfür die wichtigsten Zutaten?

Die Grundzutat für unseren Erfolg ist unser Team, denn nur ein Top-Team kreiert Top-Produkte und führt ein Unternehmen an die Marktspitze. Deshalb liegt unser Fokus seit jeher stark auf Recruiting und Personalentwicklung, denn wir wollen auch zukünftig die besten Talente ins Boot holen und vor allem unseren bestehenden Mitarbeitern weitere Karrieremöglichkeiten bieten.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist unser analytisch-wissenschaftlicher Ansatz, der für ein Spieleunternehmen recht ungewöhnlich ist. Wir arbeiten sehr zahlenbasiert und sind dadurch unabhängig von viralen Zufallserfolgen. Außerdem sind wir sehr global aufgestellt und haben somit einen sehr großen Markt. Wir haben uns das Ziel gesetzt, auf allen Märkten so gut zu sein wie in unserem Heimatland. Als letzter Punkt spielt unsere nachhaltige Herangehensweise eine wichtige Rolle. In unserer Geschäftsstrategie geht es uns um gesundes Wachstum im finanziellen wie personellen Bereich, deshalb setzen wir auf langfristige Ziele und Erfolge.

Und jetzt mal ehrlich: Zockst du hin und wieder auch mal ein Spiel aus eurem Hause?

Ich gehöre nicht zur typischen Zielgruppe unserer bisherigen Spiele, durfte aber bereits unser neues Puzzler-Spiel ausprobieren, von dem ich total begeistert bin.

Ina, vielen Dank für das Gespräch.


Foto: Goodgame Studios