Alex von Harsdorf Groupify

Groupify-Gründer Alex von Harsdorf

Shopping findet im Internet immer allein statt. Durch das Startup Groupify aus Berlin könnte sich das jetzt ändern. Die Software von Gründer Alex von Harsdorf ermöglicht aber nicht nur das gemeinsame Shoppen im Netz. Kunden, die ihre Freunde zu einem Onlineshop einladen, sollen dadurch Versandkosten sparen können und Rabatte erhalten.

Der 30-Jährige gründete die Groupify GmbH gemeinsam mit den beiden Entwicklern Armin Gattung und Fabian Jaxt 2015 in Berlin. Seit Anfang 2017 ist ihr Produkt in einer Beta-Version online, seit Juli auch offiziell. Auf Investoren hat das Dreiergespann bisher verzichtet, auch ins Marketing sei bisher kein Geld geflossen.

Aber das Startup hat Potenzial: Durchschnittlich drei Nutzer generiert ein Webshop durch die Groupify-Einbindung pro Checkout, so das Unternehmen. Und 41 Prozent aller Einladungen sollen zu einem Kauf führen. Bisher ist Groupify bei neun Partner-Shops integriert, darunter Tickets.de.

Alex, Du bietest gemeinsames Online-Shopping an. Warum sollten Menschen das wollen?

Es gibt verschiedene Szenarien, in denen es sehr sinnvoll ist, Freunde in den Shopping-Prozess mit einzubeziehen. Das können Shopping-Erlebnisse sein, die einen inhaltlichen Austausch haben, es kann um gemeinsame Konzertbesuche oder Essensbestellungen gehen. Selbst beim Thema Fashion könnte es sinnvoll sein, online nicht mehr alleine zu shoppen, sondern sich mit Freunden inhaltlich darüber auszutauschen und zu sehen, wer gerade was shoppt.

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Gibt es auch auch einen finanziellen Anreiz?

Ja, wer gemeinsam mit Freunden shoppt, erreicht schneller große Warenkorbgrößen, für die der Shopbetreiber zum Beispiel bereit ist, die Versandgebühren zu erlassen oder Rabatte auszuloben.

Kaufen Menschen mit Euch Dinge ein, die sie auch vorher offline gemeinsam gekauft haben?

Das hat nicht unbedingt etwas miteinander zu tun. Wir sind besonders im Bereich Ticketing aktiv. Da ist es nicht üblich, dass man gemeinsam in die Vorverkaufsstelle läuft. Natürlich findet unter Freunden trotzdem ein Austausch statt. Aber wir digitalisieren und vereinfachen diesen Prozess.

Was muss ich als Nutzer tun, um durch Eure Software gemeinsam mit Freunden zu shoppen?

Nutzer haben in allen Shops, die Groupify integriert haben, die Möglichkeit, über einen Button Freunde zu ihrer aktuellen Bestellung hinzuzufügen. Sie bekommen dann einen Link, den sie zum Beispiel über einen Messenger an ihre Freunde senden können. Wenn Freunde diesen Link anklicken, dann landen sie in der gleichen Shopping-Gruppe.

Müssen zwei Freunde dafür gleichzeitig im Shop einkaufen oder können auch Tage dazwischen liegen?

Es gibt immer ein Zeitfenster, in dem gemeinsam eingekauft werden muss. Das hängt aber vom Kontext ab. Bei einer gemeinsamen Lunch-Bestellung ergibt es Sinn, wenn alle ihre Wünsche bis 13 Uhr abgegeben haben. Beim gemeinsamen Kauf von Event-Tickets hat die Gruppe drei Tage Zeit. Bei anderen Themen können es aber auch mal sieben Tage oder mehr sein.

Es gibt noch viele andere Themen, wo Menschen normalerweise gemeinsam einkaufen, bei Kinobesuchen zum Beispiel. Ist das für Euch spannend?

Noch sind wir ein Team von drei Leuten, dementsprechend priorisieren wir unsere Themen gerade. Aber Kino-Tickets oder auch beispielsweise Reisen sind für uns ein spannendes Feld.

Und was hat der Shopbetreiber davon, Eure Lösung zu integrieren?

Der Vorteil ist, dass jeder Kunde, den der Shop gewinnt, Folgekunden mitbringt. Wenn Kunden ihre Freunde einladen, machen sie eine authentische Werbung für den Shop. Zudem wissen Shopbetreiber von jedem einzelnen Käufer in der Gruppe, was er bucht. Bei Tickets werden normalerweise zwei bis drei Tickets pro Kunde gebucht, der Shop hat aber nur einen Kundendatensatz. Aber wenn jeder sein eigenes Ticket kauft, dann hat der Shop von jedem Kunden die Daten.

Was ist der Vorteil davon?

Der Shop kann diese Daten dann zum Beispiel für Marketing nutzen. Zudem analysieren wir für den Shop, welcher Kunde andere Menschen am meisten zu einem Kauf gebracht hat. Der Shop kann dann diese sogenannten Influencer speziell mit Marketing ansprechen.

Und wie verdient Ihr mit Eurer Lösung Geld?

Im Ticketing-Bereich nehmen wir von den Betreibern eine transaktionsbasierte Provision an den Ticket-Verkäufen. Im E-Commerce wird es wahrscheinlich eine fixe monatliche Gebühr für eine bestimmte Menge an Buchungen geben.

Ihr seid mit Eurem Produkt gerade offiziell gestartet. Wie wird es bisher angenommen?

Insbesondere bei Festivals und Veranstaltungen mit elektronischer Musik wird Groupify sehr gut angenommen. Bei Genres, wo die Zielgruppe deutlich älter ist, funktioniert es auch mal nicht so gut. Diese Fans besorgen sich ihre Tickets traditionell noch in Vorverkaufsstellen

Finanziert habt Ihr das Startup bisher aus eigenen Mitteln?

Ja, bisher gibt es keine externen Investoren. Am Anfang lief Groupify als Projekt neben meinem normalen Beruf als Musik-Manager. Mittlerweile betreibe ich mein Startup in Vollzeit, aber finanziere mich nach wie vor als Manager. Aber das Ziel ist es, Ende des Jahres davon leben zu können.

Investoren sind nicht spannend für Euch?

Doch, mittlerweile sprechen wir auch mit mehreren Investoren.

Bild: Groupify