„Google ist den extrem logischen Weg unserer Zeit gegangen“, sagt die Publizistin Marina Weisband

Für die Nutzer der klassischen Medien war es ein Google-Alphabet-Wochenende. Erst flatterte der Spiegel mit einer Aufmachergeschichte über „Mensch sein im Google-Zeitalter“ auf den Tisch. Und am Sonntag wurde das Thema ausführlich im Presseclub der ARD diskutiert. Und danach natürlich in den Netzwerken.

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Der Spiegel-Geschichte merkte man das Bemühen an, den Digitalriesen nicht einfach nur als das personifizierte Böse darzustellen. Zwischen all den Erklärungen, wie unser Leben in Zukunft von Daten durchdrungen und bestimmt wird, klang auch hin und wieder an, dass das nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss. Manchmal fühlte sich das das an, wie nachträglich hineinredigiert. Aber immerhin. Im Vorspann gibt der Spiegel dann aber seine Zurückhaltung auf und textet lieber in die altbewährte Richtung: „Konzerne wie Alphabet steuern uns. Ist der Mensch zur Ohnmacht verurteilt – oder kann er das Humane neu erfinden?“

Ob es eine gute Idee ist, eine mit der philosophischen Zeile „Wie ich ich bleibe“ verkaufte Geschichte ausgerechnet mit einer Grafik zum Online-Dating aufzumachen, sei dahingestellt. Ein paar Seiten weiter lesen wir dann eine Schauergeschichte über das Darknet. Drogen, Gewalt, Kinderpornografie. Nicht, dass noch jemand auf den Gedanken kommt, das Internet sei edel, hilfreich und gut.

Die Überraschung folgte am Sonntag – im Fernsehen. Falls das noch jemand schaut. Im Presseclub waren Miriam Meckel, Chefredakteurin der Wirtschaftswoche, die Publizistin Marina Weisband, der Blogger Mario Sixtus und der Journalist Philip Banse zu Gast. Und der Sound dieser Runde muss viele Zuschauer verstört haben. Hier wurde nicht die übliche Drohkulisse aufgebaut, im Gegenteil. Meckel sprach in Zusammenhang mit der neuen Holding-Struktur von Alphabet/Google von einer „Blaupause“ für die deutsche Wirtschaft.

In vielen Wortbeiträgen wurde deutlich, dass Google einfach sehr viel richtig macht, wenn es um die Organisation, das Management und die zukünftige Ausrichtung der Geschäftsmodelle geht. Im Gegensatz zur deutschen Wirtschaft, die in den meisten Fällen auf ihre alten Geschäftsmodelle vertraut. Es wurde deutlich, warum das Geschäft der Zukunft mit Daten gemacht wird und warum wir in Deutschland deshalb ein Problem haben. Weisband: „Google ist den extrem logischen Weg unserer Zeit gegangen.“

Hier die Sendung zum Nachschauen. Es lohnt sich:

Foto: Presseclub /Youtube