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Wer wurde nicht schon alles als potenzieller SoundCloud-Käufer gehandelt: Twitter, Spotify – und jetzt offenbar Google. Das Branchenportal Music Business Worldwide (MBW) zumindest berichtet von „Gerüchten auf höchster Ebene“, wonach der Tech-Gigant aus dem Silicon Valley an einer Übernahme des schwächelnden Berliner Startups interessiert sein soll. Als Quelle nennt das Portal „Insider aus der Musikindustrie“, konkretere Belege für die Vorgänge gibt es nicht.

Gerüchte um eine SoundCloud-Übernahme kursieren schon seit Jahren. 2014 soll Twitter an einem Kauf interessiert gewesen sein, dann aber wegen ungeklärter Rechtefragen einen Rückzieher gemacht haben (im Sommer investierte Twitter schließlich im Rahmen der Serie E). Vergangenes Jahr hieß es, die SoundCloud-Gesellschafter – allen voran die britische Private-Equity-Firma Doughty Hanson – seien auf Käufersuche. Allerdings habe man sich mit Preisvorstellungen von einer Milliarde US-Dollar deutlich verschätzt. Und schließlich kamen im Herbst Berichte auf, wonach der schwedische Hauptkonkurrent Spotify über eine Übernahme verhandle (und zwar zum bereits dritten Mal in zwei Jahren). Auch diese Gespräche sollen gescheitert sein – an den Preisvorstellungen und den Plänen von Spotify-Chef Daniel Ek, der sein Unternehmen lieber für einen möglichen IPO aufhübschen wollte.

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Statt einer Milliarde Dollar stehe bei den Gesprächen mit Google nun ein Kaufpreis von nur 500 Millionen US-Dollar im Raum, zitiert MBW die Branchenquelle. Auch hierfür gibt es keinen Beleg, realistisch dürfte die Preisvorstellung aber sein – auch wenn sie hart ist für die Berliner, die bei ihren letzten beiden Finanzierungsrunden noch mit 700 Millionen bewertet worden waren.

Aber bei SoundCloud liegt zu viel im Argen, als dass irgendein potenzieller Käufer bereit wäre, auf künftige Einnahmen mit einer deutlich höheren Bewertung zu wetten. Zwar hat das Unternehmen seit 2016 endlich Vereinbarungen mit allen wichtigen Partnern aus der Musikindustrie (und, wie Gründerszene vergangene Woche exklusiv berichtete, die drei Major Labels auch als Gesellschafter an Bord) – aber wie gut sich der kostenpflichtige Premiumdienst SoundCloud Go entwickelt, der dank der Lizenz-Deals endlich gestartet werden konnte und der Hoffnungsträger auf der Einnahmenseite ist, das ist nicht klar.

Auch gegenüber Gründerszene wollte CEO Alex Ljung vor wenigen Wochen keine Zahlen zu Go-Nutzern verraten. Der Branchenanalyst Mark Mulligan hat nun bei Bloomberg Businessweek eine äußert triste Einschätzung geäußert: Nach seinen Schätzungen hätten sich weniger als 250.000 Menschen für den Dienst angemeldet. Das wäre eine desaströse Zahl. Zum Vergleich: Bei Spotify zahlen 40 Millionen Nutzer für die Premiumversion, bei Apple Music 20 Millionen.

SoundCloud war mit Go spät dran im umkämpften Streaming-Markt – das bekommt das Unternehmen nun zu spüren. Wie Bloomberg weiter berichtet, sollen bei den Berlinern schon 2014 fertige Pläne für ein Premium-Abo mit dem Kampfpreis von vier Dollar in der Schublade gelegen haben. Weil Lizenz-Deals mit den wichtigsten Plattenfirmen aber über Jahre nicht gelangen (wessen Schuld das ist, bleibt unklar), konnte der Dienst nicht starten. Als der Launch im März endlich erfolgen konnte, war ein Preis von vier Dollar nicht mehr finanzierbar. Mit den zehn Dollar, die SoundCloud heute verlangt, kostet Go ähnlich viel wie quasi alle Wettbewerber. Dafür ist der Katalog von Premium-Songs mit etwa 10 bis 15 Millionen Tracks nur halb so groß wie bei der Konkurrenz.

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