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Gründerinnen bei der Übergabe des Manifests

Eine IT-Messe wie die Cebit ist, wie vieles in der digitalen Szene, sehr männerdominiert. Eine Gruppe von Gründerinnen wie die Wirtschaftsinformatikerin Andera Gadeib hielt jedoch dagegen und nutzte die Messe, um dem EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft, Günther Oettinger, ihr Gründerinnen-Manifest zu überreichen. Sie wollen Frauen für die deutsche und europäische Startup-Szene begeistern.

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Das 2013 erschienene europäische Manifest für die Startup-Szene war für uns nicht ausreichend. Uns fehlte eine deutlich weibliche Note, mehr weibliche Vertreter der Branche. Also haben wir dieses Manifest zusammengestellt: Wir wollen deutlich mehr Frauen in die digitale Gründerszene holen,“ so Gadeib gegenüber Gründerszene. „Für uns ist es wichtig, dass wir Eltern und Mädchen wie Jungen von dem pink-blauen Denken wegholen und aus der traditionellen Rollenverteilung ausbrechen. Dass heißt zum Beispiel, dass wir Mädchen fürs Coding begeistern. Auch auf EU-Ebene wollen wir mehr Frauen im Tech-Bereich.“

Das Manifest von Gründerinnen und Unternehmerinnen, das unter anderem von Deutschlands Digitalbotschafterin Gesche Joost und der parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries, unterzeichnet wurde, beschäftigt sich aber nicht nur mit der Förderung von Frauen. Auch Themen wie die Frühförderung von Kindern und bessere Rahmenbedingungen für Gründungen werden behandelt. Die Idee dazu entstand bei einem Gründerinnen-Frühstück, das Zypries regelmäßig organisiert.

Bereits der erste Teil des achtseitigen Manifests beschäftigt sich mit Thesen zu Schule, Beruf und Studium. Unter anderem wollen die Gründerinnen, dass Mädchen (wie Jungen) früh an Technik und Wissenschaft herangeführt und begeistert werden. Auch die digitale Ausstattung von Schulen sowie die digitale Kompetenz von Lehrern sei wichtig.

Kindern und jungen Erwachsenen soll ein allzu starres Denken abgewöhnt werden: Ein Über-den-Tellerrand-Schauen und die Lust am Experimentieren sollen bereits früh gefördert werden.

Die Unterstützer des Manifests wollen Gründerinnen sowie Risikokapitalgeberinnen als eine Norm und nicht als Ausnahme in der Startup-Szene sehen. Damit das realisierbar wird, sollen nicht nur das traditionelle Rollenbild von Mann und Frau verschwinden, sondern auch Netzwerke wie zur Kinderbetreuung geschaffen werden.

Die Rahmenbedingungen für die Startup-Szene seien ebenfalls verbesserungswürdig: Es soll zum Beispiel auf die Regulierung von Crowdinvest-Plattformen verzichtet und Selbstständige und Gründer auch von Arbeitsagenturen besser beraten werden.

Für die Gründerinnen ist es wichtig, dass andere Unternehmerinnen Vorbilder schaffen und sich gegenseitig unterstützen. Erfolgreichen Geschäftsfrauen soll eine Bühne geboten werden, damit andere Frauen sehen können – es geht doch. Gründertrainerin Julia Derndinger ist eine der Frauen, die das Manifest unterschrieben haben. Für sie ist es wichtig, Frauen zu motivieren, sodass sie sich mehr zutrauen, erzählt sie gegenüber Gründerszene. „Frauen so zu motivieren, dass sie gründen und damit ihr Leben maximal selbst gestalten“ sei wichtig, so Derndinger. „Als Unternehmerin habe ich sehr viele Möglichkeiten, mein Leben und das Leben anderer positiv zu beeinflussen.“

Hier geht es zum Manifest.

Unsere Galerie zu Gründerinnen in Deutschland:

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Tanja Bogumil (links) und Linh Nguyen leiten das Berliner Startup Kisura. Nach dem Vorbild der Männereinkleider Modomoto und Outfittery beraten die Kisura-Stylistinnen Kundinnen in Mode- und Stilfragen und senden ihnen eine auf sie abgestimmte Kleiderauswahl mit Kaufoption nach Hause.

Bild: Stephanie Renner