Gründer: Viel Arbeitslust, wenig Sicherheitsbedürfnis

Was macht einen guten Gründer aus? Welche Eigenschaften sollte er haben, um erfolgreich ein Team führen und ein Unternehmen aufbauen zu können? Eine Frage, die sich Investoren oder angehende Gründer häufig stellen.

Der Berliner Wirtschaftswissenschaftler David Scheffer hat mit einem selbstentwickelten visuellen Testverfahren namens Visual Questionnaire in den vergangenen zehn Jahren fast 400.000 Persönlichkeitsprofile gesammelt.

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Unter ihnen waren rund 30 Gründer, davon sechs aus dem digitalen Bereich. Sie alle wiesen laut Scheffer ähnliche, von der Norm abweichende Persönlichkeitsmerkmale auf: „Wir haben bei den Gründern gemerkt, dass bestimmte Eigenschaften immer wieder auftauchen“, so der Wissenschaftler, der an der Elmshorner Nordakademie lehrt. „Aber natürlich hängt der Erfolg noch von vielen anderen Faktoren ab. Deswegen scheitern Gründer immer wieder, auch wenn ihr Persönlichkeitsprofil eigentlich gut passt.“

Folgende Eigenschaften wiesen alle untersuchten Gründer auf:

  • Hohes Bedürfnis nach Stimulation und positivem Affekt. Dieses Bedürfnis äußert sich in Form von Vorfreude, Arbeitslust und Zuversicht. Personen mit einem hohen Grad an positivem Affekt überzeugen stärker mit ihrem Auftreten, handeln entschlossener und setzen Vorhaben schneller um als ihre Mitmenschen. Außerdem können sie durch ihre positive Denke sich selbst leichter motivieren.
  • Fehlen von negativem Affekt. Gründer sind demnach nicht so ängstlich und benötigen weniger Sicherheit.
  • Hohe Intuition. Sie erkennen Muster und Zusammenhänge schneller.
  • Rationale Grundeinstellung. Die Einstellung hilft einem Unternehmer, die eigenen Gedanken zu fokussieren und anhand von logischen Analysen Entscheidungen zu treffen.
  • Hohe kognitive Anstrengungsbereitschaft. Gründer können sich demnach immer wieder motivieren und dabei stark anstrengen.
  • Sehr gute Selbststeuerungskompetenz. Gründer kennen sich in vielen Anforderungsbereichen aus und können leichter und schneller Prioritäten setzen und somit ihr eigenen Aufgaben werten und strukturieren.
  • Übereinstimmung von impliziten und expliziten Motiven. Gründer haben also ein sehr hohes Machtmotiv, wollen den Markt beeinflussen und ihr eigenes Reich schaffen.

Scheffer möchte nun mit seinem Marktforschungsunternehmen MassineScheffer weitere Gründer untersuchen, um zu analysieren, ob dieses Profil tatsächlich so weit verbreitet ist, wie es die ersten Ergebnisse nahelegen.

Bild: © panthermedia.net / Kiyoshi Takahase Segundo