Juston Payne, Product Manager for Google Clips at Google Inc., introduces the new Google Pixel Buds at a product launch event on October 4, 2017 at the SFJAZZ Center in San Francisco, California. Google unveiled newly designed versions of its Pixel smartphone, the highlight of a refreshed line of devices which are part of the tech giant's efforts to boost its presence against hardware rivals. / AFP PHOTO / Elijah Nouvelage (Photo credit should read ELIJAH NOUVELAGE/AFP/Getty Images)

Die Präsentation der neuen Google-Kopfhörer, die 40 Sprachen übersetzen sollen.

Google hat am Mittwoch mit einer Ankündigung für Aufsehen gesorgt. Der Internetriese stellte bei seiner Herbstpräsentation mehrere neue Produkte vor, gegen aber Ende kam die Überraschung: Der Konzern zeigte seine neuen Kopfhörer „Pixel Buds“, die 40 Sprachen in Echtzeit übersetzen können sollen. „Es ist so, als hättest du einen persönlichen Übersetzer an deiner Seite“, wirbt Juston Payne, Google-Produktmanager im Hardwarebereich.

Viele Hersteller haben solche Übersetzer bereits versprochen – doch die Revolution der Kommunikation blieb bisher aus. Gelingt Google nun der große Schritt?

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Seit Jahren arbeitet der Konzern an seiner Übersetzungssoftware Google Translate, die noch immer zu Wünschen übrig lässt. Trotzdem dürfte Google gerade jungen Startups noch einiges voraushaben. Zumindest beim Test der Pixel Buds auf der Bühne läuft die Übersetzung vom Schwedischen ins Englische reibungslos. Wie gut das Ganze aber in der Realität funktionieren wird, bleibt aber vorerst offen.

Dennoch bringt Google mit dem Produktlaunch ein viel gehyptes Startup in Erklärungsnot. Waverly Labs aus New York sammelte im Sommer 2016 per Crowdfunding über Indiegogo fast 4,5 Millionen Dollar für seine Übersetzer-Kopfhörer „The Pilot“ ein. Beinahe 20.000 Unterstützer beteiligten sich an der Kampagne. Doch es folgte eine Geschichte, wie sie Schwarm-finanzierte Hardwarestartups so oft ereilt: Verspätungen und erboste Geldgeber. Eigentlich sollten die Kopfhörer bereits ausgeliefert sein, im Oktober soll nun aber erst die Beta-Phase mit wenigen ausgewählten Nutzern starten. Mehrere wütende Unterstützer beschimpfen die Macher in den Kommentaren unter der Kampagne bereits als „Lügner“ und „Betrüger“ und fordern ihr Geld zurück.

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The Pilot von Wavery Labs

Google war schneller als so manche Wettbewerber

Durch Googles Launch steigt der Druck auf Waverly Labs weiter. Nicht nur scheint Googles Übersetzer schneller zu sein, er ist auch günstiger. Die Pixel Buds gibt es für 159 US-Dollar, während The Pilot für 249 bis 299 Dollar vorbestellt werden kann. Außerdem soll Googles Produkt 25 Sprachen mehr beherrschen als The Pilot. Für Waverly Labs könnte die mächtige Konkurrenz also zu einem bedrohlichen Problem werden. Auf eine Anfrage von Gründerszene antwortete das Startup bisher nicht.

Google kommt nicht nur Waverly Labs zuvor: Verschiedene Hersteller planen, ihre In-Ear-Übersetzer in den nächsten Monaten zu launchen, wie Cnet zusammengestellt hat. The Ili aus Japan soll beispielsweise schon im November versendet werden, das australische Lingmo wird für Dezember erwartet. Das Münchner Startup Bragi bietet bereits Ear Plugs für 600 Dollar an, die 40 Sprachen übersetzen sollen – allerdings sind sie bisher nur in den USA und Kanada verfügbar. Die Google-Stöpsel gibt es ab November in Deutschland für 180 Euro.

Für „WT2“ des chinesischen Startups Timekettle läuft außerdem gerade ein Crowdfunding auf Kickstarter, das sein Ziel bereits überschritten hat. 790 Finanziers haben etwa 130.000 US-Dollar für die Kopfhörer gegeben, die Anfang 2018 verschickt werden sollen. Doch einige Unterstützer äußern nun Zweifel. „Ich denke, Google hätte euch bereits aufgekauft, wenn ihr besser wäret“, schreibt einer.

Und weiter: „Ich bin sicher, dass ihr bereits fieberhaft an einem Vergleichspitch arbeitet.“ Ob der aber Google noch abhängen könnte?

Zumindest Nutzer von Apples Hardware dürften noch auf ein funktionsfähiges Paar Übersetzer-Ohrstöpsel hoffen, das mit iOS kompatibel ist.

Die Präsentation der Pixel Buds von Juston Payne bei der Google-Veranstaltung:


Bild: ELIJAH NOUVELAGE / Getty; Der Artikel wurde nachträglich erweitert.