Tobias Körner, Vorstandsvorsitzender des Dresdner GründerGarten

Wer sich bereits während des Studiums dafür interessiert, unter die Gründer zu gehen, hat entweder das seltene Glück, an der Uni entsprechende Kurse besuchen zu können – oder muss sich anders auf Inspirationssuche machen. Beispielsweise bei einer studentischen Gründungsinitiative wie dem 2013 an der TU Dresden ins Leben gerufenen GründerGarten. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Gründergeist unter den Studierenden zu wecken und diese etwa durch die Vermittlung wertvoller Kontakte zu unterstützen.

Die Gründerszene Jobbörse sprach mit Vorstand Tobias Körner über optimierungswürdige Lehrpläne, Gründerstammtische und Dresden als Startup-Standort.

Tobias, erzähl doch kurz etwas über dich. Wer bist du und was machst du?

Ich habe Philosophie und Wirtschaftswissenschaften studiert und bin seit kurzem Vorstandsvorsitzender des GründerGarten Dresden, einer studentischen Gründungsinitiative. Außerdem arbeite ich seit einiger Zeit bei der Crowdfunding-Plattform Seedmatch im Bereich Corporate Communications.

Seit wann bist du Teil des GründerGartens? Wieso unterstützt du die Initiative?

Zum GründerGarten bin ich Ende 2013 gekommen, kurz danach wurde die Gruppe als Verein eingetragen. Die Initialzündung für mein Interesse an der Startup-Szene hatte ich während eines Praktikums in Oslo. Danach wollte ich die Szene vor meiner eigenen Haustür besser kennenlernen. Durch Zufall habe ich Plakate für eine Veranstaltung des GründerGartens gesehen, bin hingegangen und war direkt begeistert.

Anzeige
Die Initiative befand sich damals entgegen meiner Erwartung noch im Aufbau, die Strukturen waren nicht manifest und Eigenverantwortung stark gefragt – eine Tugend, die auch heute noch die wichtigste Stütze der ehrenamtlichen Arbeit für den GründerGarten ist. Mir gefiel der Gedanke, hier zusammen mit anderen wirklich etwas aufzubauen, eine Anlaufstelle für gründungsinteressierte Studenten zu gestalten, in der jeder seinen Platz und seine Aufgabe findet. So leiste ich beispielsweise meinen Beitrag, indem ich mich hauptverantwortlich um Public Relations kümmere.

Wie kann der GründerGarten gründungsinteressierten Studenten weiterhelfen?

Wir wollen ein Netzwerk aufbauen, von dem Studenten und Startups gleichermaßen profitieren. Die Studenten bekommen über unsere Events vor allem Einblicke und Kontakte in die lokale Startup-Szene, können in Workshops wichtiges Know-how aus erster Hand bekommen oder unter den Vereinsmitgliedern und Gästen Impulsgeber oder Innovationstreiber für ihre Geschäftsideen finden. Die Startups können für sich und die Szene werben und den Studenten so eine Karriere fernab der etablierten Großkonzerne schmackhaft machen.

Seid ihr einer bestimmte Hochschule angegliedert oder agiert ihr unabhängig?

Wir sind als eingetragene Hochschulgruppe der TU Dresden gestartet, haben aber derzeit unser Büro in der Gründungsschmiede, dem Inkubator der HTW Dresden, und sind offen für alle Studenten in der Stadt. Da die meisten Mitglieder des GründerGartens aber an der TU studieren oder studiert haben, liegt unser Schwerpunkt aktuell dort. Als gemeinnütziger Verein tragen wir uns selbstständig, profitieren aber auf jeden Fall von den Synergieeffekten der verschiedenen Kräfte der Dresdner Szene.

Die Themen Gründung und Entrepreneurship scheinen in vielen Uni-Lehrplänen noch nicht richtig angekommen zu sein und werden oft nur oberflächlich oder konservativ behandelt. Was ist nötig, um diese Herangehensweise zu verjüngen, frischer und realitätsnäher zu machen?

Das Problem sieht man erst auf den zweiten Blick: An den meisten Unis bieten die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten ihren Studenten beispielsweise Businessplan-Seminare, Gründerwettbewerbe oder gar eine Gründungsberatung. Was aber ist mit all den anderen Studenten, in deren Studienordnung Vorlesungen zu Grundlagen der BWL oder anderen gründungsorientierten Lehrveranstaltungen keinen Platz finden? Diese Lücken gilt es zu schließen. Da mit dem Bachelor-Master-System per Definition eine vermehrt berufsorientierte Hochschulausbildung einhergehen soll, wäre es wünschenswert, wenn die Themen Gründung und Entrepreneurship in die Studienangebote aller Fakultäten aufgenommen würden – ohne daraus einen Zwang zu machen.

Der GründerGarten als studentische Gründungsinitiative kann interessierten Studenten eine Plattform bieten, auf der sie sich mit Gleichgesinnten austauschen können. Das ist wohl der erfrischende Unterschied zu den Beratungsangeboten der Fakultäten: Dass wir die Sinne für Entrepreneurship nicht top down sondern bottom up schärfen wollen. Wer eine studentische Gründungsinitiative besucht und sich engagiert, den treibt mehr an als die bloße Jagd nach Creditpoints. Nicht jeder muss BWL studieren, um eine Idee bis zur Marktreife zu entwickeln – wer aber die richtigen Leute kennenlernt, kann mit ihrer Hilfe schneller und effektiver arbeiten.

Wie groß ist denn die Nachfrage nach eurem Angebot?

Um es im Business-Neusprech zu sagen: Wir skalieren recht gut – von gut fünf Leuten zum Start Mitte 2013 auf mittlerweile über 35 aktive Mitglieder. Bemerkenswert ist dabei, dass einige Mitglieder gar keine Studenten sind, sich der Sache aber trotzdem annehmen, den entrepreneurial spirit verbreiten und den Verein unterstützen wollen. Nicht zuletzt dadurch werden wir flexibler, können mehr Events planen und so eine immer größere Gruppe an Studenten und Interessierten erreichen. Und auch deutschlandweit liegt das Angebot im Trend: Mehr und mehr Studenten organisieren sich in Initiativen und profitieren dabei vom Netzwerk des Dachverbands Gründermagnet, den es seit 2012 gibt.

Und wie sieht es de facto aus, wenn sich jemand bei euch meldet und auf der Suche nach Hilfe oder Inspiration ist? Finden regelmäßige Treffen statt? Bekommen angehende Gründer Mentoren zur Seite gestellt?

Wir wollen den Gründergeist in Studenten wecken und Dresdens Gründerkultur stärken. Das kann ganz unterschiedlich vonstattengehen: Wenn sich jemand mit einer Geschäftsidee beschäftigt oder vor einer konkreten Herausforderung bei der Umsetzung einer Idee steht und auf uns zukommt, dann können wir entweder innerhalb der Vereinsmitglieder nach den idealen Ansprechpartnern suchen oder an Bekannte und Partner aus unserem Netzwerk verweisen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass man sich im Rahmen von Stammtischen über Ideen austauscht, sie diskutiert und so erstes Feedback einholt. Wenn jemand noch kein konkretes Anliegen hat, sich aber für die Szene und das Thema Gründung interessiert, dann ist auch das kein Problem und derjenige herzlich willkommen.

Anzeige
Während der Semester organisieren wir Stammtische, wo sich in lockerer Umgebung ausgetauscht werden kann, und interne Sitzungen, zu denen auch Gäste gern gesehen sind, die so einen Einblick in unsere Vereinsarbeit und Planungen bekommen können. Außerdem versuchen wir regelmäßig Events wie Workshops oder Gründertouren anzubieten. Die sind besonders beliebt, denn da besuchen wir Startups vor Ort und lernen die Gründer und ihre Geschichte kennen – im letzten November bei einer Tour in Berlin zum Beispiel deine Kollegen bei Gründerszene.

Solche Eindrücke bleiben unvergessen und viele Teilnehmer der Touren bleiben dem GründerGarten treu oder werden Vereinsmitglied. Jedes neue Mitglied bekommt einen Mentor zugewiesen, der bei Fragen zur Verfügung steht. Ein Mentorenprogramm für Gründer haben wir in dem Sinne nicht – hier bauen wir auf das Crowdsourcing-Prinzip und vermitteln direkt an Kontakte in unserem Netzwerk.

Gründergärtner im Gespräch mit Interessenten auf dem Gründerfoyer in Dresden

Welche tatsächlich gegründeten Unternehmen haben eure Dienste schon in Anspruch genommen?

Bisher wurde zwar noch kein Startup aus den Reihen des GründerGartens gegründet, jedoch haben einige Mitglieder bereits vor ihrer Mitgliedschaft ihre Ideen verwirklicht. Beispiele von unserer Mitgliederliste dafür sind ein Co-Gründer des erfolgreichen Social Business Washabich.de und ein Mitgründer der Meinungsplattform Whisp, deren Server vor kurzem leider abgeschaltet wurde. Er lernte aber über das vom GründerGarten mitorganisierte erste Dresdner Startup Weekend seinen neuen Arbeitgeber Lovoo kennen. Daneben gibt es Mitglieder, die gerade Praktika bei Berliner Startups absolvieren oder die wie ich bereits in einem jungen Unternehmen arbeiten. Bis Anfang nächsten Jahres aber wollen einige GründerGärtner ihr erstes Startup gründen – die Planungen laufen.

Womit kann Dresden als Unternehmensstandort punkten?

Dresden ist eine Stadt, die ihr Renommee vor allem ihrem kulturellen Angebot verdankt. Infrastrukturell kann Dresden mit Berlin, Hamburg oder München wohl nur schwer mithalten. Aber dass auf gut 500.000 Einwohner insgesamt mehr als 45.000 Studenten kommen, zeigt, welches Potenzial für die akademische und wirtschaftliche Zukunft hier steckt: Als Forschungsstandort ist Dresden international anerkannt, die Technische Universität ist zumindest dem Titel nach eine „Exzellenz-Universität“ und immer mehr Initiativen fördern die Kreativ-, Kultur- und Startup-Szene.

Dass die Startup-Szene hier noch so jung ist, kann als Vorteil gelten: Dresden ist hungrig und die Politik wird hoffentlich alles daran setzen, dass die Notwendigkeit der umsichtigen Förderung von jungen Gründern künftig noch stärker ins Bewusstsein der städtischen Öffentlichkeit rückt.

Erfolgsgeschichten von Startups „made in Dresden“ werden erst dann Alltag, wenn nicht mehr allein Beratungsfirmen und Automobilkonzerne Zugang zu den Hörsälen bekommen, um Nachwuchs zu werben, sondern wenn Gründer und Startups eingeladen werden, die für sich oder eine Unternehmensgründung Werbung machen.

Bist du selbst daran interessiert, eines Tages zu gründen? In welche Richtung könnte es für dich dabei gehen?

Ein wenig spiele ich schon mit dem Gedanken, einmal meine eigene Idee zu verwirklichen. Allein durch meine Arbeit bei Seedmatch lerne ich ja tagtäglich Menschen kennen, die genau das machen. Mein Antrieb beim GründerGarten aktiv zu werden war aber eben nicht der, dass ich unbedingt gründen will. Ich bin begeisterungsfähig und kritisch zugleich, ich unterstütze andere gern bei ihrem Vorhaben. Meine Rolle muss also nicht die eines Gründers sein – obwohl die Vereinsarbeit in vielerlei Hinsicht auch der in einem jungen Unternehmen gleicht. Falls ich einmal eine zündende Geschäftsidee haben sollte, dann weiß ich auf jeden Fall, wo ich nach Unterstützern suche!

Tobias, vielen Dank für dieses Gespräch!


Foto: Sebastian Kirchner