Handyhacker

Wenn sie erstmal drin sind, ist es zu spät

Auf dem Labortisch liegt ein Smartphone. Grüne Kabel mit ein paar billigen elektronischen Bauteilen ragen heraus. Hier, im Innovationslabor der Deutschen Telekom an der Ben-Gurion-Universität im israelischen Beer Sheva, wird unter anderem erforscht, wie Hacker in Smartphones eindringen – und wie man sich dagegen wehren kann. Das ist für die Studenten der Cybersicherheit eine große technische Herausforderung und für die Deutsche Telekom essentiell für das eigene Geschäft. 

Doktorand Omer Shwartz erklärt, dass es vor allem einen einfachen Weg in die Smartphones gibt. Die Eindringlinge bedienen sich dabei präparierter Ersatzteile. Wenn der Bildschirm des iPhones gebrochen ist, gehen die meisten Nutzer in den kleinen Reparaturshop um die Ecke. Der baut schnell einen neuen Bildschirm ein. Doch woher dieses Ersatzteil kommt, wer es in den Händen hatte, weiß der Handydoktor nur in den seltensten Fällen. Auf dem freien Markt gibt es zum Beispiel keine Original-Displays von Apple. 

Unsichtbares Bauteil im Ersatz-Display

Es kommt leider vor, dass Austauschscreens unbekannter Herkunft zuvor präpariert worden sind, sagt Shwartz. Der Nutzer und der Reparaturbetrieb können aber leider nicht erkennen, dass sich in ihnen etwas versteckt, was dort nicht hingehört. Dieses unsichtbare Bauteil ist dann die Tür, durch die Angreifer ins Smartphones eindringen können.

Omer Shwartz

Omer Shwartz erklärt seine Arbeit.

Shwartz: „Wenn die Angreifer durch die ,Backdoor‘ drinnen sind, können sie alles mit den Smartphones machen. Es werden Passwörter abgefragt, Selfies vom Nutzer und sogar Videos seiner Umgebung gemacht, ohne dass der Smartphone-Besitzer es merkt.“ Er führt an einem Testgerät vor, wie einfach das ist.

Bislang gibt es keinen Schutz gegen diese Angriffe. Deshalb forschen Shwartz und seine Kollegen hier, indem sie versuchen, wie Hacker zu denken. Mögliche Angriffsszenarien werden durchgespielt. In allen technischen Einzelheiten. Anschließend wird nach Wegen gesucht, diese Angriffe abzuwehren. Das Spiel beginnt immer wieder neu, weil es immer wieder neue Hacker-Angriffe mit neuen Methoden gibt. 

In Zukunft wird Cyber-Krieg geführt

Gleich um die Ecke vom Smartphone-Labor der Universität ist der sogenannte „Infektionsraum“. Hier sollten Besucher der Einrichtung ihre Smartphones nicht mit hinein nehmen. Denn mit Hilfe von präparierten Routern wird versucht, Handys empfindlich zu stören oder unbemerkt eine Spionage-Software in sie hinein zu schleusen. Fast alles ist möglich. 

Während der Cyber Security Week in Tel Aviv dreht sich alles um die Sicherheit im virtuellen Raum. Eine Woche lang tauschen sich Experten und Forscher über die Abwehr von Hacker-Angriffen aus. Hier ist man der Meinung, dass die Kriege der Zukunft nicht mehr mit Raketen und Bomben geführt werden, sondern mit unsichtbaren Cyberangriffen. Wichtige Infrastruktur, Computer des Gegners und die Manipulation von Stromnetzen großer Städte sind das zukünftige Ziel von Attacken, heißt es. 

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Die Verteidiger rüsten ebenfalls auf und versuchen, den Angreifern immer einen Schritt voraus zu sein. Hier an der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva wird an Sicherheitskonzepten gegen Cyber-Angriffe geforscht. Dabei sind Smartphone-Hacker nur ein kleiner Teil der Bedrohung. Aber dieser Teil betrifft uns alle. Bis Omer Shwartz und sein Team praktikable Lösungen für mehr Sicherheit gefunden haben, gibt es eigentlich nur einen Weg sich zu schützen: Passt auf eure Smartphone-Screens auf! Und achtet darauf, dass im Falle einer Reparatur wirklich nur Original-Ersatzteile eingebaut werden. 

In dieser Woche folgen weitere Berichte über die Cyber Security Week in Tel Aviv.

Fotos: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Visual Content / Frank Schmiechen; Bild bei Facebook: Getty Images/Irina Dobrolyubova