Google

Pool und Kletterwand, aber auch „dumme“ Arbeiten

Der US-Techriese Google hat sich schon immer gerne als wohlwollender Arbeitgeber präsentiert: eigene Projekte an einem Tag in der Woche, Vorträge von berühmten (Tech-)Persönlichkeiten, viel Entertainment, gute Bezahlung. Die 767 Millionen Euro teuren Google-Büros in London sollen ab 2016 mit Pool und Kletterwand ausgestattet werden, wie t3n unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters gerade berichtet. Ist die Arbeit beim Suchmaschinenbetreiber also das Paradies auf Erden?

Nicht unbedingt, wenn man den Kommentaren in diesem Quora-Thread glaubt. Dieser wird derzeit von früheren Google-Mitarbeitern benutzt, um sich einmal Luft zu machen, was die Arbeitsbedingungen bei dem US-Konzern angeht. Die knackigsten Punkte hat Business Insider hervorgekramt.

Fast alle sind überqualifiziert

Das Schlimmste an der Arbeit bei Google sei für viele, dass sie überqualifiziert sind für die Tätigkeiten, die sie zu erledigen haben. „Google hat sehr anspruchsvolle Einstellungskriterien aufgrund der starken Marke, der unterschiedlichen Annehmlichkeiten und der positiven Arbeitskultur. Das führt dazu, dass sie die in den jeweiligen Bereichen besten Kandidaten einstellen können, auch für wenig anspruchsvolle Arbeiten“, heißt es bei Quora.

„Es gibt Studenten von den Top-10-Unis, die den Tech-Support für Googles Werbeprodukte machen, händisch geflaggte Youtube-Videos löschen oder simplen A/B-Code schreiben um die Farbe eines Buttons auf einer Seite zu testen“, schreibt ein anderer Ex-Beschäftigter.

Längst kein Startup-Flair mehr

Das wofür Google sich lange Zeit rühmte – Startup-Flair trotz vieler tausend Angestellten – ist für einige der Kommentatoren ebenfalls passé. „Stattdessen gab es richtige Büro-Grabenkämpfe. Man konnte leicht befördert werden, wenn man an den richtige Projekten arbeitete und seine Arbeit auf die richtige Art hervorhob“, schreibt einer der Kommentatoren. Ein anderer zielt in die gleiche Richtung: „Sachliche Diskussionen sind sehr selten, weil jeder sein Territorium verteidigen will und sich nicht für die Meinungen anderer interessiert – solange die nicht irgendwelche ‚Wichtigen Götter‘ sind.“

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Mittlerweile sei Google so groß, dass Einzelne längst keinen fühlbaren Effekt mehr auf das große Ganze haben. „Solange man keine Ausnahmeentwickler ist, der etwas Neues ausprobieren darf, ist man nur damit beschäftigt, die Maschinerie am Laufen zu halten.“

Schuld daran sei insbesondere das mittlere Management. Das schreibt zumindest einer der Kommentatoren. Dort sei man viel zu sehr auf Zahlen gepolt und blende alle anderen Faktoren aus: „Sie wollen das Boot nicht rocken, sie wissen nicht, wie man Mitarbeiter inspiriert, und sie verlassen sich viel zu sehr auf den Markennamen Google und seine Reputation.“

Google versteht Softwareentwicklung, aber nicht Design

„Es gibt nicht genug Fokus auf die Produkte und ihr Design“, schreibt ein weiterer Ex-Googler. Das habe zu einer ganzen Masse an eingestellten oder nur wenig erfolgreichen Produkten wie Wave, Google Video, Buzz, Dodgeball, Orkut, Knol und Friend Connect geführt. Der Fokus allein auf die Entwicklung nehme Überhand, heißt es weiter.

Obendrein seien die Büros meist zu klein. „Es kommt nicht selten vor, dass drei oder vier Mitarbeiter in einem einzelnen Cube arbeiten oder mehrere Manager sich ein Büro teilen. Bei all den offenen Arealen für’s Essen, Spiele, TV, Tech Talks etc. ist oft überraschend schwer, eine ruhige Ecke zu finden.“

Werden Versprechen nicht eingehalten?

Wer bei Google anfangen will, sollte sich zudem alles schriftlich geben lassen, warnt ein Kommentator. „Verhandelt hart, stellt Eure Forderungen, und stellt sicher, dass ihr ALLES schriftlich habt. Google macht oft vage Versprechungen und hält diese dann nicht ein.“

Auch über zu viel Ablenkung beschwert man sich. Klar, Aquarien seien schön anzusehen. Aber schnell sei die Arbeitszeit damit verplempert, „den Fischen dabei zuzusehen, wie sie fischige Sachen machen“. Es habe beim schweizerischen Standort in Zürich mehr als 100 Mails gegeben, als die Massagestühle abgebaut wurden, weil deren Geräusche „die Leute vom Schlafen abgehalten haben“.

Unreife Unternehmenskultur, keine Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten, oder auch herablassendes Verhalten von Festangestellten gegenüber Zeitarbeitern – die Bandbreite der Vorwürfe ist hoch. Das Urteil darüber, wie schwerwiegend oder absurd die Meckerei gegen den Suchmaschinenriesen sein mag, muss derweil jeder für sich selbst fällen.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Robert Scoble