Gramofon Fon Cloud Musik Streaming

Ein Netzwerk-Musikplayer als „moderne Jukebox“

Martin Varsavsky ist einer dieser Seriengründer, für den Stillstand ein Fremdwort zu sein scheint. Das neueste Projekt des sonst vor allem im Telekommunikationsbereich aktiven Gründers aus Argentinien ist nun eine „moderne Jukebox“, die den Namen Gramofon trägt und Musikapps mit der heimischen Stereoanlage verbinden soll. Der kleine, in den Farben schwarz und weiß, erhältliche Würfel wird an die Stereoanlage angeschlossen und mit dem Internet verbunden.

Anschließend dient das eigene Smartphone als Fernbedienung und setzt Gramofon als Abspielstation ein. Auch andere Nutzer können sich mit Facebook einloggen und das Gerät eines Freundes nutzen, sodass Gramofon in der Tat ein gewisses Jukebox-Element beim Musikhören aufweist. Denn die Bedienung ist simpel: Neben einer eigenen Gramofon-App kann auch mit der Spotify-App Musik gesendet werden, wobei nicht etwa auf Bluetooth, sondern W-LAN als Übertragungsweg zurückgegriffen wird.

Zu erstehen ist Gramofon derzeit nur im Rahmen einer 30-tägigen Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter, wo eine weiße Einheit zunächst 30 Dollar, eine schwarze 40 US-Dollar kosten wird – später sollen die Preise auf 60 und 80 Dollar angehoben werden. Damit ist Gramofon deutlich billiger als andere Netzwerk-Musikplayer wie etwa Sonos Connect, Logitech Squeezebox, Teufel Raumfeld oder Bose SoundTouch, die mit Kosten zwischen 200 und 350 Euro zu Buche schlagen, oft aber auch Boxenelemente mitbringen. Auch Beep bastelt an einem ähnlichen Service.

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Freilich sind auch simplere Eigenbauten mit dem Google Chromecast (erhältlich für 35 Euro) oder Apples Airport Express (Kosten von rund 90 Euro) denkbare Alternativen. Gramofon rangiert zwischen eher teuren Qualitätsangeboten und vergleichsweise günstigen Plug-and-Play-Angeboten. In Verbindung mit seiner intuitiven Benutzung könnten also durchaus einige Musikfans dem neuen Produkt verfallen, wobei es aber vor allem der W-LAN-Aspekt sein dürfte, der für Fon zum strategischen Hebel wird.

Netzwerkeffekte zwischen Musik und Hotspot

Denn seinen eigentlichen strategischen Winkel zur Unterstützung von Varsavskys Hauptgründung Fon offenbart Gramofon beim Blick auf seine Technologie: Nicht nur, dass Gramofon jedes Musiksystem in einen Cloud-Musikplayer verwandelt, stellt das Gerät auch einen voll funktionsfähigen WLAN-Hotspot dar und passt sich damit in die Produktlinie von Fon ein. Das 2006 in Madrid gegründete Unternehmen basiert auf einem Community-Ansatz, bei dem die Mitglieder über WLAN Zugriff auf das Internet erhalten und entweder dafür bezahlen oder aber einen Teil ihrer eigenen WLAN-Bandbreite anderen zur Verfügung stellen.

Ein FonSpot besteht also aus einem Signal für private Internetverbindungen und einem zweiten für die öffentlichen Verbindungen der Mitglieder und Gastnutzer. Alle FonSpots verbinden sich so zu einem weltweiten und kostenlosen Netz nach dem Crowdsourcing-Prinzip. Der Clou nun bei Gramofon: Mit dem Kauf eines Gramofon-Players wird der Besitzer ebenfalls Mitglied der Fon-Community und kann die WLAN-Leistungen des Unternehmens nutzen. Angesichts des populären Musikgeschäfts eine Strategieerweiterung, die Fon neue Zielgruppen erschließen könnte und durch die Kickstarter-Kampagne auch ein gewisses Werbepotenzial bereit hält.

Ob ein kostenloser W-LAN-Anschluss viele Käufer überzeugt, wird sich zeigen müssen, schon jetzt partizipieren aber 13 Millionen Hotspots am Netzwerk von Fon und der Zusatzservice in Verbindung mit dem niedrigen Preis und dem ansprechenden Design könnte durchaus ein Zusatzargument für Musikliebhaber sein. Und es scheint als würde Fon, welches selbst bereits durch renommierte Geldgeber wie Sequoia, Index, Google oder Atomico unterstützt wird, die Musiksparte wirklich strategisch erschließen:

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Erst im Januar dieses Jahres nahm das Unternehmen von Varsavsky 14 Millionen US-Dollar durch den VC-Arm von Qualcomm Atheros auf, einem Chiphersteller, dessen Produkte bei Gramofon zum Einsatz kommen und der im Gegenzug auch die Einbindung der Fon-Funktionalität in Router-Hardware durch ein entsprechendes Feature erleichtert. Gelingt das Gramofon-Experiment, verbindet sich mit Fons Produktwelt also eine neue Funktionalität und die Nutzerbindung wird erhöht. Ob dies gelingen kann, lässt sich dann vielleicht schon anhand der Kickstarter-Kampagne ablesen.

Bild: Fon