Netiquette Kommentare

„Was für ein Stuss“, „peinlich und missplatziert“, „unfähiger Geschäftsführer“ und ähnlich disqualifizierende Kommentare sieht man auf Gründerszene in letzter Zeit immer häufiger. Gründerszene hat sich deshalb zu einem Wechsel des Kommentarsystems entschlossen und eine eigene Kommentar-Netiquette formuliert – doch was denken die Leser dazu?

„Was für Weicheier!“ – Aha, und wieso?

Pöbelkommentare und Getrolle gehören zu Gründerszenes Artikeln leider etwas häufiger, als dem Team und mir lieb ist. Oftmals wird nicht diskutiert oder argumentiert, sondern flach geurteilt. Wenn ich ehrlich bin, habe ich dazu ein gespaltenes Verhältnis: Auf der einen Seite bieten solche Kommentare häufig auch interessante Einsichten, die des öfteren auch zu neuen Artikeln geführt haben. Durch Kommentare unter den Artikeln bekommen wir oft neue Perspektiven oder Hinweise, auf die wir ansonsten nicht gestoßen wären. Zudem soll der Kommentarbereich eine Plattform sein, auf der die speziellen Themen und Interessen der Internet-Wirtschaft diskutiert werden können.

Auf der anderen Seite ist es aber auch einfach nur anstrengend, wenn lediglich gepöbelt wird. Viele Äußerungen in Nutzer-Kommentaren auf Gründerszene waren in der letzten Zeit leider sehr destruktiv und haben zu keinem der oben genannten Zwecke beigetragen. Persönlich abwertende Kommentare zu einzelnen Personen sind immer öfter vorgekommen. Genauso scheint sich die Angewohnheit zu verbreiten, Ideen oder Unternehmen schlecht zu reden, ohne dabei konkrete Argumente zu liefern.

Als Adressat solcher Kommentare habe ich Entsprechendes auch oft genug selbst abbekommen. Beleidigungen paaren sich dann mit Behauptungen und Vermutungen, während sich der Kommentator selbst hinter der Anonymität des Webs versteckt. Je nach Ego-Größe lässt sich das sicherlich ganz gut wegstecken und doch nervt es vielfach einfach nur, wenn auf Basis von Vermutungen, Gerüchten und Lügen anonym geurteilt wird.

Gründerszene Netiquette

Eine Netiquette für Kommentare

Die gesamte Gründerszene-Redaktion hat sich deshalb dazu entschlossen, einige Richtlinien und Empfehlungen zu formulieren, nach deren Maß die Kommentarfunktion in Zukunft genutzt werden soll. Nach folgender Netiquette soll die Kommentarfunktion ab sofort eingesetzt werden, wenn ein Kommentar von uns freigeschaltet werden soll:

1. Du hast es nicht mit virtuellen Persönlichkeiten zu tun, sondern mit Menschen – gehe mit anderen auch dementsprechend um.

2. Es ist sinnvoll, hart in der Sache zu argumentieren, persönliche Angriffe auf Personen sind nicht sinnvoll und werden nicht anerkannt.

3. Jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung, respektiere die Ansichten anderer und versuche nicht, anderen Deine Meinung aufzudrücken.

4. Äußerungen sollen die Diskussion anregen und sich im weitesten Sinne mit dem Thema beschäftigen.

5. Jede These sollte durch konkrete Argumente unterstützt werden, um Anhaltspunkte zur Diskussion zu geben.

Natürlich gilt weiterhin, dass wir keine Kommentare zulassen, die werblich, pornografisch, extremistisch, rassistisch, beleidigend, ruf- oder geschäftsschädigend sind oder zu einer Straftat auffordern. Haben wir jenseits dessen noch wichtige Aspekte in dieser Netikette vergessen? Falls ja, kommentiert gerne entsprechend und setzt dabei die Netiquette schon ein :-).

Welches Kommentar-System sollten wir nutzen?

Darüber hinaus haben wir intern wie extern immer wieder diskutiert, ob wir auf Facebook-Kommentare umsteigen sollten oder andere Wege (etwa Logins) nutzen, um die Qualität der Diskussion über Klarnamen zu sichern. Ich persönlich bin der Meinung, dass die Möglichkeit zur Anonymität nicht selten auch den Wert der Debatte steigert. Im Falle der Groupon-Artikel konnte ich etwa beobachten, dass wir mit über 150 Kommentaren deutlich mehr Resonanz erzielten als VentureVillage (www.venturevillage.eu), das auf Facebook-Kommentare setzt, aber beim selben Content kaum Kommentare aufwies.

Daraus schließe ich, dass Anonymität ein wichtiger Faktor bei brisanten Informationen ist, gleichzeitig aber auch zu Pöbeleien und Gerüchten verleiten kann. Darüber hinaus fühle ich mich nicht wohl, bei unseren Kommentaren auf einen externen US-Anbieter zu setzen, der zwar Viralität bietet, aber eben auch eigene Spielregeln.

Weil die komplett anonyme Variante aber anscheinend auch nicht trägt, sehen wir vor, einen Mittelweg zu gehen, indem wir auf Disqus umstellen. Für alle, die Disqus nicht kennen: Disqus bietet die Möglichkeit, sich mit Facebook, Twitter oder per E-Mail einzuloggen und so zu kommentieren – wahlweise auch anonym. Auch die Diskussionsführung ist mit Disqus einfacher und das System stellt damit also einen gewissen Kompromiss zwischen anonym und nicht-anonym dar.

Dennoch interessiert uns natürlich eure Meinung – schließlich seid ihr die Nutzer des Ganzen: Welche Meinung habt Ihr zum Thema Kommentare? Haben wir in der Netiquette noch etwas vergessen? Ist Disqus ein so sinnvoller Kompromiss, wie wir ihn uns erhoffen?

Mitarbeit: Silas Sachs, Magdalena Räth

Bildmaterial: Mickepe (Arikelbild), via ogithemaster (oben)