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Ein Beitrag von Sebastian Rave, der als Interim-Manager unter anderem dabei half, Glossybox, Scarosso und 8fit zu professionalisieren.

Streit zwischen den Gesellschaftern ist fast immer der Anfang vom Ende. Sobald Meinungsverschiedenheiten auf höchster Ebene feindselig werden, ist es für das operative Team schwierig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – das Geschäft.

Denn operativ kann Streit für die Gründer richtig anstrengend werden. Dann finden Gesellschafterversammlungen nur noch auf Einladung per eingeschriebenen Brief statt und werden vom Notar protokolliert. Streitlustige Gesellschafter können jeden Beschluss anfechten und damit (zumindest vorübergehend) unwirksam machen. Finanzierungsrunden oder wichtige Entscheidungen, für die Gründer die Zustimmung eines Gesellschafters brauchen, werden dadurch monatelang verzögert.

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Dieses Problem ist ohne Geld kaum zu lösen: Die Anteile unliebsamer Gesellschafter können nicht einfach so weit verwässert werden, dass sie überstimmt werden können. Anders als die AG kennt die GmbH auch kein Squeeze-Out-Verfahren, sodass selbst ein Gesellschafter mit 0,1 Prozent Beteiligung allen anderen das Leben zur Hölle machen kann. Bis eine Einziehung von GmbH-Anteilen zulässig wird, muss es ein Gesellschafter schon sehr übertreiben – zum Beispiel durch die Gründung eines direkten Wettbewerbers.

Die bis dahin entstandenen Rechtskosten sind so hoch, dass es sich meistens lohnt, eine problematische Partei rechtzeitig aus dem Startup herauszukaufen. Als letzter Ausweg bleibt sonst nur die Insolvenz. Hier kann womöglich der Insolvenzverwalter die Firma wieder auf den richtigen Weg bringen und die Assets an einen verkleinerten Gesellschafterkreis verkaufen. Das klingt zwar in der Theorie einfach, ist aber ein äußerst heikler Prozess. Denn der Insolvenzverwalter ist verpflichtet (und hat auch ein finanzielles Eigeninteresse daran), an den Höchstbietenden zu verkaufen. Das können weniger finanzstarke Gesellschafter zu ihrem Vorteil nutzen und den Prozess solange hinauszögern, bis das Unternehmen substantiell an Wert verloren hat.

Es gibt natürlich viele Gründe dafür, warum es soweit kommen kann – diese fünf lassen sich aber immer wieder beobachten:

1. Das schwarze Schaf

VCs haben strenge Know-Your-Customer Prozesse, bei denen sie vom Gründer von der Ausweiskopie bis zur Steuererklärung eine Menge privater Informationen fordern. Da sollten Gründer wenigstens Referenzen einholen, bevor sie bei einem Investor unterschreiben. Denn: Es gibt durchaus Hasardeure unter den Business Angels. Nicht selten sind sie selbst Ex-Gründer, die ihr Unternehmen unter fragwürdigen Umständen verkauft haben und ihre Erlöse nun wieder investieren wollen. Deshalb ganz wichtig: Gerade bei Privatinvestoren (aber auch bei VCs) muss man immer ausführliche Referenzen einholen. Es kann schon helfen, vorherige Investments eines Angels zu googlen: Liest man hier über schlechte Stimmung, ist Vorsicht angebracht.

Schwarze Schafe müssen ihrem Ruf noch nicht einmal gerecht werden, um Schaden anzurichten – dazu genügt bereits ihre Präsenz auf der Gesellschafterliste. Manche Angels sind in der Szene derart verbrannt, dass nach oder neben ihnen niemand mehr ins Unternehmen einsteigen möchte. Von ihnen gibt es Absurdes zu berichten: Zusagen werden nicht eingehalten, aus dem Nichts werden Rechnungen für Beratungsleistungen gestellt, Mitarbeiter werden für private Zwecke des Investors eingesetzt, der Gründer soll vom Firmenkonto private Reisen des Investors bezahlen oder die Freundin des Investors muss eingestellt und bezahlt werden.

Kommt es schließlich zum Eklat, liegt die Kernkompetenz dieser Gesellschafter darin, sich ihr Ausscheiden hoch vergüten zu lassen – manche riskieren dabei sogar eine Insolvenz ihrer Beteiligung.

Auch mit namhaften institutionellen Investoren kann es passieren, dass man von einem Investmentmanager betreut wird, der kurzfristige Eigeninteressen über den Erfolg des Unternehmens stellt. Hier kommt es zwar seltener zu Kuriositäten, aber selbst Fonds können zu einer echten Belastung werden, wenn sie glauben, das Tagesgeschäft besser zu verstehen als der Gründer.

2. Schlechte Stimmung schon beim Closing

Was viele Investoren nicht verstanden haben: Sobald sie das Geld an ein Unternehmen überwiesen haben, hängt es ausschließlich vom Gründer ab, ob sie ihr Kapital jemals wieder sehen. Deshalb sollte für jeden Investor gelten: Tue alles, um Gründer bei Laune zu halten.

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Indes machen das selbst professionelle VCs nicht immer. Der Klassiker: Erst ein Term Sheet unterschreiben, die Due Diligence ohne Beanstandungen abschließen und anschließend kurz vor dem Closing grundlos die Bewertung nachverhandeln (am besten noch beim Notar). Das kommt zwar immer wieder vor, geht aber gar nicht. Mangels Alternativen des Startups kommen viele Investoren trotzdem damit durch. Vom Gründer braucht man als Investor dann allerdings nicht mehr zu erwarten, dass der einen fairer behandelt als gesetzlich erfordert.

Dass die Chemie zwischen Gründer und Investor stimmt, ist damit für den Investor mindestens so wichtig wie eine günstige Bewertung. Darauf diplomatisch hinzuweisen ist freilich nicht ganz leicht, kann aber solchen Nachverhandlungen einen Riegel vorschieben.

Titelbild: Philipp Nemenz / Getty

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